Bauhaus City – Get on Site!
Sommerschule 2009

Im Jubiläumsjahr 2009 standen unter dem Titel "Bauhaus City – Get on site!" die Dessauer Bauhausbauten und ihre aktuelle Relevanz für die Architektur- und Stadtentwicklung im Zentrum eines zehntägigen Programms, das durch eine öffentliche Vortragsreihe international renommierter Architekturtheoretiker und Kunsthistoriker ergänzt wurde.

Wie ein roter Faden, der im Süden mit der Experimentalsiedlung in Törten beginnt und im  Norden mit dem Kornhaus, einem Ausflugslokal an der Elbe, seinen Abschluss findet, ziehen sich die Bauhausbauten durch die Stadt Dessau-Roßlau. Dabei sind die Bauhausbauten nur die herausragenden Repräsentanten einer tiefgreifenden  Modernisierung der Stadt in den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts.

Als die Bauhausbauten nach 1990 denkmalgerecht saniert wurden, war das auch ein programmatischer Akt. Denn zwischen der internationalen medialen Präsenz der Gebäude und ihrem Gebrauch vor Ort existierte jahrzehntelang eine Diskrepanz. Heute rückt das Bauhaus erneut ins Zentrum der städtischen Aufmerksamkeit: Mit der "Bauhausstadt" als Marke will man die Stadt nach innen wie nach aussen profilieren. Dabei geht es nicht nur um das physische Layer der Bauten, sondern um eine Geisteshaltung, die die Stadt geprägt hat, und an die man heute anknüpfen will, um den Strukturwandel zu bewältigen. Die Bauhausstadt eröffnet ein interessantes Spannungsfeld, wo epochemachende Geschichte und lokale Geschichten, ikonische Entwürfe und gelebte Architektur an ganz konkreten  Orten miteinander verhandelt werden.

Die  Sommerschule lud Studierende der Architektur, Kunst, Planung und des Design aus aller Welt nach Dessau ein, um sich mit den Zusammenhängen, Beziehungen, Abstoßungen und Missverständnissen zu beschäftigen, aus denen sich die  Bauhausstadt als physischer Raum, als Imagination, Erinnerungsspur und Idee zusammensetzt. "On site" in sechs thematischen Workshops entstanden performative Aktionen, visuelle Displays und urbane Interventionen, in denen verborgene Spuren und Relationen sichtbar gemacht, städtische Situationen kritisch kommentiert und  Widersprüche offengelegt wurden. Geleitet wurden die Workshops von INTERBORO (New York), Michael Zinganel (Graz), Wochenklausur (Wien), Kuehn Malvezzi (Berlin), MUF (London) und Gods Entertainment (Wien). 

bhd_sommerschule_2009_Gods_Entertainment1.jpg
bhd_sommerschule_2009_Gods_Entertainment10.jpg
bhd_sommerschule_2009_Gods_Entertainment4.jpg
bhd_sommerschule_2009_Gods_Entertainment8.jpg
bhd_sommerschule_2009_IMG_1958.JPG
bhd_sommerschule_2009_IMG_2034.JPG
bhd_sommerschule_2009_Interboro1.JPG
bhd_sommerschule_2009_Malvezzi2.jpg
bhd_sommerschule_2009_MUF3.jpg
bhd_sommerschule_2009_MUF8.jpg

Projektorte und Themen

  1. Siedlung Dessau Törten: "Kleines Glück im großen Plan"
  2. Arbeitsamt: "Zwischen Platte und Amt"
  3. Bauhausgebäude: "Nachbar Bauhaus"
  4. Meisterhäuser: "Moderner Komfort"
  5. Kornhaus: "Moderne Fluchten"
  6. "Bauhausstadt"
bhd_sommerschule_2009_Zinganel11.jpg
bhd_sommerschule_2009_Zinganel12.jpg
bhd_sommerschule_2009_Zinganel5.jpg
bhd_sommerschule_2009_Zinganel6.jpg
bhd_sommerschule_2009_Zinganel9.jpg
sommerschule2009_9632_sh.jpg
sommerschule2009_9653_sh.jpg
sommerschule2009_9658_sh.jpg
sommerschule2009_9694_sh.jpg

Öffentliche Vortragsreihe

Imagined Bauhaus Architecture 

Die Sommerschule wurde begleitet von einer öffentlichen Vortragsreihe an den verschiedenen Bauhausbauten. Während sich die Studierenden in den Workshops "on site" mit den Bauhausbauten auseinandersetzten, nahmen die Vorträge die Bauten von außen in den Blick.

Die Bauten der klassischen Moderne in Dessau sind in Publikationen, Ausbildungsgängen und Ausstellungen international weit verbreitet und kommuniziert. Sie führen seit langem ein Eigenleben im internationalen Raum, während die Gebäude in Dessau unterschiedliche Nutzungen, Renovierungen, veränderte Bedeutungsschreibungen und Umwertungen  erfahren haben. In der Rede über die Bauhausbauten ist dieser transnationale Raum eher präsent als die Stadt, in der sie entstanden sind. Wofür standen die Bauten in der Rezeption der Moderne in Israel, Indien, den USA und Brasilien? Und wie können diese unterschiedlichen Bauhaussichten die Bauhausstadt erweitern?

Die Vortragsreihe war auch eine Einladung zu einem transnationalen Dialog darüber, was die Bauhausstadt andernorts evoziert, und wie diese Vorstelllungen und Ideen auch den Ort bereichern können, an dem die Bauten stehen. Es sprachen Zvi Efrat (Israel), Ruth Verde Zein (Brasilien), Miki Desai (Indien) und Daniel Abramson (USA).