Das Bauhausgebäude von Walter Gropius (1925–26)

Walter Gropius, 1919 Gründer des Bauhauses und bis 1928 sein Direktor, entwarf den Bau im Auftrag der Stadt Dessau in Zusammenarbeit mit Carl Fieger, Ernst Neufert u. a. in seinem privaten Architekturbüro – eine eigene Architekturabteilung erhielt das Bauhaus erst 1927. Bei der Innenausstattung wurden die Werkstätten des Bauhauses einbezogen. Die Stadt Dessau stellte das Geld sowohl für den Neubau des Schulgebäudes auf einem freien Grundstück in der Nähe des Bahnhofs als auch für die Meisterhäuser zur Verfügung, deren Eigentümerin sie blieb.

Bei seinem Entwurf entwickelte Gropius architektonische Ideen weiter, die er vor dem Ersten Weltkrieg beim Bau der Fagus-Werke in Alfeld an der Leine erstmals verwirklicht hatte. Wie in Alfeld bestimmt auch in Dessau die vor das tragende Skelett gehängte Glasfassade (curtain wall) das Äußere des Werkstattflügels und zeigt offen die konstruktiven Elemente. Gropius verzichtete darauf, die Ecken der kubischen Baukörper optisch zu verstärken. Er ließ stattdessen die Verglasung die Kanten umgreifen und schuf so den Eindruck von Leichtigkeit.

Konsequent trennte Gropius beim Bauhaus die Gebäudeteile nach ihren Funktionen und gestaltete sie unterschiedlich. Dabei ordnete er die einzelnen Flügel asymmetrisch an – sowohl auf die heutige Bauhausstraße bezogen als auch auf die Gropiusallee. Um die vollständige Gestalt des Komplexes zu erfassen, muss der Betrachter daher um den gesamten Bau herumgehen. Es gibt keine zentrale Ansicht.

I_14382_F.jpg
I_019015_F.jpg
I_018983_F.jpg
gropius_portraet.jpg

Der verglaste, dreigeschossige Werkstattflügel, der gleich hohe Trakt für die Gewerbliche Berufsschule mit seinen schlichten Fensterbändern und das fünfgeschossige Ateliergebäude mit seinen auffällig herauskragenden Balkonen sind die Hauptelemente des Komplexes. Eine zweigeschossige Brücke, in der u. a. die Verwaltung sowie bis 1928 das Architekturbüro von Gropius untergebracht waren, verbindet den Werkstattflügel mit der Gewerblichen Berufsschule. Ein eingeschossiger Zwischenbau mit Aula, Bühne und Mensa, die sog. Festebene, schafft den Übergang vom Werkstattflügel zum Atelierhaus, in dem sich ursprünglich 28 Wohnateliers von je 20 qm Größe für Studierende und Jungmeister befanden. Die Fassade des Studentenwohnheims ist im Osten durch Einzelbalkone und im Süden durch langgezogene, die Gebäudeecke umgreifende Balkone geprägt.

Der gesamte Komplex ist verputzt und überwiegend mit einem hellen Anstrich versehen, der einen reizvollen Kontrast zu den dunklen Glaseinfassungen bildet. Für das Innere entwarf Hinnerk Scheper, Jungmeister der Wandmalereiwerkstatt, einen detaillierten Farbplan, der durch die unterschiedliche farbige Behandlung von tragenden und verkleidenden Elementen die Konstruktion des Baus verdeutlichen sollte.

Unter dem Druck der Nationalsozialisten wurde das Bauhaus als Hochschule für Gestaltung 1932 geschlossen. Nach schweren Bombenschäden kurz vor Ende des Krieges wurde es notdürftig repariert. 1974 unter Denkmalschutz gestellt, wurde es 1976 erstmals aufwändig restauriert. Mit der Erklärung des Bauhausgebäudes zum Weltkulturerbe wurde eine weitere umfassende Sanierung beschlossen, die 2006 beendet sein wird. 1994 wurde die Stiftung Bauhaus Dessau ins Leben gerufen. Damit ist das Bauhaus wieder ein lebendiger Ort der experimentellen Gestaltung, Forschung und Lehre, der sich neben der Pflege, Erforschung und Vermittlung des Bauhauserbes insbesondere mit dem Thema Stadt beschäftigt.

Informationen zum Besuch des Bauhausgebäudes finden Sie hier.  

bauhausluft.jpg
sbd_bauhaus_knebler_tif-001.jpg
20091005_yt_2895.jpg
bauhaustreppe.jpg
bhd_bauhausdessau__DS_7304.jpg
bhd_bauhausdessau__DS_7336.jpg
bhd_bauhaus_20091005_yt_2802.jpg
bhd_bauhaus_20091005_yt_2812.jpg
bhd_bauhaus_20110506_yt_2951.jpg
bhd_bauhaus_treppe_20120703_yt_1100.jpg
bhd_bauhaus_vestibuel_20101103_8088.jpg
aula.JPG

Diesen Artikel teilen: