Vorstellungsvermögen I

Festivalkongress am 26. und 27. November 2010

Der Festivalkongress "Vorstellungsvermögen" widmete sich am Originalschauplatz der Geschichte und Wirkung der Bauhausbühne. Ein umfangreiches Programm aus Vorträgen, Filmen, Diskussionen und einer außergewöhnlichen Konzertinstallation ging der historischen Praxis der Bühne am Bauhaus und ihrer weltweiten Wirkungsgeschichte nach und fragte zugleich nach Möglichkeiten für heutige interdisziplinäre Praktiken des Performativen.

Die Bedeutung von Bühnenarbeit und Festen für das Leben und Arbeiten am historischen Bauhaus ist bis heute kaum bekannt. Dabei war die von 1922 bis 1929 bestehende Bauhausbühnenwerkstatt Ort und Arbeitsfeld für eine überaus produktive Synthese unterschiedlichster Künste. Gerade in ihrer Rezeption in Amerika entfaltete diese interdisziplinäre Arbeit an der Bauhausbühne nachhaltige und prägende Wirkung. Künstler und Architekten, Tänzer, Musiker und Performance-Künstler der amerikanischen Avantgarde der 1930er bis 1950er Jahre wurden wesentlich durch Konzepte und Ideen der Bauhausbühne inspiriert.

Konzertinstallation "staging the bauhaus"

Spektakulärer Höhepunkt des Festivalkongresses war die Konzertinstallation "staging the bauhaus" unter der künstlerischen Leitung von Daniel Carlberg (Konzertmeister und Dirigent der Anhaltischen Philharmonie Dessau).

Mit Werken von Aaron Copland, Charles Ives’, Arnold Schönberg und George Antheils trafen vier Kompositionen aus den Jahren 1906 bis 1939 auf der von Walter Gropius entworfenen Bauhausbühne in einem einzigartigen Raumkonzert aufeinander. Unter der Leitung von Daniel Carlberg gelang ein spektakuläres Raumkonzert, das die Bauhausbühne nicht als einen bloßen Aufführungsort benutzte, sondern zu einer agierenden Architektur machte, in der sich ein Gesamtwerk aus Musik, Klang, Licht, Mensch und Baukörper in Bewegung setzte. Es spielte die Anhaltische Philharmonie in einer Koproduktion des Anhaltischen Theaters und der Stiftung Bauhaus Dessau.

Aaron Copland: The City

Aaron Coplands Originalmusik begleitete den auf drei Projektionsflächen laufenden amerikanischen Dokumentarfilm The city (1939) von Ralph Steiner and Willard Van Dyke. In scheinbar naiver und zugleich beeindruckend weitsichtiger Weise setzt sich der Film mit den Schrecken der industrialisierten Stadt auseinander und formuliert einen lebenswerteren Gegenentwurf für die Stadt von morgen.

Charles Ives: The unanswered question

"The unanswered question" ist eines der bekanntesten Stücke des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Es entfaltet sich in mehreren Schichten – und ist wie gemacht für die einzigartige Architektur der Bauausbühne, die sich in Mensa, Aula und Foyer öffnet.

Arnold Schönberg: Begleitmusik zu einer Lichtspielszene op. 34

Mit der "Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" op. 34, einem Werk aus der 12-Ton-Schule mit den bezeichnenden Titeln "Drohende Gefahr", "Angst" und "Katastrophe", konzipierte Arnold Schönberg die Musik zu einem Film, der nie realisiert wurde. Für die Bauhausbühne interpretierten das Werk die Medienkünstler von Glow, Ronny Traufeller und Norman Wassmuth, mit einer atemberaubenden Lichtinstallation.

George Antheil: ballet mécanique

Eines der radikalsten und skandalträchtigsten Musikwerke der 20er Jahre, der Höhepunkt der Beschäftigung George Antheils mit dem Futurismus und der maschinellen Musik, ließ das Bauhaus erzittern: vier Flügel, sieben Schlagzeuger, zwei elektrische Glocken und zwei Flugzeugmotoren – eine beeindruckende Hymne auf die Moderne.

Der Festivalkongress "Vorstellungsvermögen" wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung der Lotto-Toto Sachsen-Anhalt Gmbh. Konferenzsprache englisch/deutsch.