Laubenganghäuser
von Hannes Meyer (1929–30)

Die fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 90 Wohnungen waren Teil der geplanten gemischten Bebauung, die Hannes Meyer für die Erweiterung von Törten vorgesehen hatte. Zwischen drei- und viergeschossigen Laubenganghäusern sollte eine eingeschossige Reihenhausbebauung entstehen. Die in Teilen realisierte Bebauung grenzte an die zwischen 1926 und 1928 von Walter Gropius konzipierte halbländliche Reihenhaussiedlung an, die mit insgesamt 314 Wohneinheiten und dem Gebäude des Konsumvereins bereits fertiggestellt worden war.

Die Laubenganghäuser sind „echte“ Bauhausbauten, da sie aus der 1927 eingerichteten Architekturabteilung des Bauhauses hervorgegangen sind (das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und die Siedlungshäuser Törten sind dagegen im Baubüro Gropius entworfen worden).

Meyers Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ wurde auch bei den Laubenganghäusern verfolgt und führte zur Errichtung von sog. Volkswohnungen, die von Arbeitern und kleinen Angestellten zur Miete bewohnt wurden. Den Wohnungen wurde ein ausgesprochen knapper Grundriss zugrunde gelegt. Auf 48 qm sollte, entsprechend Meyers Berechnungen des tatsächlichen Wohnbedarfs, eine vierköpfige Familie in drei Räumen sowie Küche und Bad Platz finden. Während Walter Gropius mit seinen Siedlungsreihenhäusern bewusst Wohneigentum (für finanzschwache Käufer) schaffen wollte, wurden die Laubengangwohnungen für den relativ geringen monatlichen Betrag von 37,50 RM vermietet.

Von den Mietern wurden die Laubengangwohnungen durchweg positiv bewertet, wofür die Tatsache spricht, dass bis heute kaum bauliche Veränderungen an den Häusern vorgenommen wurden. Hannes Meyers Architekturkonzept unterschied sich in der Betonung der Materialität (gelber Ziegelstein, sichtbare Fensterstürze aus Stahl) und der Abkehr vom klassischen ‚Bauhausstil’ mit seinen Fensterbändern und weißen Kuben vom Werk seines Vorgängers Walter Gropius.

Wie für die Reihenhäuser der Gropiussiedlung gab es auch für diese Wohnungen Raum sparende und funktionelle Mustereinrichtungen, die von den Werkstätten des Bauhauses entworfen worden waren und preiswert angeboten wurden.

Die Häuser gehören heute der Wohnungsgenossenschaft Dessau eG. Bei der Sanierung wurde 1998 eine Musterwohnung im Originalzustand wiederhergestellt. Sie ist im Rahmen von Führungen der Stiftung Bauhaus Dessau zu besichtigen.

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Die fünf Häuser entstanden im Auftrag der Spar- und Baugenossenschaft Dessau durch die Bauabteilung des Bauhauses, die ab 1927 unter dem späteren Bauhausdirektor Hannes Meyer bestand.

Der Laubengang ist ein traditioneller Typ der Erschließung von Wohnungen, bei dem die Eingangstüren mehrerer kleiner Einheiten an einem gemeinsamen, offenen Gang liegen, der zu einer Treppe führt. Die Geschichte von Laubenganghäusern reicht bis in das Mittelalter zurück und erfuhr im sozialen Wohnungsbau der 1920er-Jahre eine Renaissance.


laubenganghäuser.de