Das Museum im 21. Jahrhundert

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses im Jahr 2019 wird in Dessau das „Bauhaus Museum Dessau“ eröffnet.Das Museum entsteht, um die Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, die zweitgrößte Bauhaussammlung weltweit, erstmals umfassend öffentlich zeigen zu können.

Die Stiftung Bauhaus Dessau ist Bauherrin des Museums und damit verantwortlich für die Umsetzung des erstplatzierten Wettbewerbsentwurfs sowie für die Konzeption der spätere Nutzung. Dies umfasst eine Reihe von Aufgaben, von der wissenschaftlichen Aufbereitung und kuratorischen Vermittlung der Sammlung über die Bespielung des Museums als „offene Bauhausbühne“ bis hin zur Führung der Besucher durch Dessau als Stadt der Bauhausbauten mit UNESCO Welterbestatus.

Der Bau und die Konzeption des Museums erfordern eine offene und zukunftsorientierte Perspektive auf das Museum als kulturellen Ort. In diesem Zusammenhang verfolgt die Stiftung Bauhaus Dessau den internationalen Diskurs zur Rolle des Museums im 21. Jahrhundert sehr genau und setzt mit punktuellen Kooperationsveranstaltungen eigene Akzente.

Museum Revisited

Freitag, 8. Juli 2016, 18.30 – 20.30 Uhr

Stiftung Bauhaus Dessau in Kooperation mit  ANCB, The Aedes Metropolitan Laboratory, Berlin, mit Prof. Dieter Bogner, Gründer und Direktor, bogner.cc museumsplaner, Wien, Nicolaus Schafhausen, Direktor Kunsthalle Wien und Dr. Dorothea von Hantelmann, Kunsthistorikerin, Berlin.

Einführung und Moderation: Miriam Mlecek, Programme Manager, ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory  und Dr. Claudia Perren, Direktorin, Stiftung Bauhaus Dessau.

Ein offenes Gespräch zur Bedeutung des Museums vor dem Hintergrund internationaler, multidisziplinärer und digitaler Entwicklungen: das Museum als Ort, das Museum als Medium und das Museum als Marke auf globaler Ebene diskutiert.

Museum Revisited ist der Auftakt des längerfristig angelegten Projekts „Museum of the 21st Century – Content – Form – Impact“ des ANCB, das in unterschiedlichen Formaten das Verhältnis und die Wechselwirkung von Museen, Stadtraum, Kultur, Ökonomie und Gesellschaft analysieren wird. In einem kollektiven Prozess soll unter Beteiligung des bestehenden internationalen ANCB-Netzwerkes sowie neu aufzuspürender Partner untersucht werden, mit welchen Aufgaben und Herausforderungen das Museum der Gegenwart und der Zukunft konfrontiert ist, welche Chancen und Potenziale es dabei gibt, welche wechselseitigen Einflüsse auf Stadt-, Lebens- und Wissensraum und damit auf Gesellschaft, Ökonomie und Politik wirken. Dabei ist der zu Grunde liegende Blickwinkel von architektonischer und räumlicher Prägung. Ziel ist die Auseinandersetzung mit dem Museum im Kontext geopolitischer Zusammenhänge, dem Umgang mit und der Zugänglichkeit von kulturellen Errungenschaften, Artefakten und Sammlungen anderer Kulturen, sowie die Untersuchung nach Möglichkeiten und Eigenschaften digitaler Vernetzung und globaler Kooperation.

 

Die Statements der Gäste im kurzen Rückblick

  • Dieter Bogner

"Ein Museum zu besuchen sei keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine kulturelle Teilhabe, die weniger touristisch als für die regionalen Bürger auszurichten sei. Dieter Bogner fordert ein Ende der Ära des Museums als Status orientiertes Großprojekt mit weitaus viel zu großen Flächen. Seine Empfehlung ist das fokussierte kuratorische Arbeiten mit den Sammlungen. Auf kleineren Flächen sollten die Sammlungen zeitgenössisch kuratiert immer wieder neu gezeigt werden. Dies ermöglicht eine zeitaktuelle Positionierung der Museen als Orte des kulturellen Gedächtnis."

Dieter Bogner ist Kunsthistoriker, Universitätsdozent, Ausstellungskurator und Museumsplaner. Er lebt in Wien. 1994 gründete er die Firma bogner.cc, die sich international museologischen Fachplanungen für Museumsbauten und Neuaufstellungen von Sammlungen widmet, sowie der Konzeption von Medienprojekten, dem Kuratieren von Ausstellungen und der Erarbeitung von Machbarkeitsstudien und Kulturentwicklungsplänen. Bogner ist Stifter der Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung Wien und Mitglied des Board of Trustees am New Museum of Contemporary Art New York. Er lehrt am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien und ist Autor zahlreicher Publikationen zu Architektur und Kunst der Moderne. Gemeinsam mit Gertraud Bogner leitet er den Kunstraum Buchberg.

 

  • Dorothea von Hantelmann

"Über den sehr langen Zeitraum von 200 Jahren sei der Museumsbesucher in seinen Ritualen sozialisiert worden. Die Architektur habe im Verlaufe der Jahre den Besucher vereinzeln lassen, in dem die architektonischen Blickachsen und das Verhältnis zwischen Wand und Kunstwerk immer dominierender geworden sei. Die „Entleerung der weißen Wand“ wird inzwischen zunehmend aufgebrochen, aber dennoch ist ein Museumsbesuch nach wie vor stark ritualisiert. Während das Theater ein Ort der kulturellen Gemeinschaft ist, steht das Museum heute vor der großen Aufgabe, Vernetzungen und Bezüge aufzubauen."

Dorothea von Hantelmann ist Kunsthistorikerin und Kuratorin und lebt in Berlin. Sie war documenta-Professorin an der Kunsthochschule/Universität Kassel, sie lehrt und forscht zu Fragen der Gegenwartskunst sowie zum historischen Wandel der gesellschaftlichen Funktion von Ausstellungen. Aktuell kuratiert sie die Ausstellung „Décor“ für die Villa Empain/Boghossian Stiftung in Brüssel. Zu ihren Veröffentlichungen gehören „How to Do Things with Art“ (Berlin 2007, Zürich 2010) sowie „Die Ausstellung Politik eines Rituals“ (hrsg. mit Carolin Meister, Berlin 2010).

 

  • Nicolaus Schafhausen

"Seit 25 Jahren sind keine neuen Museumsformate entwickelt worden. Dabei habe sich gerade in diesem Zeitraum die digitale Kommunikation für unser kulturelles Gedächtnis als prägend entwickelt, womit die Homogenität des Kulturpublikums aufgebrochen ist. Die digitale Generation der um die 30jährigen habe ganz andere Erwartungen als das klassische Publikum um die 50. Die Kulturpolitik habe vermeintlich vernetzte städtische Kulturräume geschaffen, wie zum Beispiel das Museumsquartier in Wien. Aber dies ist nur eine äußere Zusammenführung – der Besucher bleibt vereinzelt zwischen und in den Häusern. Jedes Museum ist ein autonomer Ort für sich. Die Kunsthalle Wien hat ihr Publikum verjüngt, über ein verändertes Ausstellungsprogramm, das die digitale Generation anspreche. Aber diese Entwicklung gehe nicht über diesen Ort hinaus."

Nicolaus Schafhausen ist Direktor der Kunsthalle Wien. Er war künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart und Direktor des Frankfurter Kunstvereins, Kurator beim Nordic Institute for Contemporary Art in Helsinki (NIFCA) und Gründungsdirektor der Europäische Kunsthalle. Von 2006 bis 2012 leitete er das Witte de With, Center for Contemporary Art in Rotterdam. Seit 2011 ist er strategischer Direktor von Fogo Island Arts, einer Initiative der kanadischen Shorefast Foundation. 2007 und 2009 war Nicolaus Schafhausen Kurator des Deutschen Pavillons auf der 52. und 53. Biennale von Venedig. 2014 war er Co-Kurator des 54. Oktobersalon in Belgrad, 2015 Teil des Kuratorenteams der 6. Moskau Biennale, sowie Kurator des Pavillons der Republik Kosovo auf der 57. Biennale von Venedig.