Schrumpfende Städte: Forschungs- und Gestaltungsprojekt 2002 bis 2005

Ob in USA, Großbritannien oder Belgien, ob in Finnland, Italien, Russland, Kasachstan oder China: Überall schrumpfen Städte. Die dramatische Entwicklung in Ostdeutschland seit 1989, die zu einem Leerstand von über einer Millionen Wohnungen, zur Aufgabe von unzähligen Industriearealen und sozialen wie kulturellen Einrichtungen geführt hat, erweist sich nicht als Einzelfall, sondern als allgemeines Muster unserer Zivilisation. 

Schrumpfstädte widersprechen dem seit der Industriellen Revolution gewohnte Bild der "boomtown", einer von stetigem wirtschaftlichen und demographischen Wachstum geprägten Großstadt. Schrumpfstädte provozieren ein Umdenken sowohl im Hinblick auf traditionelle Vorstellungen der europäischen Stadt als auch auf die zukünftige Entwicklung urbaner Welten.

Die durch Schrumpfung verursachten, einschneidenden Veränderungen der Städte stellen deshalb nicht nur eine ökonomische und soziale, sondern auch eine kulturelle Herausforderung dar. Urbane Schrumpfung ist städtebaulich kaum zu steuern und bringt eine Vielzahl von Problemen mit sich. Es entstehen neue Stadttypen, für deren Eigenart bisher weder Vorstellungsbilder noch Gebrauchsformen existieren.

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Das transdisziplinäre Projekt "Shrinking Cities/Schrumpfende Städte" entwickelte künstlerische und urbanistische Konzepte für Handlungsstrategien in schrumpfenden Städten Ostdeutschlands. Die von der Stiftung Bauhaus Dessau durch Direktaufträge organisierten urbanistischen Projekte arbeiteten im Bereich Ideen für neue Stadtmodelle zu folgenden Themen: "Verabschieden: Alte Menschen", "Ausgliedern: Sonderwohlfahrtsstadt", "Pendeln: Saisonstadt", "Überschreiten: Translokale Region"; "Wachsen: Zwischenstadt Halle-Leipzig". Weitere Einzelthemen: "Typologisieren: Städtebauliches Alphabet des Schrumpfens", "Liegenlassen: Einmauern von Gebäuden", "Beschäftigen: Selbstgewählte kollektive Unternehmungen von Arbeitslosen", "Starten: Gründerzentren und Stadtteilkultur", "Veröffentlichen: Die Mitte fernsehen"; "Anleiten: Handbuch des Überlebens in schrumpfenden Städten".

Mit der Umsetzung wurden Urbanisten, Künstler und Wissenschaftler beauftragt: SMAQ (Rotterdam), Jesko Fezer / Uwe Rada / Stefan Lanz (Berlin), L21 (Leipzig), Shrink to Fit (Berlin), Holger Schmidt, Thomas Busch (Dessau), Urbanista (Hamburg), Visomat (Berlin), Michael Zinganel (Wien), Wochenklausur (Wien), Peter Arlt (Linz), Letzel Freivogel (Halle), Tim Rienietz (Zürich), Wolfgang Engler (Berlin).

Die Projekte der Stiftung Bauhaus Dessau wurden in der zweiten Ausstellung in Leipzig präsentiert (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, November 2005 bis Januar 2006; Katalog Band 2). "Schrumpfende Städte" war ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Projektbüro Philipp Oswalt, der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Zeitschrift "archplus".

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