Fellowship-Programm – Internationale Forscher zu Gast in Dessau

Die Stiftung Bauhaus Dessau startete 2011 ein Fellowship-Programm für etablierte Forscher, die seit Jahren im Bauhauskontext arbeiten. Das Programm richtet sich an internationale Forscher, die in den gestalterischen Disziplinen zu Hause sind und das Erbe der Moderne mit Fragen und Methoden der Gegenwart verknüpfen wollen. Ziel ist, die Stiftung stärker als außeruniversitäre Arbeitsplattform für internationale Wissenschaftler zu etablieren und zu einem Ort der Vernetzung für innovative Gestalter zu werden. Die Fellows sind temporär Teil der Bauhaus Community, verfolgen ihre eigene Forschung, stehen aber zugleich im Gespräch mit den anderen Wissenschaftlern sowie den Studierenden.

Fellows 2011:
Zvi Efrat und Joachim Krausse

Die ersten Fellows waren 2011 der israelische Architekt und Architekturhistoriker Zvi Efrat  und der deutsche Designhistoriker und Philosoph Joachim Krausse. Efrat ist Professor für Architektur an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem und Partner des Büros Efrat-Kowalsky Architects, das besonders mit Museumsbauten bekannt geworden ist. Als Fellow hat Efrat an einer Aktualisierung und englischen Übertragung seines Buches „The Israel Project“ gearbeitet, in dem er die Architektur des Staates Israel in den ersten drei Jahrzehnten nach Staatsgründung darstellt und das bis dato nur in hebräischer Sprache veröffentlicht worden war.

Joachim Krausse hat über das Verhältnis von wissenschaftlichem Weltbild und Architektur seit dem 18. Jahrhundert promoviert, unterrichtete bis zu seiner Emeritierung 2010 Designtheorie an der Hochschule Anhalt (FH) und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten über Richard Buckminster Fuller, als dessen deutschlandweit profundester Kenner er gilt. Krausse hat gemeinsam mit der Stiftung ein Forschungsvorhaben zur Genese des Informationsdesigns entwickelt, das Bestandteil des Exzellenzprojektes „Bild Wissen Gestaltung“ der Humboldt-Universität zu Berlin wurde. 

Fellows 2013:
Walter Prigge und Raquel Franklin

Der habilitierte Stadtsoziologe Walter Prigge ist 2013 Senior Fellow am Bauhaus Dessau und beschäftigt sich mit Forschungen, Veranstaltungen und Ausstellungen in den Bereichen Stadt, Raum und Architektur.

Im Rahmen des Programms Fellowship Internationales Museum der Kulturstiftung des Bundes forscht seit Juni 2013 die mexikanische Architektin Raquel Franklin am Bauhaus Dessau. Die Leiterin des Forschungszentrums für Architektur an der Anahuac University in Mexico City, an der sie zudem Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts unterrichtet, promovierte zu "Hannes Meyer in Mexiko (1939-1949)". Franklin arbeitet derzeit zum Forschungs- und Ausstellungsvorhaben „Das Prinzip Coop – Hannes Meyer und die Idee der kollektiven Gestaltung“. "Das Prinzip Coop“ nimmt das vom zweiten Bauhausdirektor Hannes Meyer verfolgte Ideal einer kollektiven Gestaltung auf, das sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Schaffen zieht, zum Gegenstand.

Die Stiftung Bauhaus Dessau präsentierte 2015 eine umfassende Ausstellung unter dem Titel "Das Prinzip Coop", die den Einfluss der experimentellen, utopischen Ideen des Coop auf die Planung und Umsetzung von Bauprojekten in Dessau, der Sowjetunion und Mexiko untersucht. Der Fellow betrieb zur Vorbereitung dieser Ausstellung Archivrecherchen und Nachlassforschungen im In- und Ausland und wirkte bei der Erstellung der Ausstellungspublikation sowie der kuratorischen Umsetzung der Ausstellung mit.