Licht am Bauhaus

Historische Experimente mit einem unfassbaren Stoff

Licht und Raum

Der "Licht-Raum-Modulator" (1920 bis 1930) als "Apparat zur Demonstration von Licht- und Bewegungserscheinungen" zeigte exemplarisch, wie László Moholy-Nagy in seiner inter-disziplinären Arbeitsweise Entwicklungen aus Technik, Architektur und Bühne in der bildenden Kunst fortführte. Er entwickelte Objekte und raumbezogene Installationen, in denen er Licht und Farbe, Raum und Bewegung inszenierte.1930 lud Alexander Dorner ihn in das Provinzialmuseum nach Hannover ein, um einen für einen Museumsraum Licht und Farbe, Lichtbild und Schatten, stilles und bewegtes Bild zu choreografieren. Mit dem Auftrag für den "Raum der Gegenwart" an László Mohol-Nagy entstand das Konzept für den ersten multimedialen Museumsraum im 20. Jahrhundert.

Licht und Bild

Mit seinem "Buntfilm" war Hans Stoltenberg 1911 einer der ersten, die einen Filmstreifen von Hand unterschiedlich einfärbten und einen Verlauf farbiger Lichteindrücke als Film zeigten. 1922 entwarf Kurt Schwerdtfeger, damals noch Student, für das "Laternenfest" 1922 ein Schattenspiel mit einer Mischung von beweglichen Schattenfiguren und abstrakten Lichtformen. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Ludwig Hirschfeld-Mack entwickelte er diese Ideen in den "Reflektorischen Lichtspielen" weiter, u.a. durch den Einsatz von mehreren wechselnden Lichtquellen unterschiedlicher Qualitäten. László Moholy-Nagy fasste 1923 zusammen, dass der Film Lichtspiel sein und zugleich Lichtspiel zeigen solle.

Licht und Musik

In der künstlerischen Auseinandersetzung mit Licht spielte nicht nur die technische Dimension eine wichtige Rolle, sondern auch die physikalische Verwandtschaft von Licht und Musik: Wie die Schwingungsfrequenz des Lichtes seine Farbe erzeugt, so definiert die Frequenz eines Tons seine Höhe. Zu den Pionieren in der künstlerischen Umsetzung auf der Bühne gehört der russische Komponist und Pianist Alexander Skrjabin, der in Ton- und Farbwerten komponierte. 1915 wurde erstmals seine Symphonie "Prometheus. Dichtung des Feuers" mit der "Lichtstimme", mit Preston Millars Farblichtklavier aufgeführt. Auch die Pianistin Mary Hallock-Greenewalt entwickelte seit Beginn der 1910er Jahre verschiedene Farblichtklaviere. 1919 stellte Thomas Wilfreds sein "Clavilux" vor, und ebenso wie Hallock- Greenewalt verzichtete er im Laufe der Entwicklungen auf die zwangsläufige Anbindung an die Musik. Zu Beginn der 1920er Jahre experimentierte Kurt Schwerdtfeger am Bauhaus mit handbewegten Schablonen geometrischer Elementarformen vor farbigen Scheinwerfern, die, analog zu den Stummfilm-Präsentationen der Zeit, von Klaviermusik begleitet wurden.

Licht und Bühne

Schon in den 1890er Jahren ersetzte Kunstlicht im Theater bereits die Kulisse. Als "Schwester Edisons" wurde die Tänzerin Loїe Fuller 1892 von ihrem Publikum gefeiert. Sie machte Licht zu ihrem künstlerischen Material, indem sie in ein Tuch gehüllt durch einen Lichtstrahl in einem leeren, ansonsten dunklen Bühnenraum tanzte. Damit war sie Wegbereiterin für expressionistische Bühnenkonzepte, die bewegliche Lichtkegel in dunklen Bühnenräumen einsetzen. Die hier entwickelten Darstellungsprinzipien wurden, über den Expressionismus hinaus, als Stilmittel in den Film übernommen. Auch die Bühnenexperimente von Oskar Schlemmer schließen sich hier an. Ein wichtiger Schauplatz war die Aula des Bauhausgebäudes in Dessau. Dort wurden Schlemmers "Bauhaustänze" geprobt und aufgeführt. Schlemmer forschte zum Verhältnis von Raum und Bewegung, Form und Figur, Licht und Farbe. So entstand u.a. das "Triadische Ballett", in dem die Tänzer zu geometrischen Plastiken wurden, die sich im Bühnen-Lichtraum bewegten. In Schlemmers Arbeiten ebenso wie in jenen von Ludwig Hirschfeld-Mack und László Moholy-Nagy wurde die Idee des literarischen Theaters durch die eines "mechanischen Balletts" abgelöst.

Licht und Architektur

Schon bei der Gründung des Bauhauses war der Umgang mit Tageslicht ein wesentlicher Ankerpunkt für die Weiterentwicklung der Architektur. Das Bauhaus Dessau, entworfen und gebaut von Bauhausgründer Walter Gropius, gehört zu jenen frühen Bauwerken aus Glas, Stahl und Beton, deren wesentliches Gestaltungselement das Wechselspiel von Tages- und Nachtlicht, das Zusammenspiel von natürlichem und künstlichem Licht ist. Zeitgleich entstand im Zuge der Elektrifizierung ein neuer Bedarf an Leuchten – und an neuen Gestaltungslösungen für das künstliche Licht zuhause und im öffentlichen Raum. In den 1920er Jahren entwickelten Gyula Pap, Marianne Brandt, Carl Jakob Jucker und Wilhelm Wagenfeld die ersten Bauhaus-Leuchten, die bis heute als Designklassiker reproduziert werden. Die industrielle Produktion und allgemeine Verfügbarkeit von künstlichem Licht war eine technische Entwicklung, die für alle Bauhausmeister von Bedeutung war. In der Praxis ebenso wie in der Lehre spielte der künstlerisch-gestalterische Umgang mit Kunstlicht eine ausdrückliche Rolle. Dabei knüpften dei Bauhausmeister an innovative künstlerische Praktiken aus temporärer Architektur und Bühne um die Jahrhundertwende an.