Meisterhäuser von Walter Gropius (1925–26)

Zeitgleich mit dem Bauhausgebäude beauftragte die Stadt Dessau Walter Gropius mit dem Bau von drei Doppelhäusern für die Bauhausmeister und einem Einzelhaus für den Direktor. Das Grundstück liegt in einem kleinen Kiefernwäldchen an der heutigen Ebertallee, einer der Achsen des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs zwischen den Sieben Säulen des Georgiums und dem Amaliensitz. 1926 konnten Gropius und die Bauhausmeister László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche und Oskar Schlemmer sowie Wassily Kandinsky und Paul Klee mit ihren Familien einziehen. Mit Wechsel der Mieter lebten hier später Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe, Josef Albers, Hinnerk Scheper und Alfred Arndt.

Am 16. Mai 2015 hat Bundespräsident Joachim Gauck die neuen Dessauer Meisterhäuser der Öffentlichkeit übergeben – diese modernen Interpretationen sind auf den Grundrissen der usrpürnglichen Bauten von den Architekten Bruno Fioretti Marquez entworfene so genannte "unscharfe" Reparaturen der usrpünglichen Meisterhäuser. 

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Gropius wollte bei diesem Gebäudeensemble mit industriell vorgefertigten, einfachen Bauelementen wie aus dem Baukasten Prinzipien des rationellen Bauens sowohl in Bezug auf die Architektur als auch auf den Bauprozess selbst verwirklichen. Diese Normierung der Bauteile ließ sich angesichts der bis dahin vorhandenen technischen Möglichkeiten aber nur teilweise umsetzen.

Die Häuser gewannen ihre Gestalt durch ineinander verschachtelte, unterschiedlich hohe kubische Körper. Vertikale Glasbänder an den Seitenfassaden sorgen für eine Belichtung der Treppenaufgänge, während die Straßenansichten der Doppelhäuser von den großzügig verglasten Ateliers geprägt sind. Nur die Fassade des Direktorenhauses war durch asymmetrisch angeordnete Fenster gegliedert. Auf den Straßen abgewandten Seiten befinden sich großzügige Terrassen und Balkone. Die Häuser sind hell gestrichen, Fensterlaibungen, die Unterseiten der Balkone und Fallrohre farbig gestaltet.

Die Doppelhäuser sind grundsätzlich baugleich und die jeweiligen Haushälften haben denselben Grundriss, wenn auch gespiegelt und um 90° gedreht. Einzig im zweiten Obergeschoss unterscheiden sich die Haushälften – jeweils der westliche Teil hat hier zwei zusätzliche Zimmer.

Alle Häuser waren mit modernen Hausgeräten ausgestattet, zwischen Anrichte und Speisezimmer sowie Schlafzimmer und Atelier wurden Einbauschränke eingefügt. Während Gropius und Moholy-Nagy sich vollständig mit Möbeln von Marcel Breuer einrichteten, brachten die anderen Meister eigenes Mobiliar mit. Auch bei der Farbgestaltung entwickelten die Künstler eigene Ideen, die z. B. bei Klee und Kandinsky in einem engen Zusammenhang mit ihrem künstlerischen Werk standen.
1932 wurde an der östlichen Spitze der Siedlung die „Trinkhalle“ errichtet – der kleine Bau war der einzige von Ludwig Mies van der Rohe in Dessau realisierte Entwurf. Sie wurde um 1970 abgerissen.

Nach der Schließung des Bauhauses 1932 wurden die Häuser anderweitig vermietet. Während des Kriegs wurden das Direktorenhaus bis auf das Sockelgeschoss sowie die Garage und das Haus Moholy-Nagy vollständig zerstört. Auf dem Fundament des Direktorenhauses wurde 1956 ein Einfamilienhaus mit Satteldach errichtet. 2011 wurde das sogenannte "Haus Emmer" abgerissen und mit der Rekonstruktion des Gropius-Hauses begonnen, die 2014 abgeschlossen sein soll. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde auch die Trinkhalle wiederhergestellt.

Die erhaltenen Meisterhäuser wurden seit 1992 umfassend saniert. Dabei fasziniert insbesondere das Meisterhaus Kandinsky-Klee durch seine Farbigkeit im Innern.

Meisterhäuser besuchen

  • geöffnet
    täglich 10-17 Uhr (April bis Oktober)
    täglich 11-17 Uhr (November bis März)
  • Tickets
    Meisterhaus-Ticket: 7,50 € und 4,50 € ermäßigt
    Eintritt in die Meisterhäuser inkl. der dort gezeigten Ausstellungen
    Kombi- und Tagesticket möglich
  • Führung
    Mo – Fr 12:30 Uhr / 15.30 Uhr
    Sa – So 12:30 Uhr / 13:30 Uhr / 15:30 Uhr
    Treffpunkt im Besucherzentrum Bauhaus
    Preis: 5,– € zzgl. Eintritt
  • Adresse
    Ebertallee 59–71, 06846 Dessau-Roßlau

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