5 Fragen an Greg Castillo

Greg Castillo ist Associate Professor History of Architecture an der University of California, Berkeley.

  • Ihr Studio trägt den Titel “The Dessau Effect“ und sie untersuchen die Auswirkungen des zukünftigen Bauhaus Museums auf die Stadt Dessau. Wie sind Sie als Architekturschule, beheimatet in Berkeley Kalifornien, denn auf die Idee gekommen, sich mit dem Thema zu befassen?   

Zunächst sind wir auf die Wettbewerbe für die neuen Museen der drei Bauhausstätten aufmerksam geworden und wir hatten uns zwischen Weimar Dessau und Berlin zu entscheiden. Zwei Dinge fanden wir an Dessau besonders interessant. Zum einen der Standort des neuen Museums in der Innenstadt, der dem Neubau auch eine Rolle zur Revitalisierung des Stadtzentrums zuschrieb. Und zum anderen die Debatte des „Bilbao Effects“ bei der Entscheidung für die Architektur des Museums.

Wir überlegten, was für ein Ansatz es sein könnte, der nicht nur den globalen Tourismus, sondern auch die lokale Bevölkerung adressiert. Dessau schien uns dafür ein geeigneter Ausgangspunkt. Wir begannen über eher dezentrale lokale Workshops in Kombination mit Museumsfunktionen nachzudenken und auch darüber, wie mit spektakulärem Design lokale kulturelle Produktionen mit dem globalen Tourismusmusinteressen neu verknüpft werden könnte.    

  • Was waren die methodischen Ansätze des Projektes?

Wir begannen mit dem „Roten Faden“: dem IBA Planungsprojekt für Dessau. Das Projekt verfolgte den radikalen Ansatz, dass die zukünftige Stadtentwicklung einen urbanen Kern und landschaftliche Zonen vorschlägt. Um diesen Vorschlag in seinem urbanistischem, politischem und ökonomischem Kontext zu verstehen ist es wichtig, die Studierenden hierher zu bringen, um eine Auseinandersetzung mit dem konkreten Ort zu initiieren.  

  • Welche Relevanz hatten Methoden des Lehrens und Lernens am historischen Bauhaus für Ihr zeitgenössisches Interesse an den Effekten des Museums für die Stadt Dessau?

Zunächst setzten sich die Studierenden in einem einwöchigen Workshop mit der Geschichte des Bauhauses auseinander. Wir stellten Filme, Musik, Bücher, Fotografien zur Verfügung. Material, welches sie sich aneignen konnten. Es ging dabei nicht um ein „Bauhaus revival“, sondern wir forderten die Studierenden auf, sich aus der Gegenwart mit dieser Legacy zu beschäftigen und ein eigenständige  Position dazu zu erarbeiten.  

  • Die Open Studios ermöglichen den Studierenden das Arbeiten direkt am Bauhaus. Gibt es Respekt vor dem Ort? Arbeitet es sich hier anders als in modernen Hochschulgebäuden?

Es ist schon eine besondere Erfahrung in einem „World Heritage Building“ zu wohnen und zu arbeiten. Hier vor Ort kann man in diese Kultur eintauchen. Das macht eine Reise nach Dessau so großartig. Zudem kommt man ja auch mit bestimmten Vorstellungen, die nun nach unseren Aufenthalt überdacht werden müssen.

  • Wie lebt es sich in Dessau, am Bauhaus?
    Was werden ihre Studierenden mitnehmen?

Das eine war die Sensation am Bauhaus zu wohnen, das andere den „Roten Faden“ nun auch physisch im Begehen zu erleben. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Teilen der Stadt diesseits und jenseits der Bahnschienen, hier wo der globale Tourismus eine besondere Geografie produziert, die auf der anderen Seite vollkommen fehlt, das ist schon erstaunlich. Diese Orte sind abgeschnitten vom Fluss globalen Kapitals und gerade dies wollte unser Projekt zum Thema machen. Wahrscheinlich klingt es utopisch zu behaupten, wir wären in der Lage dies zu ändern. Aber es stößt eine Debatte an, diese Teile der Stadt in den Fluss globalen Kapitals zu integrieren.     

Die Fragen stellte Dr. Regina Bittner, Leiterin der Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau.