Zwischen Schrottplätzen, verlassenen Lagerhallen und neu
entstehenden Nobellofts betreibt der Künstler Stefan Beck im Frankfurter
Osten seit 1997 einen eigensinnigen Ausstellungs- und Konzeptraum. Ein
ehemaliges
Pförtnerhäuschen - eingeschossig, einräumig, ganze 10 qm
klein - dient als flexibel nutzbarer Ort für "Vergnügen und Information".
Die Veranstaltungen sind zwischen Club, Galerie und Seminarraum angesiedelt:
DJ-Hauskonzerte, Barbetrieb, Sake-Bar, Ausstellungen, Lese- und Zeitschriftenecke,
Videothek, Internetseite, Gastvorträge, Diskussionsrunden. Der Name der
Location: multi.trudi.

multi.trudi klingt fast wie "multikulti", ein Label mit dem sich Frankfurt
gerne schmückt, hat doch die Stadt einen AusländerInnenanteil von
knapp 30 Prozent. 1989 diente dies der Stadt als Grund für die Einrichtung
des bundesweit ersten städtischen Amtes für "Multikulturelle Angelegenheiten"
(AMKA). Der Einrichtung mit dem schillernden Namen stand damals eine nicht
weniger schillernde Persönlichkeit vor: der ("rote") Daniel Cohn-Bendit,
bekannt aus der Pariser Studentenrevolte und einstiger WG-Kumpel Joschka Fischers,
heute wohnhaft im noblen Frankfurter Westend. Fazit dieser kurzen Anekdote:
Frankfurt ist alternativ, Frankfurt steht für "multikulti". Soweit zur
Außenwahrnehmung.

Der Name multi.trudi scheint die Imagepflege der Stadt Frankfurt und seiner
Bewohner zu ironisieren. Multikulturalität klingt
bunt,
lebhaft, heterogen. Jede Stadt schmückt sich gerne mit solchen Attributen.
Doch existiert ein Zusammenleben verschiedenster Kulturen im Frankfurter Alltag
tatsächlich? Vielleicht. Im Gallus oder im Bahnhofsviertel oder ganz
woanders. Multikulturelles Zusammenleben ist selten konfliktarm, meist wenig
romantisch, doch wenn es gelingt, ist es für alle Beteiligten außerordentlich
gewinnbringend. Darum geht es aber nicht. Die Frage, die aufgeworfen wird,
ist vielmehr die nach der möglichen Inszenierung von "multikulti" in
den bunten Kalendern des AMKA.