Between Chairs
Ausstellung des Bauhaus Lab 2017

Handwerk wird modern meets Bauhaus Lab 2017

Sommer 1965 in Ahmedabad, Indien. Hans Gugelot, Dozent an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, einer Nachfolgeinstitution des Bauhaus, ist zu Gast an der National Institute of Design Ahmedabad (NID). Gemeinsam mit dem indischen Designer Gajanan Upadhyay und Studierenden entwirft er eine Sitzkombination: die India Lounge, auch 24/42 Sessel genannt, ein Beispiel für das Zusammenwirken zweier Design-Ansätze. Das Systemdesigns der Hochschule in Ulm und dem Low Cost Design aus Ahmedabad.

Die Kombination, gefertigt aus Teakholz und indischem Stoff, greift in Material und Herstellung auf lokale Handwerkstraditionen zurück und verbindet diese mit zeitgenössischem Design.

Die Zusammenarbeit in dieser Sommwerkstatt ist schon damals Teil  eines  internationalen Netzwerkes. Auch spiegelt sie das Anliegen eines modernen Indiens wieder, aus dem heraus die National Institute of Design gegründet worden ist. Eine Schule, die im Curriculum bewusst auch auf eigene Kulturen zurückgriff.

Die 1960er Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs: Die beiden Hochschulen – die HfG Ulm und das NID in Ahmedabad – bildeten im geopolitischen Kontext von Kaltem Krieg und nationaler Unabhängigkeit, Nachkriegsmassenkonsum und „Development“ einen besonderen Nährboden der Neubestimmung des Verhältnisses von Design und Gesellschaft. Der Dialog zwischen Deutschland und Indien erzählt vom Global Modernism aber auch seinen Brüchen: Auf der einen Seite die HfG Ulm, die für eine radikale Verwissenschaftlichung von Design steht und 1968 schloss. Auf der anderen das NID Ahmedabad, ein Flaggschiff des modernen Indiens, das bis heute besteht.

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Ausgehend von der India Lounge, dem 24/42 Sessel, erforschte das Bauhaus Lab 2017 die transkulturellen Gespräche zur Bildung von Gestaltern als Mittler zwischen universeller Formgebung und lokaler Kultur der Dinge. Welche Dialoge haben die Gestalter geführt? Welche Rolle kam dem Handwerk in der Designausbildung zu? Wie sah man das Verhältnis von Design und Gesellschaft?

Auch in diesem Jahr schließt das Bauhaus Lab mit einer Ausstellung. Hier wird die Sitzkombination in die Umgebung verwandter Dinge gestellt, die den damaligen Diskurs um die Wiedergewinnung einer kritischen in den Alltag intervenierenden Designpraxis prägten. In einem begehbaren Parcours, der das Raster der Sitzkombination aufgreift, lassen die acht internationalen Teilnehmer die Stationen ihrer dreimonatigen Forschung anhand von Objekten und Dokumenten nachvollziehbar werden – von der Rolle der Kulturinstitutionen als Diplomaten über den geopolitischen Kontext der beiden Hochschulen bis zur Herstellung der Sitzkombination.

Ein Symposium am 17. August 2017 hat diese Fragen mit dem aktuellen Ausstellungsprojekt der Stiftung Bauhaus Dessau Handwerk wird modern. Vom Herstellen am Bauhaus verbunden. Internationale Gäste der Gesprächsrunden zu Designpedagogies, Designrhetorics und Designhistoriografies waren: Martin Mäntele (Archivleiter, HfG Ulm), Tanishka Kachru (Designhistorikerin, NID Ahmedabad), Alison Clarke (Designhistorikerin, London, Wien), Renee Padt (Kuratorin, Stockholm), Michael Zinganel (Kurator, Wien), Guus Gugelot (Designer, Hamburg), Adam Drazin (Anthropologe, London).

 

Ausstellung
Bauhaus Lab 2017
Between Chairs. Dialogues on Craft and Design
17 . 8 . - 15 . 10 . 2017

Bauhaus Dessau
Gegenwartslabor
Gropiusallee 38
06846 Dessau-Roßlau