Das
Projekt "Cool Frankfurt" verweist auf einen neuen Unternehmertypus - den New
Entrepreneur - der im städtischen Raum neue heterogene Verortungsstrategien
entwickelt. Unter New Entrepreneurs verstehen wir eine stetig steigende Zahl
von Menschen, die ihre künstlerisch-kreativen Fähigkeiten in eine
ökonomische Inwertsetzung überführen (müssen). Damit verfolgen
sie nicht primär ein ökonomisch-unternehmerisches Ziel, sondern v.a.
auch eine Verortung im gesellschaftlichen und städtischen Raum.

"Be cool!" So könnte das Motto des städtischen Unternehmertypus lauten:
Sei jung, breche mit den sozialliberalen Traditionen des sicherheitsorientierten
Statusdenkens, teste neue Lebensperspektiven aus, fühle die Freiheit des
Individuums und feiere das Leben (in der Stadt). Gleichzeitig geht neben der
von v.a. Tony Blair in Grossbritannien formulierten Postulierung einer Neuen
Mitte aber auch die Aufforderung einher, vom Staat keine hohen Sozialabgaben
einzufordern, sondern die durch den Staat ausgesprochene Ausbildung zurückzubezahlen:
Die Repräsentanten der Neuen Mitte sollten soziale Sicherheiten eigenständig
aufbauen und dementsprechend auch selbst finanzieren, womit die neoliberale
Politik ihre Integrationskraft einfordert, um die Neue Mitte zu bevölkern.

Übertragen auf die Situation der Städte zeigen sich neue spezielle
Szene-Geschäfte, Gallerien, Record-Label-Shops und weitere Konsumangebote.
Diese sind oftmals flexible, multifunktionale Orte für verschiedene Lebensstilgruppen.
Des weiteren besteht die Leistung des New Entrepreneurs auch darin, städtische
Gruppen und Funktionsbereiche an diesen Orten zusammenzubringen, in dem sie
verschiedene Lesarten des Urbanen anbieten. Orte sind für die New Entrepreneurs
zentraler Bestandteil in ihrer gesellschaftlichen Positionierungsarbeit, um
einen Kontext für ihre professionelle Tätigkeit herzustellen, sich
daran zu reiben, andere damit zu täuschen und zu spielen.

Der spielerische und rauschartige Umgang mit Stadt als permanentem Abenteuerspielplatz
geht nicht zuletzt mit Flexibilisierungsmuster und sozialen Desintegrationsprozessen
einher. Individualisierte unternehmerische Existenzstrategien übertünchen
und verpacken dabei ebenso die von der politischen Seite geforderte Selbständigkeit,
wie den schrittweisen Ausschluss aus den sozialen Sicherheitssystemen. Unter
dem Stichwort eines neuen Unternehmertums zeigen sich bei den New Entrepreneurs
individualisierte Marketingstrategien, soziale Härten aber auch das gekonnte
Wechseln zwischen Sozialamt und Arbeitnehmerverhältnissen.

Vom Agieren im Spannungsverhältnis zwischen neoliberalen existentiellen
Rahmenbedingungen und der Lust an der ökonomischen Realisierung eigener
Ideen handeln die folgenden urbanen Plattformen. Das diesen Ergebnissen zugrundeliegende
empirische Interview-, Text- und Bildmaterial wurde im Rahmen des Forschungsprojekts
"New Entrepreneurs: Kreative Neuerfinder des Städtischen" am Bauhaus Kolleg
"EventCity" zusammengetragen und ausgewertet.

Bearbeitung: Dipl-Soz. Silke Steets und Dipl.-Geogr. Bastian Lange.