Funktionalismus der Moderne – Forschungsprojekt zu einem Programmbegriff 2004

Entstehung, Entwicklung und Aktualität eines zentralen Begriffs der Architekturdebatten des 20. Jahrhunderts

"Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert – ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus –, muss sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen, das heißt, seine Funktion praktisch erfüllen, haltbar, billig und 'schön' sein." (Walter Gropius, 1925)

Dieses Zitat von Walter Gropius aus der frühen Dessauer Zeit des Bauhauses gilt in der Literatur als "die bündigste Formulierung für einen auf (Gebrauchs-) Gegenstände bezogenen Funktionalismus", wie es Heinz Hirdina 2001 formulierte. Walter Gropius selber verwendete erst viel später den Terminus Funktionalismus, prägte aber in Theorie und Praxis ganz wesentlich dessen Entwicklung zum 'Programmbegriff'. Noch in den 1960er Jahren warnte er davor, Funktionalismus als einen "einzigen, geraden und engen Weg" zu praktizieren. Aber genau diese Verengung auf einen somit negativ gedeuteten Begriff von Funktionalismus setzte sich nach 1930 durch, vor allem mit dem Buch 'International Style' von Henry-Russell Hitchcock und Philip Johnson.

Ausgangspunkt des Ende 2004 gestarteten Forschungsprojektes war die Frage nach der Aktualität des Funktionalismus. Untersucht wurde an architekturtheoretisch relevanten Texten, wann und warum der Begriff Funktionalismus entstand, auf welche Problemlagen er reagierte, welchen Interpretationen und Wandlungen er bis in die jüngste Vergangenheit unterlag. Dabei stellte sich heraus, dass der Begriff sehr unterschiedlich definiert und verwendet wurde. So entstand ab den 1960er Jahren neben der regelrechten Verdammung eines auf ökonomische Aspekte reduzierten "Bauwirtschaftsfunktionalismus" (Heinrich Klotz) eine Debatte, in der Funktionalismus als "zukunftsorientierte Gestaltungskonzeption" bezeichnet wurde.