Farbfest 1997 bis heute

Rückblick

Der Ursprung Farbfeste am Bauhaus findet sich in den 1920er Jahren am Bauhaus, wo durch aufwendig organisierte Feste der Austausch zwischen den Meistern, den Studierenden und der Weimarer bzw. Dessauer Bevölkerung geschaffen wurde. Vor allem am Dessauer Bauhaus wurden die Feste zu aufwendigen Inszenierungen mit Reden, Bühnen-Auftritten, Stehgreifspielen, Musik der Bauhaus-Kapelle, Verkleidung, sowie Licht- und Rauminstallationen. Schon in den 1920er Jahren boten solche Feste am Bauhaus Raum, sich einerseits dazustellen und verständlich zu machen, aber auch in lockerer Atmosphäre der Stadt Dessau einen Anlass zum Feiern zu geben.

Die Feste waren wie auch die legendäre Bauhauskapelle ein Exportschlager des Bauhauses und erlangten eine derartige Berühmtheit, dass das Bauhaus sie auch in anderen Städten ausrichten sollte, unter anderem in Halle mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und in Berlin. Das letzte Fest wurde im Februar 1933 am Bauhaus Berlin gefeiert – wegen des großen Andrangs gleich zweimal. Es war wie eine Panikblüte und noch einmal konnte sich die Festkultur des Bauhauses entfalten: Hitler war bereits an der Macht und das Bauhaus kurz vor der erzwungenen Selbstauflösung durch die Nationalsozialisten. Es sollte für lange Zeit das letzte gewesen sein.

Erst 1983 griff man die Tradition behutsam wieder auf: Das erste Bauhausfest, auch als Bauhaus-Treff bezeichnet, wurde in Dessau gefeiert und bis 1989 jährlich wiederholt. Es bildete den direkten Vorläufer der Farbfeste von heute.

1. Farbfest: Weiß

1997 – Dessau wird Weltstadt – wer weiß?

1997 veranstaltete die Stiftung Bauhaus Dessau das erste Fest in der Reihe der neuen Farbfeste. Anlass waren die Aufnahme des Bauhauses in die UNESCO- Kulturerbeliste im Dezember Ende 1996 und die Übergabe der Urkunde an die Stiftung Bauhaus Dessau im August 1997. Zusammen mit dem Open-Air-Eröffnungskonzert des Anhaltischen Theaters, mit dem dieses traditionell seine neue Spielzeit einleitet, schuf das Farbfest am Bauhaus einen Höhepunkt im Dessauer Kulturkalender. Angelehnt war jenes erste Fest an das erste historische Bauhausfest in Dessau. Kurz nach der Übersiedlung von Weimar nach Dessau hatte das Bauhaus 1926 sein Frühjahrsfest mit dem Richtfest für das neue Hochschulgebäude verknüpft und als „Weißes Fest“ gefeiert. Das Farbfest 1997 macht daraus das Motto „Dessau wird Weltstadt – wer weiß…“

2. Farbfest: Gelb

1999

Spätestens seit dem gelben Fest 1999 ist die Marke „Farbfest“ ein etablierter Begriff in Dessau und darüber hinaus. Das Farbfest entwickelte sich schnell zu einem kulturellen Großereignis der Stadt. Mit experimentellen Projekten, Rauminstallationen, Musik, Tanz und besonderer Gastronomie war dem lokalen und überregionalen Publikum im Stadtraum zwischen dem Anhaltischen Theater, dem Hauptbahnhof, der Hochschule Anhalt und dem gesamten Bauhausgebäude ein besonderes Kunst- und Kulturerlebnis geboten.

3. Farbfest: Blau

2000

Das mit den ersten beiden Farbfesten entwickelte Konzept setzte sich in den Folgejahren fort. Bis 2005 orientierten sich die Farbfeste am Bauhaus an den Spektralfarben.

4. Farbfest: Rot

2001

5. Farbfest: Silber

2002

6. Farbfest: Grün

2003

7. Farbfest: Orange

2004

8. Farbfest: Violett

2005

9. Farbfest: Weiß

2006

Zum zehnjährigen Jubiläums der Aufnahme des Bauhauses in die UNESCO-Welterbeliste schloss sich der Kreis zum Weiß. Thematisch, räumlich, institutionell und zeitlich wurde das Fest deutlich erweitert, es erstreckte sich bis an die beiden anderen Dessauer UNESCO-Stätten: den Park Georgium als Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches und das Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Das Fest sollte den Blick der Besucher auch auf die einmalige Dichte von UNESCO-Stätten lenken – und zugleich weitere kulturelle und wissenschaftliche Träger einbeziehen. Erstmals waren 2006 auch das Umweltbundesamt, die Hochschule Anhalt, das Kurt-Weill-Zentrum, das Kiez-Kino und weitere Institutionen wie Krötenhof, Schwabehaus, Reisewerk, Büro Otto Koch und Offener Kanal am Farbfst beteiligt. Eine vorausgehende Festwoche, die am Restaurant Kornhaus eröffnet wurde, ergänzte das Programm.

10. Farbfest: Gelb

2007 – Gelb gewürfelt

2007 hatte das Farbfest wieder ein besonderes Thema: „Gelb gewürfelt“. Bilder aus Wassily Kandinskys „Gelbem Klang“, der Entwurf einer Bühnenkomposition von 1912, wurden für eine spektakuläre Brückeninszenierung adaptiert. Das Motiv des Würfels griff die konstruktivistische kubische Form des Bauhausgebäudes auf. Es reflektierte – durchaus ironisch – die Utopien, die die architektonische und gestalterische Moderne mit dem Würfel verband. Um das in gelbes Licht gehüllte Bauhausgebäude herum standen Skulpturen und Installationen aus Würfeln. Bühnenprojekte, Projektionen und Bilder thematisierten spielerisch den „gelben Würfel“.

11. Farbfest: Blau

2008 – Hommage an László Moholy-Nagy

Das blaue Fest 2008 widmete sich dem Bauhausmeister László Moholy-Nagy. Unter dem Titel „Kompositionen in Blau“ wurden Ideen und Konzepte des Bauhausmeisters reflektiert und gewürdigt. Geometrische und abstrakte Formen prägten Videoprojektionen, Kostüme, kinetische Installationen, Perfomances, Bühnen und Stände.

12. Farbfest: Rot

2009 – Hommage an Oskar Schlemmer

Im 90. Jubiläumsjahr des Bauhauses gab es zum Farbfest erstmals einen „Bauhausflug“, der Gäste aus Zürich, München und Berlin mit einer echten JU52 nach Dessau brachte. Dieser Traditionsflug sollte an die enge Verbindung zwischen den Bauhäuslern und dem Luftfahrtpionier Hugo Junkers erinnern. Das Bauhausgebäude selbst hüllte sich ganz in Rot, Projektionen, Performances und Installationen gestalteten den Festraum am und im Bauhaus. Auf den Spuren Oskar Schlemmers zogen überlebensgroße Figuren durch die Stadt, und das Bauhausgebäude wurde zum signalroten Zentrum der Stadt. Ein besonderer Höhepunkt der künstlerischen Arbeiten am Bauhaus war die Fassadenprojektion von urbanscreen.

13. Farbfest: Grün

2010 – Aéroflorale und Maschine: Grün

Anfang September 2010 tauchte das 13. Farbfest die die Bauhausstadt an der Elbe in ein sattes Grün. Passend zum 75. Todesjahr des Luftfahrtpioniers Hugo Junkers landeten mysteriöse Flugmaschinen mit wunderlicher Besatzung in Dessau-Roßlau. Zum ersten Mal waren auch internationale Partner am Farbfest beteiligt: Die französische Compagnie La Machine sorgte in der Innenstadt für eine Inszenierung, wie sie Dessau-Roßlau noch nicht erlebt hatte. Weitere Informationen