Bauhaus Kolleg – Transdisziplinäres Bildungsangebot

Ein transdisziplinäres Bildungsangebot der Stiftung Bauhaus Dessau.

Von 1999 bis 2012 bot die Stiftung Bauhaus Dessau ein postgraduales Ausbildungsprogramm im Bereich Urbanistik an: das Bauhaus Kolleg. Dieses einzigartige internationale Programm gestattete jungen Professionellen aus Architektur und Kunst, Design und Geisteswissenschaften Einblick in die komplexen Realitäten zeitgenössischer Städte. Die einjährige Ausbildung vermittelte ihnen Wissen und Werkzeuge für einen kreativ gestaltenden Zugriff.

Das Bauhaus Kolleg zeichnete sich durch die produktive Vernetzung der Disziplinen aus. An der Schnittstelle von Forschung, Lehre und Gestaltung versetzte es seine Teilnehmer in die Lage, sowohl konzeptionell und forschend, als auch vermittelnd und gestalterisch intervenierend tätig zu werden. Das einjährige, an wechselnden Themenschwerpunkten orientierte Programm bot neben Vorträgen internationaler Experten, Workshops und Seminaren eine intensive Einzelbetreuung im Rahmen interdisziplinärer Projektarbeit. 

2013 wurde das Bauhaus Kolleg zu Bauhaus Lab transformiert.

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T H E M E N

Jährlich schrieb das Programm einen Themenschwerpunkt aus, der in ausgewählten Fallstudien vergleichend bearbeitet wird. Die thematische Klammer hält die individuellen Projekte der Teilnehmer zusammen und bildet den gemeinsamen Rahmen der Forschungs- und Projektarbeit. Im Programmverlauf verdichtete sich das Wissen zum Themenschwerpunkt, Fallstudien und vor Ort gesammelte Erfahrungen treten hinzu. Den Abschluss bildet eine öffentliche Präsentation des Programms und seiner Ergebnisse im Bauhausgebäude. Im Fokus der letzten Jahre standen in den Programmen Bordercities und EU Urbanism Fragestellungen zur Neuformierung des europäischen Raumes und im Programm CIAM Urbanism der Urbanismus der Nachkriegsmoderne.


R E C H E R C H E

Recherche gehörte zu den grundlegenden Bestandteilen des Programms. Die Teilnehmer wählten zwischen zwei angebotenen Studios zu den Untersuchungsorten aus. Hier wurden transdisziplinäre Methoden der Untersuchung (urbane Ethnografie, Visuelle Anthropologie) und der Visualisierung (Mapping, Diagramme) vermittelt, die vor Ort zur Anwendung kamen. Online-Rercherchen bereiteten die von lokalen Kooperationspartnern unterstützten Exkursionen zu den Untersuchungsorten vor. Das hier erarbeitete Wissen bildete die Voraussetzung für die Projekte.


T H E O R I E

Das Theorieprogramm bot eine Serie von Vorträgen und Seminaren zu stadt- und architekturtheoretischen Diskursen, aber auch historischen Themen. Eingeführt wurden diese aus der Perspektive einer interdisziplinär verstandenen Stadtforschung. Die Grundlage bildete ein Reader, der den Teilnehmern einen zusammenfassenden Überblick zu den im Programm behandelten Diskursfeldern aus den Kultur-, Raum- und Humanwissenschaften bot. Ziel war es, diese theoretischen und historischen Perspektiven in der kritischen Auseinandersetzung für eigene gestalterische Positionen zu mobilisieren.


I N T E R V E N T I O N E N

Als Testfelder dienten den Programmen des Kollegs öffentliche Interventionen an den Exkursionsorten. Ob in einer Performance, einer Installation, einer öffentlichen Diskussion oder einer Ausstellung – die Teilnehmer entwarfen hier gemeinsam Ideen für vielgestaltige Inszenierungen, die mit lokalen Partnern vor Ort realisiert wurden. Hier konnten zuvor theoretisch entwickelte Annahmen und Szenarien zu einer städtischen Situation getestet werden. Die Interventionen stellten ein wichtiges Bindeglied zwischen Recherche und Projekt dar.


W E R K Z E U G E / S T R A T E G I E N

Ziel des Kollegs war es, einen Überblick über zeitgenössische Planungs- und Entwurfsstrategien im urban design zu vermitteln. Ausgehend von diesem Wissen waren die Teilnehmer aufgefordert, sich in der kritischen Reflektion unterschiedlicher gestalterischer Positionen eine eigene Haltung zu erarbeiten und diese in ihrer Projektarbeit fruchtbar zu machen.


P R O J E K T E

Die Projekte des Bauhaus Kollegs schlagen gestalterische Handlungskonzepte für konkrete urbane Situationen oder Problemstellungen vor. Sie verstehen sich als Problemlösungsvorschläge, die mit unterschiedlichen Strategien auf die physischen, sozialen, politischen und medialen Räume der jeweiligen Stadt einwirken wollen. In einer gemeinsam kuratierten Abschlussausstellung im Bauhausgebäude wird das im Programmjahr erarbeitete Wissen aus Recherche, theoretischen Reflektionen, Interventionen und Projekten zusammengefasst. Publikationen und Websites vermitteln die Ergebnisse des Programms einer internationalen Öffentlichkeit.


E I N   J A H R   A M   B A U H A U S

In Dessau waren die Teilnehmer des Kollegs ein Jahr lang Teil des vielfältigen Programms der Stiftung Bauhaus Dessau. Hier arbeiten sie in jenem ikonischen Gebäude, das jährlich über 100.000 internationale Besucher anzieht: Wechselnde Ausstellungen, das Programm auf der historischen Bauhausbühne, internationale Konferenzen und die Projekte der Stiftung bieten den Kollegiaten die einmalige Chance, inmitten von Bauhausarchitektur und Bauhausidee einen Beitrag zu deren Aktualisierung leisten zu können.


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