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Das Bauhaus Kolleg

Ein transdisziplinäres Bildungsangebot der Stiftung Bauhaus Dessau

Seit 1999 bietet die Stiftung Bauhaus Dessau ein postgraduales Ausbildungsprogramm im Bereich Urbanistik an: das Bauhaus Kolleg. Dieses einzigartige internationale Programm gestattet jungen Professionellen aus Architektur und Kunst, Design und Geisteswissenschaften Einblick in die komplexen Realitäten zeitgenössischer Städte. Die einjährige Ausbildung vermittelt ihnen Wissen und Werkzeuge für einen kreativ gestaltenden Zugriff.

Die einst klaren Grenzen zwischen gestaltenden und forschenden Disziplinen lösen sich heute zunehmend auf: Veränderte Bedingungen in globalisierten Metropolen erfordern erweiterte gestalterische Kompetenzen. Heute geht es auch in gestalterischen Tätigkeiten mehr und mehr um den Wissenstransfer in andere Felder – in die städtische Politik, in Alltagskultur, Wirtschaft und Medien.

Das Bauhaus Kolleg zeichnet sich durch die produktive Vernetzung der Disziplinen aus. Es versetzt seine Teilnehmer in die Lage, sowohl konzeptionell und forschend, als auch vermittelnd und gestalterisch intervenierend tätig zu werden. Damit bezieht es sich programmatisch auf die Methoden des historischen Bauhauses. Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstand sich dieses als außeruniversitäres Bildungsreformprojekt mit dem Ziel, den Bedingungen der modernen Industriegesellschaft angemessene Ausbildungsstrukturen für Künstler und Gestalter zu schaffen. Lehre und Praxis, Forschung und Entwurf, Analysieren und Gestalten, Untersuchen und Darstellen bildeten am Bauhaus eine untrennbare Einheit.

Das einjährige, an wechselnden Themenschwerpunkten orientierte Bauhaus Kolleg knüpft an diese Tradition des Bauhauses an. In zwei Semestern bietet es neben Vorträgen internationaler Experten, Workshops und Seminaren eine intensive Einzelbetreuung im Rahmen interdisziplinärer Projektarbeit.

Themen

Jährlich schreibt das Programm einen Themenschwerpunkt aus, der in ausgewählten Fallstudien ver-gleichend bearbeitet wird. Die thematische Klammer hält die individuellen Projekte der Teilnehmer zusammen und bildet den gemeinsamen Rahmen der Forschungs- und Projektarbeit. Im Programmverlauf verdichtet sich das Wissen zum Themenschwerpunkt, Fallstudien und vor Ort gesammelte Erfahrungen treten hinzu. Den Abschluss bildet eine öffentliche Präsentation des Programms und seiner Ergebnisse im Bauhausgebäude.

Im Fokus der letzten Jahre standen in den Programmen Bordercities und EU Urbanism Fragestellungen zur Neuformierung des europäischen Raumes und im Programm CIAM Urbanism der Urbanismus der Nachkriegsmoderne.

Recherche

Recherche gehört zu den grundlegenden Bestandteilen des Programms. Die Teilnehmer wählen zwischen zwei angebotenen Studios zu den Untersuchungsorten aus. Hier werden transdisziplinäre Methoden der Untersuchung (urbane Ethnografie, Visuelle Anthropologie) und der Visualisierung (Mapping, Diagramme) vermittelt, die vor Ort zur Anwendung kommen. Online-Rercherchen bereiten die von lokalen Kooperationspartnern unterstützten Exkursionen zu den Untersuchungsorten vor. Das hier erarbeitete Wissen bildet die Voraussetzung für die Projekte.

Theorie

Das Theorieprogramm bietet eine Serie von Vorträgen und Seminaren zu stadt- und architekturtheoretischen Diskursen, aber auch historischen Themen. Eingeführt werden diese aus der Perspektive einer interdisziplinär verstandenen Stadtforschung. Die Grundlage bildet ein Reader, der den Teilnehmern einen zusammenfassenden Überblick zu den im Programm behandelten Diskursfeldern aus den Kultur-, Raum- und Humanwissenschaften bietet. Ziel ist es, diese theoretischen und historischen Perspektiven in der kritischen Auseinandersetzung für eigene gestalterische Positionen zu mobilisieren.

Interventionen

Als Testfelder dienen den Programmen des Kollegs öffentliche Interventionen an den Exkursionsorten. Ob in einer Performance, einer Installation, einer öffentlichen Diskussion oder einer Ausstellung – die Teilnehmer entwerfen hier gemeinsam Ideen für vielgestaltige Inszenierungen, die mit lokalen Partnern vor Ort realisiert werden. Hier können zuvor theoretisch entwickelte Annahmen und Szenarien zu einer städtischen Situation getestet werden. Die Interventionen stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Recherche und Projekt dar.

Werkzeuge und Strategien

Ziel des Kollegs ist es, einen Überblick über zeitgenössische Planungs-und Entwurfsstrategien im urban design zu vermitteln. Ausgehend von diesem Wissen sind die Teilnehmer aufgefordert, sich in der kritischen Reflektion unterschiedlicher gestalterischer Positionen eine eigene Haltung zu erarbeiten und diese in ihrer Projektarbeit fruchtbar zu machen.

Projekte

Die Projekte des Bauhaus Kollegs schlagen gestalterische Handlungskonzepte für konkrete urbane Situationen oder Problemstellungen vor. Sie verstehen sich als Problemlösungsvorschläge, die mit unterschiedlichen Strategien auf die physischen, sozialen, politischen und medialen Räume der jeweiligen Stadt einwirken wollen. In einer gemeinsam kuratierten Abschlussausstellung im Bauhausgebäude wird das im Programmjahr erarbeitete Wissen aus Recherche, theoretischen Reflektionen, Interventionen und Projekten zusammengefasst. Publikationen und Websites vermitteln die Ergebnisse des Programms einer internationalen Öffentlichkeit.

Ein Jahr am Bauhaus

In Dessau sind die Teilnehmer des Kollegs ein Jahr lang Teil des vielfältigen Programms der Stiftung Bauhaus Dessau. Hier arbeiten sie in jenem ikonischen Gebäude, das jährlich über 100.000 internationale Besucher anzieht: Wechselnde Ausstellungen, das Programm auf der historischen Bauhausbühne, internationale Konferenzen und die Projekte der Stiftung bieten den Kollegiaten die einmalige Chance, inmitten von Bauhausarchitektur und Bauhausidee einen Beitrag zu deren Aktualisierung leisten zu können.

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Kontakt/Impressum
Stiftung Bauhaus Dessau
Bauhaus Kolleg
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