14. Bauhaus-Farbfest 2011: Statt Farbe: Licht

Anstelle einer weiteren Farbe thematisierte das von Bettina Pelz kuratierte 14. Farbfest das Verhältnis von Farbe und Licht in Kunst, Design und Architektur.  Tages- und Nachtlicht, natürliches und künstliches Licht galten von Anfang an als wichtige Gestaltungselemente in der Entwurfsarbeit des Bauhauses. Mit der Einführung von elektrischem Licht kamen neue Gestaltungsaufgaben auf das Bauhaus zu: Gyula Pap, Marianne Brandt, Carl Jakob Jucker und Wilhelm Wagenfeld entwickelten in den 1920er Jahren die ersten Leuchten – bis heute gelten sie als Design-Klassiker. Eine der bedeutendsten Arbeiten stellt der Licht-Raum-Modulator von 1930 dar, ein „Apparat zur Demonstration von Licht- und Bewegungserscheinungen“ von László Moholy-Nagy. Das Kapitel „statt farbe: licht“ aus seinem Werk „von material zu architektur“ gab deshalb auch dem Farbfest 2011 seinen Namen.

  • Ein Lichtparcours durch Dessau

2011 wurden weite Teile der Stadt Dessau in das Farbfest eingebunden: Ein Lichtparcours aus Installationen und Performances zog sich von der Innenstadt über den Bahnhof und das Anhaltische Theater bis hin zu den Welterbestätten Bauhaus mit den Meisterhäusern und dem Gartenreich Dessau-Wörlitz. Auch die Zerbster Straße war wieder ein zentraler Veranstaltungsort, einen weiteren Schwerpunkt bildete die Inszenierung der Ruine des „Kristallpalastes“ gegenüber dem NH-Hotel Dessau. Künstler und Designer aus aller Welt präsentierten hier ihre Arbeiten zum dialogischen Verhältnis von Farbe, Licht und Bewegung.

Zu den Highlights gehörten die Installationen von Dominik Busch (D), Sigrid Sandmann (D), Ghiju Díaz de León (Mexiko), Robert Sochacki (Polen) sowie die Performance der RaumZeitPiraten (D).

Dominik Busch hat in der St. Johanniskirche eine Audio-Collage mit historischen Tonaufnahmen zur Kirche installiert und aus den Audiofrequenzen generierte Muster im Kircheninnenraum an die Wände projiziert. Sigrid Sandmann entwarf für das 14. Farbfest eine Textur für das Prellerhaus, bei der die architektonische Struktur von einer typografischen überlagert wurde. Projektionen im Stadt- und Landschaftsraum sind das Thema von Ghiju Díaz de León. Sie erzeugte auf der Fassade der Anhaltischen Gemäldegalerie im Georgium Licht- und Schattenbilder, die bei Dunkelheit die Gemäldegalerie zum Leuchten brachten. Robert Sochacki projizierte eine künstliche Dokumentation in Form von Lichtbild-Collagen auf die Ruine des Kristallpalasts. Ein weiterer Höhepunkt war die Performance der RaumZeitPiraten an den Meisterhäusern, die für die Innenräume des Muche/Schlemmer-Hauses ein Lichtlabor entwarfen, das eine interaktive Fassadenprojektion beinhaltete.

  • Eine Plattform für europäische Gestaltungshochschulen

Eine Reihe von Hochschulen war ebenfalls auf dem 14. Bauhaus-Farbfest vertreten: Studierende und Alumni der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Hochschule Anhalt, der Hochschule für Künste in Bremen und der Akademie der musischen Künste (AMU) Prag zeigten ihre Arbeiten im Bauhausgebäude und am Seminarplatz.

Neben Performances und Installationen gehörten auch 2011 ein vielfältiges Musikprogramm zum Farbfest. Sechs Konzertbühnen, darunter drei Open-Air-Bühnen, wurden von Musikern und Bands bespielt. Ein Highlight des Musikprogramms war der im Rahmen einer Kooperation mit dem renommierten MELT!-Festival entstandene Auftritt des Ensembles Brandt Brauer Frick. Weitere Höhepunkte waren die Latin Jazz Connection feat. Juston Suarez, die Jugendbigband Anhalt und der Chor der Walter-Gropius-Gymnasiums mit Unterstützung von Pascal Wroblewsky, Skin Diary, Lovenia, Me and the White Rabbits, Tanner, The Subs und das Soulbasta Kollektiv.