Addis Abbeba – Projekt zur Stadtplanung in Äthiopien 2000/2001

Beiträge und Beobachtungen zur Stadtplanung in Addis Abeba

Addis Abbeba

Die Stiftung Bauhaus Dessau war 2000/2001 in einer Partnerschaft mit der Stadt Addis Abeba und der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Äthiopien tätig.

Die Vorgeschichte dieses Projekts reicht bis 1999 zurück: damals richtete die Stadt Addis Abeba das Master Plan Revision Project ein, um eine kritische Bestandsaufnahme der bisherigen Stadtentwicklung durchzuführen und neue Standards für die Zukunft der Hauptstadt zu entwickeln.

Im Juni 2000 fand das Projekt "Addis Abeba – Forum and Exhibition" statt, maßgeblich mitgestaltet durch Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau. Über 50.000 Bewohner der Stadt besuchten Ausstellung und zugeordnete Veranstaltungen, um sich über die Geschichte von Addis Abeba zu informieren und ausgewählte Beispiele städtebauliche Visionen für Äthiopiens Hauptstadt zu diskutieren.

Aus einer anfänglichen Unterstützung für eine Ausstellung zur Stadt und ihrer Geschichte ist eine Zusammenarbeit entstanden, die das Bauhaus in seiner einmaligen Doppelrolle als Schule und als Werkstatt forderte. 2001 wurden mit einem Team aus äthiopischen Stadtplanern und Architekten des Bauhauses Bebauungspläne und Planungsstrategien für zwei Gebiete der Stadt entwickelt: Einerseits Merkato, einer der größten Märkte in Afrika, 100 ha groß und täglich von einer viertel Million Menschen besucht, und andererseits Asmara Road, eine typisch afrikanische Strasse, die gleichzeitig als Raum für Verkehr, Verkauf, Produktion, Schrott und Gebet dienen muss.


Addis Abeba ist überwiegend eine kompakte Stadt mit eingeschossigen Gebäuden und ständig im Wachstum. Für viele Menschen der post-sozialistischen Gesellschaft ist "Planung" – nachdem die Planwirtschaft überwunden wurde – eine verunsichernde Aufgabe.

Die Aufgabe des gemeinsamen Teams von Städtebauern und Architekten der Stadt Addis Abeba und des Bauhauses war eine Planung im Bestand. Bestand heißt in Merkato nicht nur baulicher Bestand, sondern auch Bestand an Unmengen von Studien, Gutachten und Wunschdenken. Bei der Entwurfsstrategie will man nicht dem üblichen Weg vom Großen ins Kleine folgen, sondern sucht den Einstieg über die kleinste Einheit, d.h. über die einzelnen Marktstände.

Die Lösungen sollten dem gegenwärtigen Charakter von Merkato entsprechen: Der Markt findet an und auf der Straße statt, die Gebäude sind lediglich offene Strukturen ohne Fassaden, so daß eher die ausgestellten Produkte als die Gebäude selbst den Straßen ihre Identität verleihen. Die Planungen spannten für Merkato einen Rahmen auf, in dem die zukünftige Entwicklung stattfinden kann – von der Verkehrsplanung bis hin zu typologischen Vorschlägen für neue Marktgebäude.

Es ging vor allem darum, neue Typologien und adäquate Bautechnologien für den äthiopischen Markt zu entwickeln, die ihre Vorbilder nicht in Dubai oder den USA haben. Ebenso um einen sozial-nachhaltigen Wohnungsbau für die Menschen, die in den vermeintlichen Slums wohnen und den Großteil der Bevölkerung ausmachen.