Am 20. Juli 2001 feierte der zwischen Paris und Berlin ansässige
Frankfurter Veranstalter und Szene-Papst Hans Romanov spontan seinen Geburtstag
in den Kellergewölbe von "morgen" und vertrieb diese Ankündigung
offen in Mailinglisten und elektronischen Partyverteilerlisten Frankfurts.
Der Ort war plötzlich einer größeren Party-Community bekannt.
Wenig später kündigt ein
virtueller
Flyer die Ausstellungseröffnung einer befreundeten Künstler
wiederum in den Galerieräumen von morgen.
Die Ort der New Entrepreneurs haben eine eigenwillige Politik: Um sie in den
Köpfen der Menschen existent zu machen, bedarf es einer spezifischen
Ortspolitik, die Zugehörigkeit neu verhandelt:
morgen ist ein Treffpunkt einer offenen, aber doch klar umrissenen Gruppe
von Freunden, Kollegen, Konkurrenten, Interessierten und Neuguierigen. Um
diesen Ort wahrzunehmen bedarf es einer Lenkungspolitik, die Ähnlichkeiten
mit der eines Clubs aufweist: Die Zurückweisung an der Türe arbeitet
weitaus subtiler und subkutaner. Verschiedene Informationswege, wie Mund-zu-Mund-Propaganda,
Mailinglisten und Flyer sichern die gezielte Verbreitung anstehender Events,
Ausstellungseröffnungen und neuer Produkte. Neben der Verbreitung von
Information wird aber auch immer wieder daran gearbeitet den Ort "morgen"
in der Versenkung verschwinden zu lassen. Monatelang passiert nichts, dieses
Spiel, das dabei zutage tritt, soll die Besucher ausbalancieren, soll den
Ort tarnen und wieder ins Bewusstsein rufen. Tritsch/ Mühlbauer arbeiten
ohne ein Jahresprogramm und kündigen ihre Kunstausstellungen kurzfristig
an, in dem sie die Einladung per Mailingliste an ausgewählte Interessierte
und Feunde aus dem Bereich der Frankfurter Kunstszene verschicken: Die im
Header der Mail zu lesende Zugehörigkeit (oder nicht) zu der damit offensichtlich
gewordenen "Szene" ist das Aus- und Einschlusskriterium, um das sich offen
ausgesprochen niemand kümmert.
Die dabei zu tage tretende Strategie des Verbergens greift eine Haltung auf,
die an die alte sozialistische Dienstleistungsmentalität erinnert: der
Kunde ist nicht König und das Geschäft egal.
Zumal der Ort "morgen" nach aussen sich nicht als solcher visuell und optisch
klar zu erkennen gibt, sondern nur von Insidern und Ortskundigen als Ort von
Veranstaltungen und Performances wahrgenommen wird. Indem der Ort "morgen"
sich mit seiner Versteckpolitik im städtischen Raum positioniert, wird
nicht nur soziale Differenz erzeugt, sondern v.a. die breite Masse draussen
gelassen.
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Auch wenn eifrige Sucher den Ort finden, so ist ein zweites Differenzierungskriterium
subtil in den Ort implementiert. Durch die bspw. nach Eröffnungen stattfindenden
Parties wird über die ausgestellte Kunst, die elektronische Musik unter
den anwesenden Gästen verschiedene Identifikationsmuster angeboten. Die
Zuordnung zu diesen - basierend auf der Erfahrbarkeit dieser Performance -
ermöglicht erst die prägsame Teilnahme am Event. Darin liegt die
subtile Ausgrenzungsstrategie: Niemand wird verwiesen, jeder vielmehr zugelassen,
doch nur wenige integriert. Und auch diese erste Integration ist eine Aufforderung
sich der Zugehörigkeit permanent zu versichern. Denn der unstetige Wandel
dieser "Location" ist vorerst die Garantie, dass kein Trend kreiert wird,
keine finanziellen Abhängigkeiten erzeugt werden und der Kommerz nicht
der kreativen Tätigkeit hinderlich ist.
Es ist daher dieser Spagat innerhalb des permanenten Wandels der Differenzierungskriterien,
der Vermeidung der reinen Kommerzialisierung sowie der Anwendung von Strategien
des Versteckens, die diese Orte und ihren Akteuren, für eine Zeit das
Überleben sichern. Würden sie sich als klaren offenen Gegenentwurf
zu bestehenden kulturellen und gesellschaftlichen Strömungen positionieren
(Modell "underground"), so würden sie wie bei der Wahl des Modells "Mainstream"
sofort in der städtischen Trendmaschine verwertet und vernichtet werden.
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