Energetische Sanierung Bauhausgebäude – Klimaschutz im Weltkulturerbe

Die Stiftung Bauhaus Dessau präsentiert ein energetisch optimierteres Bauhausgebäude – nachhaltige Energiewirtschaft als Kernthema der Arbeit

Mithilfe von Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II der Bundesregierung konnte die Stiftung Bauhaus Dessau 2011 umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen an ihrem Sitz im historischen Bauhausgebäude in Dessau umsetzen. Insgesamt stellte der Bund dafür rund 3,9 Mio. Euro zur Verfügung. Ziel der Arbeiten war es, die denkmalpflegerischen Ansprüche des Weltkulturerbes mit den Anforderungen einer nachhaltigen Nutzung zu vereinbaren – und insbesondere die Energieeffizienz des Gebäudes zu optimieren.

Im Laufe der Sanierungsmaßnahmen am Bauhausgebäude wurden die verschiedenen Gebäude- und Bauteile, das Nutzerverhalten und technische Varianten untersucht und sowohl nach ihren Einspareffekten als auch unter denkmalpflegerischen und gestalterischen Gesichtspunkten geprüft und abgewogen. Im Ergebnis entstand ein Maßnahmenkatalog, der Nutzungsanpassungen mit innovativen technischen Lösungen verbindet. Zugleich konnte aber auch das Denkmal stärker auf seine historische Gestalt und Nutzungsorganisation zurückgeführt werden.

Basis der Maßnahmen ist die Änderung der Gebäudenutzung. Die Arbeitsräume wurden im Nordflügel konzentriert, in dem auch der Großteil der baulichen Eingriffe stattfand. Der für die Gestalt so zentrale Werkstattflügel wurde freigezogen und damit besser für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese Nutzung ist saisonal und erlaubt auch größere Temperaturschwankungen, womit der Energieverbrauch ohne physische Eingriffe reduziert werden kann. Ähnliches gilt für Lagerräume, die nur noch über Abwärme temperiert werden.

Besonders aufwendig gestaltete sich die energetische Verbesserung der Glasfassaden des Gebäudes, die mit ihrer Einscheibenverglasung und ungedämmten Stahlprofilen für einen Großteil der Energieverluste verantwortlich waren. Wesentliche Teile des Nordflügels und Ateliergebäudes sind mittlerweile mit neuen Fensterelementen ausgestattet, die nicht nur ungleich besser isoliert sind, sondern in ihrer Gestaltung auch den Originalprofilen von 1926 erheblich näher kommen. So konnten die Öffnungsmechanismen wieder auf die historische Situation zurückgeführt werden. Weitere Fassaden sollen in Zukunft folgen.

Die neuen Fenster sind Ergebnis der Zusammenarbeit zweier spezialisierter Handwerksbetreibe aus der Schweiz und den Niederlanden, die mit Lasertechnik und glasfaserverstärktem Kunststoff thermisch getrennte Profile verwirklicht haben: Gemeinsam mit der Schweizer Montanstahl GmbH entwickelte die niederländische Firma MHB bv für die neuen Fenster innovative Stahlprofile aus warm gewalzten Flachprofilen. Verantwortlich für das Gesamtkonzept ist das Berliner Büro Winfried Brenne Architekten, beratend war die Firma Transsolar tätig.

Das Dach des Bauhausgebäudes und das seiner angrenzenden Nebengebäude wurde mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Die rahmenlosen und besonders flachen Module bilden eine geschlossene Fläche und erlauben so eine kaum sichtbare Nutzung der Dachflächen.

„Mit der energetischen Sanierung des Hauses werden nicht nur drängende Probleme gelöst, die uns bei unserer täglichen Arbeit begegnen – von hohen Energiekosten über ein häufig unkomfortables Raumklima bis hin zur Klimabilanz des Baus“, so Stiftungsdirektor Philipp Oswalt. „Das Projekt hat für uns in mehrfacher Hinsicht auch programmatischen Charakter: Zum einen zeigt es, dass mit innovativen Lösungen Klimaschutz, gute Gestaltung und Denkmalpflege im Weltkulturerbe durchaus vereinbar sind – ein Ansatz mit Vorbildfunktion. Zum anderen beschäftigt uns die Frage der Energiewende und des Klimaschutzes auch in unserer inhaltlichen Arbeit. Die notwendige Forschung und Innovation sind entscheidende Voraussetzungen für die Gestaltung unserer Zukunft, die wir nicht nur am praktischen Umgang mit dem Bauhausgebäude erproben, sondern auch in Bildungsformate umsetzen. Die Sommerschule ‚Energy Landscapes 3.0’ befasste sich letztes Jahr beispielsweise mit Siedlungsformen der Zukunft.“

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