Das Bauhaus im Bild – Ikonen des Neuen Sehens in einer Ausstellung 2012

Miteigentümer: Bundesrepublik Deutschland. Erworben mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland

Der Stiftung Bauhaus Dessau ist es 2012 gelungen, eine hochkarätige Sammlung von originalen Bauhaus-Fotografien zu erwerben. Ermöglicht wurde dies durch die Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt, der Ernst von Siemens Kunststiftung und von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt.

Die Arbeiten stammen von dem renommierten Sammler Thomas Walther aus Vaduz, der u.a. auch mit einer Collection am Museum of Modern Art in New York vertreten ist. Die Sammlung Walther an der Stiftung Bauhaus Dessau vereint 59 Fotografien, die zwischen 1925 und 1931 entstanden und von insgesamt 31 Lehrenden und Studierenden des Bauhauses angefertigt wurden. Sie zeigen Bauhausbauten und –produkte, Szenen des Lebens, des Unterrichts und der Bühnenarbeit in Dessau. Zu den Fotografen gehören Herbert Bayer, Katt Both, Albert Braun, Paul Citroen, Edmund Collein, Erich Comeriner, T. Lux Feininger, Werner David Feist, Grit Kallin-Fischer, Kurt Kranz, Heinz Loew, Hannes Meyer, László Moholy-Nagy, Lotte Stam-Beese und Werner Zimmermann. Die Aufnahmen waren ab dem 5. Dezember 2012  erstmals öffentlich in einer Ausstellung zu sehen. 

Mit dem Ankauf der Fotografien aus der Sammlung Walther konnten die Bestände der Stiftung Bauhaus Dessau um wesentliche Aufnahmen aus der Dessauer Periode zwischen 1925 und 1932 ergänzt werden. Mehr noch: Mit einem Schlag verfügt die Stiftung über eine erstklassige Sammlung der Fotografie. Lediglich vier Aufnahmen sind ein zweites Mal in einem deutschen Museum vorhanden. Das Konvolut bezeugt die kohärente Sammelstrategie von Thomas Walther, der mit großer Sensibilität nur solche Fotografien zusammengetragen hat, die ästhetisch unabweislich die Signatur des Bauhauses tragen. In dieser Konsistenz liegt die Bedeutung dieser Sammlung. 


Die Besucher können sich u.a. auf zwei Vintage-Ausstellungsabzüge von László Moholy-Nagy freuen. Der „Blick vom Berliner Funkturm“ von 1928 darf wohl als die fotografische Ikone des Bauhausmeisters bezeichnet werden, kaum weniger prominent ist die Fotografie „Baumbeschneiden im Frühjahr“ aus dem Jahr 1928 bzw. 1929. Das Bildpaar ist Ausdruck der Fototheorie, die der Künstler 1925 in dem Buch „Malerei Fotografie Film“ begründete. Es vereint zwei wesentliche Gestaltungselemente, die Moholy-Nagy zufolge die visuelle Wahrnehmung erweitern sollten: Die Sicht von oben und die Umkehrung der Tonwerte im Negativabzug. Nicht die Reproduktion der gegenständlichen Erscheinungswelt, sondern ihre Transformation im Bild interessierte ihn. „Baumbeschneiden im Frühjahr“ steht paradigmatisch für die Produktion-Reproduktions-These des Künstlers. Es ist ein glücklicher Umstand, dass sich Positiv- und Negativabzug Seite an Seite in der Dessauer Sammlung befinden. 

Eine weitere weltbekannte Fotografie ist Herbert Bayers „Blick vom Pont Transbordeur in Marseille“ von 1928. Die Aufnahme zeichnet sich durch ihre ungewöhnliche, für das „Neue Sehen“ jedoch charakteristische Perspektive aus. Der Pont Transbordeur galt in den Zwanzigerjahren als beliebtes Motiv. Außer Bayer fotografierten ihn auch Florence Henri, Germaine Krull und Ergy Landau. Selbst in Moholy-Nagys Film „Impressionen vom alten Marseiller Hafen“ (1929) ist die berühmte Brücke der Hauptprotagonist. 

„Kurt Stolp mit Pfeife“ von Werner David Feist wurde erstmals 1929 auf der Internationalen Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart präsentiert – ein Meilenstein in der Ausstellungsgeschichte der Fotografie. Wie viele Künstler nutzte auch Feist das menschliche Gesicht zum Experimentieren mit den gestalterischen Möglichkeiten der Fotografie. Die Großaufnahme gehörte ebenso zu seinem Repertoire wie die aufwendige Setzung des Lichts. Im Übrigen wurde die Arbeit auch in der bauhaus-Zeitschrift veröffentlicht. Umso erfreulicher ist es, dass sich das Original jetzt in Dessau befindet. 
Ästhetisch herausragende und extrem seltene Fotos sind die Aufnahme des Clowns „Freddo Bartolucci“ von Grit Kallin-Fischer, das Umbo-Porträt von Paul Citroen vom Dezember 1926 (das zudem zu seinen ersten experimentellen Kamerafotos gezählt werden darf) sowie die großformatige Fotomontage „Personen Sphären“ von Kurt Kranz aus dem Jahre 1931.


Darüber hinaus gehören zu den Neuerwerbungen zehn Fotografien von T. Lux Feininger aus den Jahren 1927 und 1928. Der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler war einer der innovativsten Fotografen am Bauhaus. Seine frühen Aufnahmen zeigen nicht nur das Leben in der Dessauer Schule, sondern dokumentieren ebenso den frischen Blick Feiningers, der immer auf der Suche nach einer dynamischen, unkonventionellen Perspektive war.

Viele der 59 Fotografien sind nun an den Ort zurückgekehrt, wo sie einst entstanden waren. Die Ausstellung „Das Bauhaus im Bild“, die von Christin Krause und Daniel Niggemann kuratiert wurde, kombiniert die Neuerwerbungen mit Aufnahmen aus dem Dessauer Bestand und zeigt so, welchen Weg die Fotografie in den ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts genommen hat. 

Zudem haben Persönlichkeiten wie der Art Director Mike Meiré, der Schriftsteller Josef Haslinger, die Choreografin Sasha Waltz, der Ethnologe Wolfgang Kaschuba, der Künstler Ken Ohara, der Journalist Niklas Maak, der Geisteswissenschaftler Friedrich Tietjen und der Künstler Harun Farocki eine Fotografie aus der Sammlung kommentiert.

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