Jahresthema 2018
Standard

In der Reihe der Jahresthemen fokussiert die Stiftung Bauhaus Dessau nach Kollektiv (2015), Bewegung (2016) und Substanz (2017) im Jahr 2018 auf die Frage der Standards.

Ein Standard ist eine Vorgabe, nach der etwas herzustellen, umzusetzen oder anzuwenden ist. Er lebt von der Vereinfachung und Wiederholung. Und es sind diese Standards, die unseren Alltag auch jenseits der Industrieproduktion prägen: von den Wissenschaften bis zu grundlegenden gesellschaftlichen Vereinbarungen wie den Menschenrechten.

Nach den ersten Jahren in Weimar galt das Bauhaus in Dessau als jenes, das zur Standardisierung beitrug. Aber welche Standards setzte die Schule kulturell, gesellschaftlich, technisch, architektonisch aber auch in der künstlerischen Produktion und Lehre um? Welche gelten heute noch? Welche Maßstäbe definierte das Bauhaus in Bezug auf Hygiene, Ausstattung und Ästhetik? Wie wurde mit Standards experimentiert, welche Patente wurden angemeldet?

Es war zum Beispiel Hannes Meyer, der zweite Bauhausdirektor, der mit dem Leitgedanken „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ neue Standards für den sozialen Wohnungsbau setzte. Im Kollektiv mit den Studierenden. Und heute? Gerade heute sind diese Standards wieder hoch aktuell. Die UNESCO hat darum die Laubenganghäuser in Dessau im Juli 2017 in die Welterbestätte Bauhaus aufgenommen.

Typen, Standardisierung, DIN – ein Standard hat immer auch zwei Seiten. Er macht vergleichbar, aber er macht auch gleich. Letztlich waren es genau jene Standards vom Kubus bis zum Flachdach, die den einen als Verheißung galten und den anderen als ästhetische Zumutung. Wo Standards gesetzt werden, muss man sich auseinandersetzen. Und das tat man im Bauhaus. Denn wie überhaupt lassen sich Messbarkeit, Regeln und Normen bestimmen? 

Im Jahr 2018 widmet sich die Stiftung Bauhaus Dessau ganz der Frage nach den Standards. Dabei wollen wir nicht bei den vom historischen Bauhaus entwickelten stehend bleiben, sondern an aktuelle Debatten, wie die um die menschgemachte Umwelt, anknüpfen. Dahinter steht etwas so Grundlegendes wie unser Selbstverständnis: Auf wen oder was richten wir unsere Standards aus? Wie diskutieren wir darüber? Brauchen wir einen neuen Standardbegriff?