Das Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick (1926–27)

Das Stahlhaus, direkt neben dem Haus Fieger zu finden, entstand im Auftrag der Stadt Dessau zusammen mit dem ersten Bauabschnitt der Siedlung Törten und wurde im Frühjahr 1927 fertig gestellt.

Zumeist wurde damit Werbung gemacht, man sähe dem Haus nicht an, dass es aus Stahl sei. Muche und Paulick hingegen kam es genau auf die Sichtbarkeit dieses Materials an: Eine Kongruenz von industrieller Fertigung und entsprechender Formensprache war erwünscht. Das Gebäude ist ein Stahltafelbau, er besteht aus einer Stahlskelett-Tragkonstruktion, auf die 3 mm starke Stahltafeln als Außenwandplatten montiert sind. Das Haus ist nicht unterkellert.

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Der Außeneindruck wird von zwei unterschiedlich großen zusammen geschobenen Kuben bestimmt, so dass sich wie beim Haus Am Horn in Weimar unterschiedliche Raumhöhen ergeben. Die Decken des Wohnzimmers und eines Schlafzimmers sind erhöht. Hier gibt es jedoch keine Oberlichter. Die Türen sind in den niedrigeren Bereichen raumhoch, ebenso die Fenster. Das Raumprogramm übertrifft mit fast 90 qm Wohnfläche die Siedlungshäuser von Gropius. Muche entwarf später für seine Metalltypenhäuser auch farbige Varianten; dem entgegen ist das Stahlhaus in Dessau nur in Grau, Weiß und Schwarz gehalten.

Wegen der fehlenden Forschungsgelder wurde statt des ursprünglich geplanten anbaufähigen Hauses ein nicht-variables Haus gebaut. Das Stahlhaus blieb außerdem das einzige seiner Art in Dessau. Gropius kritisierte vor allem die begrenzten Möglichkeiten des Metalls und gab der Stahlskelettbauweise mit Außenwänden aus Beton den Vorzug, förderte jedoch den Bau des Einzelhauses. Unter dem Direktorat von Hannes Meyer entwarf Philipp Tolziner Pläne zur Erweiterung der Siedlung Törten mit Stahlhäusern. Dieses Vorhaben scheiterte wohl wegen der Entlassung Meyers.

Das bis in die 1990er-Jahre bewohnte Stahlhaus wurde 1993 denkmalgerecht restauriert; seit 2001 nutzt die Stiftung Bauhaus Dessau es als Informationszentrum für die Siedlung Törten.

Informationen zum Besuch des Stahlhauses finden Sie hier.