EU-Urbanism – Präsentationen der Kollegs VIII und IX

Bauhaus Kolleg VIII (2006/2007), EU Urbanism 1 / Stiftung Bauhaus Dessau
  •  P R Ä S E N T A T I O N   B A U H A U S    K O L L E G   V I I I : „EU Urbanismus – Europäische Kulturhauptstädte“ 2007

20 Teilnehmer aus 11 Ländern untersuchten während des Bauhaus Kollegs VIII die urbanen Auswirkungen des jährlich von der EU vergebenen Titels „Europäische Kulturhauptstadt“. Als Fallbeispiele wurden die für 2007 benannten Städte Luxemburg und Sibiu/Hermannstadt ausgewählt. Die Kulturhauptstadt-Prozesse sind ein wichtiges Instrument zur kulturellen Aufwertung von Städten. Das Kolleg untersuchte u.a., wie das Programm auf die Stadtentwicklung in Luxemburg und Sibiu wirkt, und welche Konzepte und Vorstellungen europäischer

Lebensweise in der Bewerbung um den Titel und seiner Umsetzung transportiert werden.

Bei der Abschlusspräsentation wurden neben den Rechercheergebnissen vor allem die künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum vorgestellt, die von den Kollegiaten im
Juni in Luxemburg und Sibiu/Hermannstadt durchgeführt wurden. In ihren Aktionen und Installationen beschäftigten sich die Teilnehmer mit den Themen Heimat, Migration und
Sesshaftigkeit vor dem Hintergrund einer wachsenden Mobilität in den europäischen Städten.

Die Auswertung der Projekte übernahmen renommierte Kritiker wie Philipp Misselwitz, Architekt, Berlin, London, Alexa Färber, Humboldt Universität Berlin und Marianne Brausch, Kirchberg Fond, Luxemburg.


  • P R Ä S E N T A T I O N   B A U H A U S   K O L L E G   I X : "EU Urbanism 2 – Grenzstädte/Bodercities" 2008

Europäische Grenzstädte sind durch neue innere „Grenzziehungen“ geprägt. Neben gewachsenen oder heruntergekommenen Stadtteilen schießen – als Folge komplexer transnationaler
Vernetzungen und geprägt von Headquartern international arbeitender Unternehmen – neue Stadteile aus dem Boden. Mit dieser These könnte man die Untersuchungsergebnisse und Projektideen des Bauhaus Kollegs IX „Border Cities“ zusammenfassen. Die Abschlusspräsentation präsentierte die Analysen, Ideen und Konzepte der Kollegiaten zum Umgang mit den beobachteten Grenzziehungen und Konflikten.

Das Kolleg hatte das Phänomen des „Regionen-Machens“ beispielhaft an drei Grenzstädten bzw. -regionen im Ostseeraum untersucht: in Kopenhagen/Malmö, der sogenannten Öresundregion; in Tallinn/Helsinki, einer Region des Aufeinandertreffens des neuen und alten Europas, und in Kaliningrad, einer Enklave Russlands. Seitdem Europa mit dem Ende des Kalten Kriegs neu verhandelt wird, gehört der Ostseeraum zu den dynamischsten Laboratorien. Er vereint auf der einen Seite vielfältige und zugleich widersprüchliche Regionen, die durch Ungleichheiten, Diskontinuitäten und Konflikte geprägt sind. Auf der anderen Seite zeichnen sich intensive Austauschbeziehungen und grenzübergreifende Kooperation ab. So bilden sich hier auf besondere Weise die widersprüchlichen Mechanismen der europäischen Integration ab. Insofern sind die Grenzstädte des Ostseeraums „Versuchsanordnungen“ für das Projekt der Europäisierung. Cross-Border-Regionen haben in der Debatte um das gegenwärtige Europa einen besonderen Stellenwert. Hier werden neue transnationale Formen der Kooperation getestet, die die Nationalstaaten immer weniger beeinflussen können. In diesen Kooperationen scheint sich die Idee eines vereinten Europas auf der lokalen/regionalen Ebene zu realisieren. Hier werden täglich Themen wie Zugehörigkeit, Staatsbürgerschaft und Identität verhandelt.

Auf der Grundlage von Feldforschung und öffentlichen Interventionen in Kopenhagen/Mälmo, Tallin/Helsinki und Kaliningrad hatten die Kolleg-Teilnehmer urbanistische Konzepte, Planungsprojekte und künstlerische Arbeiten entwickelt, die diverse Strategien vorschlagen – sowohl in Richtung eines Ausbalancierens der unterschiedlichen urbanen Dynamiken als auch in Richtung einer Stärkung der vorhandenen Stadtstrukturen.

Ein Projekt thematisierte die Fragmentierung des Stadtraums von Tallinn im Kontext von postsozialistischem und transnationalem Strukturwandel. Vorgeschlagen wurde ein komplexes Freiflächenprojekt, das sowohl die Profilierung der öffentlichen Räume in den jeweiligen Stadtteilen als auch deren stärkere Kohäsion unterstützt.

Ein anderes Projekt griff die dynamische Entwicklung des sogenannten „Medicon Valley“ in Kopenhagen/Malmö auf – künstliche Stadtinseln, die global vernetzt, lokal aber vollkommen abgekoppelt sind. Ziel des urbanistischen Konzepts war es, die „Inseln“ mit der sie umgebenden Stadt zu vermitteln. Eine künstlerische Arbeit unternahm eine fotografische Spurensuche in suburbanen Entwicklungsgebieten für die neue mobile Mittelklasse der Öresundregion. Die Fotos gingen dem Entstehungsprozess einer Stadtlandschaft ohne urbane Eigenschaften nach.

Am Bauhaus Kolleg IX haben Architekten, Künstler, Planer und Wissenschaftler aus über 10 Ländern wie Beispielsweise Bangladesch, Brasilien, Indien, Irland, Italien, Kanada, Kolumbien, dem Libanon oder  Österreich teilgenommen.

  • Gastkritiker: Angelus Eisinger, Professor für Geschichte und Kultur der Metropole, Hafenuniversität Hamburg; Henrik Valeur, Creative Director and Gründer von UiD; Lilet Breddels, Redakteurin Archis Volume