Kulturen und Architekturen des Alterns – Gestaltungs- und Forschungsprojekt 2006

Der wachsende Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung stellt die Industrieländer vor bislang nicht gekannte Probleme und fordert zu einem veränderten Umgang mit dem Altern auf. Die standardisierte Normalbiografie des industriellen Zeitalters – Ausbildung, Erwerbsarbeit und Ruhestand – und ihre Räume verlieren mehr und mehr an Bedeutung, der Generationenvertrag wird neu ausgehandelt. Die Lebensläufe und Altersgrenzen werden verschiedenartiger und flexibler. Nicht mehr der gesellschaftliche Rückzug und Lebensabend oder der aktive Freizeitrentner sind die Leitbilder des Alterns. Altern wird zu einer eigenständigen Lebensphase mit neuen Tätigkeitsmodellen, vielfältigen Lebensstilen, gegenseitiger Hilfe und Selbsthilfe.

Altern ist ein Prozess, der die Entwicklung der Städte zunehmend bestimmen wird. Städtebau, Architektur und Design können hierzu Wesentliches beitragen. Das im Jahr 2005 begonnene experimentelle Gestaltungs- und Forschungsprojekt „Kulturen und Architekturen des Alterns“ hat daher zum Ziel, jenseits von altersgerechtem Wohnen, jenseits negativer Stereotype des Alterns Parameter der Gestaltung zu entwickeln, die die kulturelle Neuorientierung des Alterns unterstützen. Dabei will das Projekt städtebauliche Rahmen für urbane Lebenswelten des Alterns entwerfen, die offensiv Modernität, Attraktivität und öffentliche Sichtbarkeit auch für das Altern reklamieren.

In der ersten Projektphase wurde „Geropolis 2030“, das Zukunftsmodell einer alternden Stadt entworfen. Dafür wurden auf Quartiersebene städtebauliche Szenarien entwickelt. Entstanden sind sechs visionäre Entwürfe, die zu einer Umwertung und kulturellen Anerkennung des Alterns beitragen und eine selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung bis ins hohe Alter hinein fördern sollen: „Hotel Urbanismus“, „Liberale Landschaften“, „ErfahrungsCampus“, „Klubhaus und suburbane Biotope“, „Dorf in der Stadt“ und „Leisure Mall“ konzentrieren sich auf spezifische Aspekte des Alterns in der Wissens- und Informationsgesellschaft.


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