Bauhaus Lectures: Die Produktion des Raumes – nach dem Spatial Turn" – Internationale Konferenz in Kooperation mit der Hochschule Anhalt 2007

Zum zweiten Mal veranstaltete die Stiftung Bauhaus Dessau in Kooperation mit der Hochschule Anhalt die Konferenz „Bauhaus Lectures“. Das Thema 2007 lautete „Die Produktion des Raumes – nach dem Spatial Turn“. Dabei wurde den Fragen nachgegangen: Wie produziert die postindustrielle Gesellschaft ihre Räume? Welche Folgen hat die Globalisierung von Orten für die Kultur und das Denken von Raum?

Der Spatial Turn – die Wende zum räumlichen Denken in den Kultur- und Sozialwissenschaften – zeigt einen Wandel in der Wahrnehmung von Räumen und Zeiten an. Nach der industriellen Epoche, in der die Probleme von Zeit und Geschichte bestimmend waren, leben wir nun in der Epoche des Raumes, in der Nähe und Ferne, das Nebeneinander und das Auseinander, in den Vordergrund rücken: Die heutige Unruhe im Denken und Handeln betrifft also grundlegend den Raum und seine Territorien – vielmehr jedenfalls als Zeit und Geschichte – die für die modernen Dynamiken industrieller Gesellschaften charakteristisch waren. Es ist also kein Zufall, dass die Diagnosen der Gegenwart vornehmlich räumliche Begriffe aus den Bereichen der globalen Kulturen und der Geografie verwenden, um das heutige Alltagsleben zu beschreiben.

Auch die gestaltenden Disziplinen – wie Architektur, Stadtplanung und bildende Künste – diskutieren den "Spatial Turn" und seine Konsequenzen für die Raumgestaltung: Wie behaupten Orte ihre lokale Gestaltidentität gegen die globalen Raumansprüche? Welchen Einfluss hat die digitale Kultur auf die Wahrnehmung und Darstellung von Räumen? Welche Rolle spielt die zunehmende Bildlichkeit von Rauminszenierungen im Film und in der Architektur?

Die Konferenz diskutierte derartige Fragen vor dem Hintergrund der Theorien des französischen Philosophen und Stadtsoziologen Henri Lefèbvre, dessen Standardwerk „Die Produktion des Raumes“ 1974 in Paris erschien. Die Vorträge aus unterschiedlichen Disziplinen analysierten Raumproduktionen aus den letzten drei Jahrzehnten und diskutierten deren Interpretation im Lichte des "Spatial Turns".