Bauhaus Lectures: Bilden und Gestalten – Internationale Konferenz 2012

Die Region Dessau/Anhalt ist mit dem Wörlitzer Park und dem Bauhaus Dessau, beide UNESCO-Weltkulturerbe, eine der interessantesten historischen Aufklärungs- und Bildungsregionen in Deutschland.
Am Beginn der Industrialisierung stand um 1800 das feudale Reformprojekt des Fürsten Leopold III. von Anhalt, das sich im ersten kontinentalen Landschaftspark von Wörlitz landschaftlich ausbildet. Es findet seine Ergänzung in den frühen klassizistischen Architekturen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und in der Volksbildungsinitiative eines Elementarunterrichtes am Philanthropinum von Johann Bernhard Basedow in Dessau. Bilden und Gestalten waren in diesem reformpädagogischen Projekt der Anschauung und des selbsttätigen Lernens unmittelbar miteinander verbunden.

Am Ende des langen Industriealisierungsprozesses, im Zeitalter der großen Industrie, formierten die mitteldeutsche Chemie- und Metallindustrien, die Junkersflugzeuge für den Weltverkehr und die Hochschule für Gestaltung Bauhaus die Region Dessau/Anhalt zum deutschen „Silicon Valley“ der 1920er Jahre. Im Zeitalter von Massenkultur, Design und Verwissenschaftlichung stellten sich die Fragen von Aufklärung, Bildung und Gestaltung grundlegend neu. Auch die Gegenwart lebt noch von diesen Traditionen der aufklärerischen Moderne: Die Hochschule Anhalt mit ihren gestalterischen Fachbereichen Architektur und Design und die Stiftung Bauhaus Dessau als Institution der kulturellen Bildung arbeiten in dieser gestalterischen Tradition der Moderne.

Der erste Tag der Konferenz fragte danach, was Aufklärung (Bazon Brock, Wuppertal), Bauhaus (David Gelernter, New York) und Moderne (Juan Herreros, Madrid) heute heißt. Walter Scheiffele (Hochschule Weißensee, Berlin), Klaus Jan Philipp (Universität Stuttgart) und Jesko Fezer (Hochschule für Bildende Künste Hamburg) vergegenwärtigten die historischen Bildungstraditionen von Anhalt, die sich in den exemplarischen Gestaltungsansätzen von Basedow, Erdmannsdorff und dem Bauhausdirektor Hannes Meyer darstellen.

Das Fest am Abend des ersten Tages im Hugo Junckers Museum stand ganz im Zeichen der Präsentation von studentisches Arbeiten aus den Fachbereichen Design und Architektur der Hochschule Anhalt und den Bildungsformaten Kolleg und Sommerschule der Stiftung Bauhaus. 

Am zweiten Tag stellten innovative Bildungsinstitutionen aus aller Welt beispielhafte Ansätze der gegenwärtigen Verbindung von Bildung und Gestaltung vor – so Martyn Hook (University of Melbourne), Michael Rios (University of California), Anastassia Smirnova (Strelka Moskau) und Theo Deutinger (Rotterdam). In zahlreichen Workshops wurden anschließend die hier aufgeworfenen Fragen und Themen innovativer Bildungsansätze intensiv weiter diskutiert.