iPhone: Gute Form – bad design? – Symposium 2010

Es ist überall, wird geliebt oder gehasst, es brachte eine eigene Sprache („Apps“), neue Geschäftsmodelle und einen intuitiven neuen Zugang zum weltweiten digitalen Netz mit sich und definierte von Grund auf neu, was ein Telefon sein kann: das iPhone von Apple. Diesem ikonischen Objekte des beginnenden 21. Jahrhunderts widmete die Stiftung Bauhaus Dessau am 3. und 4. Dezember 2010 ein Symposium – und einen kritischen Blick.

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Das Kommunikationsgerät des 21. Jahrhunderts? Ein Designwunder? Oder doch nur ein Fetisch, der in Asien hoffnungslose Arbeiter in unwürdigen Produktionsstätten und zerstörte Natur (Produktion und Entsorgung) hinterlässt? 

Medienwissenschaftler, Designexperten, Umweltschützer und andere Fachleute diskutierten Fragen wie diese am Geburtsort des modernen Designs und streiten über gute Formen und schlechtes Design. Das Symposium zum Jahrestag der Kündigung des zweiten historischen Bauhausdirektors Hannes Meyer (1930), der bereits damals die „guten Formen“ seines Amtsvorgängers Walter Gropius kritisierte und Ansätze eines ökologischen Designs forderte, richtete den Blick auf die Aktualisierung des deutschen Designs der Nachkriegszeit durch Apple. Zugleich fragte es nach den Hintergründen – nach Produktionsprozessen, Arbeitsbedingungen und Umweltverträglichkeit hinter dem "schönen Schein". Denn wie die Geräte vergleichbarer Hersteller ist auch das iPhone letztlich abhängig von einer die globalen Lohndifferenzen ausbeutenden Produktion, die in Asien und anderswo keinen fortschrittlichen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Vorträge, Filme und Podiumsdiskussionen stritten im Bauhaus Dessau über die ökologische und kommunikationspolitische Bedeutung der Diskrepanz zwischen guter Konsum-Form und schlechtem Produktions-Design. Gemeinsam mit Experten wie der Designhistorikerin Gerda Breuer von der Universität Wuppertal, dem Medientheoretiker und Telepolis-Chef Florian Rötzer und dem Radioproduzenten Tim Pritlove gingen wir am Geburtsort des modernen Designs der sozial und ökologisch nur schwer kontrollierbaren Produktion elektronischer Geräte in Asien nach.

Medienpartner: Telepolis München


  • P R O G R A M M:
  • Freitag, 3. Dezember 2010: Gute Form – Das ästhetische Versprechen​

E R Ö F F N U N G durch Philipp Oswalt, Stiftung Bauhaus Dessau

V O R T R A G : "Werkbund, Gute Form usw." (Gerda Breuer, Universität Wuppertal)

V O R T R A G : "Ulmer Schule und Gute Form" (Marcela Quijano, Kuratorin, Ulm)

V O R T R A G: "Art and everyday culture of mobile phones" (Miya Yoshida, Kuratorin, Berlin) 


  • Samstag, 4. Dezember 2010: Bad Design – Das Unsichtbare sichtbar machen

F I L M :"The Story of Electronics" (Annie Leonard, Umweltkritikerin, Kalifornien)

V O R T R A G :"Arbeitsbedingungen in der Elektronikproduktion" (Sarah Bormann, WEED, Berlin)

V O R T R A G : "Nachhaltige Produkte im Stoffkreislauf" (Evelyn Hagenah, Umweltbundesamt, Dessau)

V O R T R A G:  "Konsumverhalten in der Klimakrise " (Claudia Sprinz, Greenpeace Wien)
 
D I S K U S S I O N  mit: 

  • Olaf Arndt, Kurator und Künstler, Berlin
  • Joachim Krausse, Hochschule Anhalt Dessau
  • Tim Pritlove, unabhängiger Radioproduzent, Berlin
  • Florian Rötzer, Telepolis München