Zwischengespräch 1
Ein Jahr nach Wettbewerbsgewinn

Vor dem Bauhausgebäude: Roberto González Peñalver und José Zabala Rojí, die Architekten des Bauhaus Museums Dessau / Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Förster, Felix, 2015

Ein Gespräch mit dem spanischen Architekturstudio GONZALEZ HINZ ZABALA (Barcelona), die im Dezember 2015 den internationalen Wettbewerb zum Bau des Bauhaus Museums Dessau gewonnen haben und seit dem zwischen Barcelona, Berlin und Dessau an dem Projekt und seiner weiteren Planung arbeiten.

Das Gespräch mit den fünf Partnern des Büros Anne Hinz, Cecilia Rodriguez, Arnau Sastre, Jose Zabala und Roberto Gonzalez führte Helga Huskamp.

  • Sie haben einen internationalen Wettbewerb gewonnen. Wie arbeiten Sie in Ihrem Büro an diesem Projekt? Innerhalb des Teams und vor allem zwischen den Ländern? 

Generell ist die Organisation unseres Büros horizontal. Alle fünf Partner haben ähnliche berufliche Erfahrung und je nach Bedarf arbeiten wir alle in allen Bereichen und Aufgaben des Projekts Bauhaus Museum Dessau. Trotzdem hat sich in der Struktur der Partner eine natürliche Organisation ergeben:

Roberto Gonzalez ist der Projektleiter, koordiniert die deutschen Fachplanern sowie vertritt das Büro in Deutschland. Anne Hinz verantwortet die Koordination und die technische Überprüfung. Arnau Sastre ist für die Projektgestaltung und Variantenüberprüfung verantwortlich. Ebenso ist Cecilia Rodriguez für die Projektgestaltung und die visuelle Überprüfung tätig und José Zabala hat die Öffentlichkeitsarbeit, die technische Lösungsfindung und die Koordination lokaler Fachplaner als Aufgaben. Hinzu kommen die Landschaftsarchitektinnen Roser Vives und Patricia Perez, mit denen wir in Barcelona eng zusammenarbeiten.

Da es sich um ein internationales Projekt handelt, haben wir uns bereits vor der Vertragsunterzeichnung mit unserem lokalen Partner aus Berlin, BAL, zusammengetan, der in der Planung des Bauhaus Museum Dessau durch Stefano Magistretti vertreten wird. Seit Beginn des Planungsprozesses stehen wir mit BAL in enger Verbindung über fast tägliche Kommunikation und wöchentliche Meetings während weiter Strecken der Planungszeit.

Auch mit der Stiftung Bauhaus Dessau und den Fachplanern wurden je nach Projektphase wöchentliche bzw. zweiwöchentliche Projektbesprechungen abgehalten.

Abgesehen davon, erlauben die aktuellen digitalen Medien eine Kommunikation, die die Distanz zwischen unserem Büro in Barcelona und dem Planungsteam in Deutschland auf ein Minimum schrumpfen lässt.

  • Der Bauantrag ist abgegeben. Wie blicken Sie auf den Prozess der Vor- und Entwurfsplanung zurück? Was ist, aus der Erfahrung des ersten Planungsjahres, für Sie als junges Büro die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war es zweifellos, das Vertrauen des Bauherrn und der Fachplaner zu gewinnen. Wir verfügen weder über ein Curriculum mit ähnlichen realisierten Projekten noch waren wir bis jetzt in Deutschland tätig.

Auch ist es für uns eine Herausforderung, dass die gesamten Planungsprozesse und die Kommunikation auf Deutsch verlaufen, obwohl es sich um einen internationalen Wettbewerb gehandelt hat. Deutsch ist für uns eine unbekannte Sprache, die wir nicht sprechen und schon gar nicht auf einer so professionellen Geschäfts- und Fachebene. Allein für Anne Hinz ist Deutsch ihre Muttersprache und Roberto González spricht Deutsch auf mittlerem Niveau.

Hinzu kommen der sehr eng gesteckte Zeitrahmen für Planung und Ausführung des Projekts und der ebenfalls streng limitierte Kostenrahmen.

Die Summe dieser Punkte macht das Projekt zu einem sehr intensiven Abenteuer.

  • Hat sich in dem 1-jährigen Planungsprozess aus Ihrer Sicht das Konzept des Museums verändert? 

Nein. Das Konzept des Museums ist während des gesamten Planungsprozesses als Konstante erhalten geblieben.

Ein aus einem Wettbewerb hervorgegangener Entwurf wird nur selten so ausgeführt, wie er sich im Wettbewerb präsentiert hat. Der folgende Planungsprozess ist unserer Meinung nach eine weitergehende Interpretation und Evolution des Entwurfs, nicht nur der Architekten, sondern in Teamarbeit mit dem Bauherrn, Fachplanern und allen anderen beteiligten Personen.

Wir haben es erreicht, dass unsere Idee für das Museum in seiner Einfachheit und Gewagtheit von dem gesamten Planungsteam geteilt und das Konzept ausgefeilt und optimiert wurde, befreit von allen störenden Elementen.

  • Was ist für Sie das Charakteristischste an dem Haus?

Die Klarheit und Schlüssigkeit der Gebäudeteile und die Gegensätzlichkeit zwischen dem geschlossenen schwebenden Volumen, das wie ein Tresor die Sammlungsausstellung beinhaltet und somit für das Bauhaus des 20. Jahrhunderts steht, und dem offenen, flexiblen, fließenden Raum im Erdgeschoß, der das Bauhaus des 21. Jahrhunderts repräsentiert. Wir sind von dem Potential des offenen Erdgeschosses als Katalysator für Aktivitäten überzeugt, der Kapazität des Museums, Besucher von außerhalb und vor allem auch die Bürger Dessaus nicht nur zu speziellen Anlässen wie der Einweihung oder beim Wechsel von Ausstellungen in das Museum zu bringen, und davon, mit dem Museum der Institution Bauhaus und Dessau einen Ort der Interaktion und Kommunikation, der Kreativität und Produktivität zu geben, ein Museum für die Stadt und seine Besucher.

Das Studio GONZALEZ HINZ ZABALA Architects versteht sich als kollaborative Praxis, in der fünf Partner mit gemeinsamen Werten und Gestaltungsansätzen zusammenarbeiten. Ihr Ziel ist es, Gebäude auf „einfache” Art und Weise zu entwerfen, um den zeitaktuellen sozialen und kulturellen Bedürfnissen Raum zu lassen. Das Studio begreift Architektur als Ergänzung zur Verbesserung der gebauten Umwelt eines spezifischen Ortes.