Bauhaus Lab I: Architecture after Speculation – Spanien und die Finanzkrise

Foto: Aus "Ruinas Modernas" von Julia Schulz-Dornburg, 2012

Leerstehenden Apartmentanlagen, brachliegende  Infrastrukturen und ein enormer Landschaftsverbrauch in Spanien sind nur der manifeste Ausdruck eines Urbanisierungsmodells, dass seit den 90er Jahren weltweit einen spekulationsgetriebenen Bauboom in Gang gesetzt hat.  Die Transformation von immobilen Land in ein spekulatives financial Asset stimulierte rund um den Globus die Produktion standardisierter Wohnkomplexe, Ferienresorts und Büroanlagen.

Das internationale Bauhaus  Lab 2013, eine kollaborative Plattform junger Architekten, Künstler, Geisteswissenschaftler und Kuratoren hat dieses spekulationsgetriebene Modell der Urbanisierung in Spanien zum Gegenstand. Auf der Grundlage eines design based researches, in Zusammenarbeit mit Tutoren, Initiativen und Projektgruppen in Spanien haben die TeilnehmerInnen des Lab kritische Beiträge und Counter- Models erarbeitet, die mit sich mit den Implikationen einer solchen Form der Urbanisierung engagiert auseinandersetzen.      

Spanien stellt dabei einen besonderen Fall neoliberaler Urbanisierung dar:  Immobilien-und Finanzwirtschaft und die daran gekoppelte Bauwirtschaft  bildeten neben der Tourismusindustrie die zentralen Säulen der nationalen Ökonomie. Dabei kann der Bauboom auf die longue duree einer Tradition  der „Homeownership“ in der Geschichte der spanischen Gesellschaft zurückgreifen : die Transformation des „proletarios“ zum „propretarios“ hatte an der Formierung der nationalen Identität seit den 1960er Jahren entscheidenden Anteil.

Hinzu kommen rechtliche als auch finanzpolitische Weichenstellungen: die mit der Einführung des Euro  einhergehenden low interest rates stimulierten Investitionen in Spanien. Und der 1998 verabschiedete „Landact“ erlaubte die umfassende Umwidmung von Grund und Boden in Bauland, ausgeschlossen davon waren lediglich Naturreservate.  Spanien erlebte infolge dieser Rahmenbedingungen eine rasante Urbanisierung, die auch begleitet war von einer international  gefeierten Baukultur. Im „Bilbao Effekt“ bildete sich die Strategie „to put Spain on the map“ mit ikonischen Architekturen ab. Die MoMa Ausstellung 2006 in New York  „On site: New Architecture in Spain“ stellte den Höhepunkt einer solchen Entwicklung dar.


Der Boom brachte aber auch lokale Initiativen und urbane Praktiken (spatial agencies) der jungen Architektur-und Gestalterszene hervor, die früh auf die Probleme von sozialer Verdrängung, dem Niedergang öffentlicher Räume und dem Landverbrauch aufmerksam machten. Im Zuge der Krise haben sich daraus  kritische urbane Bewegungen in vielen Metropolen Spaniens entwickelt.  Der vitale Diskurs um das Recht auf Stadt der vor dem Hintergrund  internationaler Debatten zur neoliberalen Urbanisierung auch in Spanien geführt wird und in zahlreichen Initiativen und Projekten in neuen Formen der Kollaboration  praktiziert wird, steht im Mittelpunkt des „Reading rooms“ der Ausstellung: eine Einladung zur Konversation zwischen Akteuren, Texten, Recherchen und theoretischen Positionen. Ihre Suche nach einer alternativen Praxis jenseits marktorientierter Stadtentwicklung hat Tradition: Bereits das „Neue Bauen“ und der CIAM setzten sich in den 1920er Jahren mit  der Bodenspekulation als Motor kapitalistischer Stadtproduktion auseinander.

Zentrum der Ausstellung bilden Fallstudien in der Region Valencia. Wie im Brennspiegel bilden sich hier die Dilemmata einer wettbewerbsorientierten und spekulationsgetriebenen Restrukturierung vor dem Hintergrund eines Europas der Regionen ab: architektonische Flaggship-Projekte sollten Valencia innerhalb der Mittelmeerstädte neu positionieren und ultraliberale  Gesetze erlaubten den kommunalen Verwaltungen, nahezu unbegrenzt landwirtschaftliche Flächen in Bauland umzuwidmen. Die Fallstudien sind in drei unterschiedlichen räumlichen Konstellationen angesiedelt: der regionalen, mit dem Flughafen Castellon, einem touristischen Resort mit Marina D Or und einer urbanen/suburbanen Entwicklung in Sagunto. Die Analyse infrastruktureller, materialer, finanzieller  und räumlicher Zusammenhänge und Logiken innerhalb dieser Fallbeispiele bildet den Ausgangspunkt von Konzepten (Outlooks), mit denen Möglichkeiten des Re-Use (Umnutzung) dieser unterbrochenen Raumentwicklungen getestet werden. Die hier vorgeschlagenen Strategien greifen dabei in der Ausstellung präsentierte Positionen und Handlungsansätze spanischer Initiativen auf und setzen auf diese Weise das Gespräch über Perspektiven einer „Architecture after speculation“ fort.


  • Abschlusspräsentation: Freitag 15. November 2013, 10:30 Uhr; Ausstellungseröffnung 17 Uhr, Bauhausgebäude Raum 329
     
  • GastkritikerInnen: Javier Fernandez Arpa (Spanien) Carlos Arroyo (Spanien) Ilka Ruby (Deutschland)
     
  • Tutorinnen: Sabine Mueller (SMAQ) Regina Bittner
     
  • Management: Katja Szymczak

  • Impressionen von Präsentation und Ausstellung: