Das Erscheinungsbild der Stiftung Bauhaus Dessau – Corporate Design von Hort 2011

Erscheinungsbild der Stiftung Bauhaus Dessau nach HORT

Eike Königs grafischer Hort (Hort, Berlin) ging mit der Stiftung Bauhaus Dessau an den Nullpunkt der Gestaltung. Der Entwurf machte das Grafikdesignbüro zum Visual Leader 2011.

Von Philipp Oswalt

Das einst prägnante Erscheinungsbild der Stiftung Bauhaus Dessau, Ende der Achtziger entworfen von der Berliner Agentur Grappa, ist nach über 20 Jahren in der Anwendung erodiert und verwässert. Im Sommer 2010 initiierte die Stiftung deshalb einen eingeladenen Wettbewerb mit fünf Grafikbüros. Unter Beratung des Grafikers Bernard Stein, Hochschullehrer in Kassel und Gründer der Agentur Ott + Stein, entstand ein Grundkonzept mit eindeutiger Prämisse: Der visuelle Auftritt der Stiftung Bauhaus Dessau, die zugleich mit der Pflege des Erbes und seiner Aktualisierung beauftragt ist, erfordert sowohl eine Bezugnahme auf das historische Erbe, als auch eine aktuelle Positionierung.

Das historische Bauhaus Dessau hat eine überaus prägnante grafische Sprache hervorgebracht, die sich insbesondere in dem weltbekannten vertikalen Schriftzug am Gebäude und dem von Oskar Schlemmer entworfenen Logo manifestierte. Dabei war die Grafik des Bauhauses aber alles andere als konsistent: In den 14 Jahren seines Bestehens entwickelte das Bauhaus eine Vielzahl von gestalterischen Lösungen – auch für die Darstellung seiner selbst. Ständig wurde dabei aufs Neue experimentiert, aktualisiert, weiterentwickelt. Nach der expressionistischen Formensprache der frühen Weimarer Phase prägte das Dessauer Bauhaus ein eher konstruktivistisches Formverständnis, dominiert von Schwarz und Rot und auf geometrischen Grundformen aufbauenden Schriftentwürfen. Diese Entwürfe zeugen nicht nur von den unterschiedlichen Handschriften eines Herbert Bayer, Josef Albers, László Moholy-Nagy oder Joost Schmidt, sondern auch von konträren Gestaltungskonzepten: Auf der einen Seite stand die Suche nach einer universalen Gestaltung – etwa mit der programmatischen Einführung von DIN-Formaten –, auf der anderen das Experimentieren mit künstlerischen Objektqualitäten durch ausgefallene Formate und Faltungen oder die Verwendung besonderer Papiere. Die Reduktion der Bauhausgrafik auf das Klischee von Quadrat, Dreieck und Kreis wie im bisherigen Logo der Stiftung Bauhaus Dessau von 1988 oder in der Thüringer Jubiläumskampagne von 2009 wird dem nicht gerecht.

hort_SBD_briefschaft_300dpi_cmyk.jpg
hort_SBD_vk_zoom_300dpi_cmyk.jpg
hort_SBD_poster_300dpi_cmyk_03.jpg
hort_SBD_poster_300dpi_cmyk_02.jpg
hort_SBD_poster_300dpi_cmyk_01.jpg

Erscheinungsbild der Stiftung Bauhaus Dessau von HORT, Berlin

Bereits mit der Ausschreibung hat die Stiftung Bauhaus Dessau deshalb einen anderen Weg beschritten: Gesucht wurde ein schlankes und robustes Basisdesign, das nur minimale Festlegungen beinhaltet und es ermöglicht, wechselnde Grafiker mit unterschiedlichen grafischen Sprachen zu integrieren. Dabei entstand die Idee, die zahlreichen und vielfältigen Produkte der Stiftung selbst als Plattform für aktuelle Designpositionen zu nutzen: Mit den Periodika (Programmheft und Magazin) und weiteren Gestaltungsaufgaben soll jeweils ein für zwölf Monate benannter Jahresgrafiker betraut werden, der von einer Jury in einem offenen Wettbewerb ausgewählt wird. Das grundlegende Erscheinungsbild legt nur die dauerhaften Produkte (Briefschaft, Leitsystem, touristische Grundinformationen, Website) und den Rahmen (definiert insbesondere durch das Logo) vor.

Der von Eike König gegründete Hort ging aus dem geladenen Wettbewerb, an dem außerdem Hug & Eberlein Leipzig, Node Berlin, Novamondo Berlin und Stephan Müller (pronto) Berlin teilgenommen hatten, als Sieger hervor. Der Entwurf des Hort verweigert die direkte Bezugnahme auf die historische Grafik und verwendet die am weitesten verbreiteten Systemschriften des Computerzeitalters: Courier und Arial. Als Logo fungiert die Wortmarke „Bauhaus Dessau“, gesperrt in Courier 9 Punkt, vorzugsweise vertikal. Eine Referenz an den ikonischen Schriftzug am Dessauer Gebäude enthält die modifizierte Schrift allein im Buchstaben A, dessen Dach, einem umgekehrten U ähnlich, abgerundet wurde. Außer den Schriften sieht der Rahmen vor, nur DIN-Formate zu verwenden und auf Farbigkeit weitestgehend zu verzichten: eine Art Reset auf den scheinbaren Nullpunkt größtmöglicher Einfachheit und Formlosigkeit und insofern doch ein Bezug auf eine Traditionslinie des historischen Bauhauses. Und freilich ist auch das Generische de facto teilweise Fiktion, da wie jedes Design auch dieses historische Referenzen aufruft – etwa an die sechziger und siebziger Jahre oder an bestimmte Formen des DDR-Designs. Gleichwohl ist das Konzept schlüssig – und es bietet die nötige Offenheit für unterschiedliche grafische Sprachen.