Welterbestätte Bauhaus

UNESCO-Welterbekonvention

Die UNESCO hat als Organisation der Vereinten Nationen die Aufgabe, „durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen“. An diesem Ziel arbeitet die UNESCO mit verschiedenen Programmen, zu denen seit 1972 auch die Welterbekonvention als Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt gehört.

Als Kultur- und Naturerbe der Welt gelten Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke und einzigartige Naturlandschaften, deren Untergang ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Menschheit wäre. Welterbestätten ­haben einen außergewöhnlichen universellen Wert, sind authentisch und im Wesentlichen ­vollständig erhalten. Ihr Schutz liegt deshalb nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, ­sondern ist Aufgabe der ­Völkergemeinschaft.

Die Welterbeliste umfasst über 1.000 Natur- und Kultur­stätten in 163 Ländern der Welt. Deutschland ist auf der Liste mit 40 Welterbestätten vertreten.

www.unesco.de
www.whc.unesco.org/en/list

 

Welterbestätte Bauhaus

Das Bauhaus mit seinen Stätten in Weimar und Dessau wurde 1996 in die Liste des Welterbes aufgenommen. Die Auszeichnung gilt sowohl der herausragenden Architektur des Bauhausgebäudes und der anderen Bauhausbauten, die das Bild der Moderne im 20. Jahrhundert wesentlich geprägt haben, als auch dem Bauhaus als Institution.

In seiner Pädagogik und seinem konzeptionellen Denken zielte das Bauhaus auf die Gestaltung einer ganzheitlichen Moderne. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es um die Formung einer neuen, modernen Lebenswelt, in der soziale, gesellschaftliche Aspekte ebenso eine Rolle spielten wie jene des Wohnens bis hin zur Selbstversorgung und Haushaltsführung.

Die UNESCO hebt in ihrer Begründung die sozialen und ästhetischen Auffassungen hervor, mit denen das Bauhaus zwischen 1919 und 1933 wesentliche Impulse für die Revolutionierung des Denkens und Handelns in Architektur und Kunst im 20. Jahrhundert setzte. Das Bauhaus ist für die Welterbeliste daher nicht nur ein einzigartiges Denkmal der Architektur- und Kunst- geschichte, sondern auch der Ideengeschichte unseres Jahrhunderts.

„Mögen sich die ins Politische und Soziale zielenden gesellschaftsreformerischen Ideen des Bauhauses auch als Wunschträume erwiesen haben – seine Utopie wurde doch zumindest insoweit Wirklichkeit, als sie Architektur entstehen ließ, die durch ihre sachliche Freundlichkeit bis heute in ihren Bann schlägt und als kulturelles Erbe des zu Ende gehenden 20. Jahrhun- derts den Menschen aller Nationen gehört.“ (aus dem Nominierungsantrag zur Aufnahme des Bauhauses und seiner Stätten in die Welterbeliste, 1994).

 

Bauhausgebäude in Dessau

  • Architekt: Walter Gropius, 1926

Das Bauhausgebäude gilt als Schlüsselwerk der europäischen Moderne. In ihm verbinden sich die Prinzipien des Funktionalismus mit einer herausragenden architektonischen Qualität unter Verwendung der damals modernen Materialien wie Glas und Stahlbeton. Gebaut als Hoch- schule ist das Gebäude eine Manifestation der Bauhaus-Ideen. Neben dieser architektonischen Bedeutung mit ihren radikalen, neuen Ansätzen bezieht der Ort seine historisch einzigartige Bedeutung auch aus den wesentliche Beiträgen für die radikale Erneuerung von Kunst, Design und Architektur im 20. Jahrhundert, die hier ent- standen sind. Im Bauhausgebäude hat heute die Stiftung Bauhaus Dessau ihren Sitz.

Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau Besichtigungen und Führungen
täglich 10 –17 Uhr
Detaillierte Informationen unter www.bauhaus-dessau.de

 

Meisterhäuser in Dessau

Architekt: Walter Gropius, 1926

Die Meisterhäuser sind eine besondere bau- künstlerische Leistung des Bauhauses. Sie beeinflussten mit ihren weißen, kubischen Baukörpern sowie der vielschichtigen Verbin- dung von Außen- und Innenraum nachhaltig die Architektur der Moderne und dokumentieren
die Auseinandersetzung um Typisierung im Wohnungsbau. Die Meisterhäuser haben auch als Wohn- und Schaffensort der herausragenden Bauhauskünstler wie Lyonel Feininger, Paul Klee oder Wassily Kandinsky eine besondere Bedeu- tung. Heute werden die Häuser durch die Stiftung Bauhaus Dessau genutzt.

Ebertallee 59 – 71, 06846 Dessau-Roßlau Besichtigungen und Führungen, täglich 10–17 Uhr (April bis Okt), täglich 11 – 17 Uhr (Nov bis März) Detaillierte Informationen unter www.bauhaus-dessau.de

 

Ehemalige Kunstschule und Kunstgewerbeschule
in Weimar

  • Architekt: Henry van de Velde, Kunstschule 1904/11,
    Kunstgewerbeschule 1906

Walter Gropius gründete im Jahr 1919 das Bauhaus in ­Weimar durch die Zusammenlegung der Kunstschule und der Kunstgewerbeschule, ausgehend von seiner Grundidee, die künstlerische und die kunsthandwerkliche Ausbildung zu einer Einheit zu verbinden. Somit sind die beiden Bauten Gründungs- und (bis 1925) Wirkungsstätte des Bauhauses. Henry van der Velde, der Architekt beider Gebäude, gilt mit seinen baukünstlerischen Bestrebungen auch als Wegbereiter der Moderne. Heute werden beide Bauten durch die Bauhaus-Universität Weimar genutzt.

Geschwister-Scholl-Straße 7/8, 99423 Weimar
Das Gebäude ist öffentlich zugänglich.
Detaillierte Informationen zur Besichtigung unter
www.uni-weimar.de

 

Haus Am Horn in Weimar

  • Architekt: Georg Muche, 1923

Das „Haus Am Horn“ ist die einzige architektonische Hin- terlassenschaft des Bauhauses in Weimar. Geplant wurde es 1923 für die erste Internationale Bauhausausstellung als experimentelles Einfamilienhaus und zugleich als Prototyp für den Bau einer ganzen Siedlung. Die Architektur ist gekennzeichnet durch einen innovativen Grund- und Aufriss sowie durch die Verwendung modernster Bautechnologien. Die Innenausstattung entstand in den Werkstätten des Bau- hauses. Heute wird das Haus für Ausstellungen genutzt.

Am Horn 61, 99423 Weimar
Das Gebäude ist öffentlich zugänglich. Detaillierte Informationen zur Besichtigung unter www.uni-weimar.de/freundeskreis

 

Geplante Erweiterung der Welterbestätte Bauhaus

Die Erweiterung der Welterbestätte Bauhaus um die Laubenganghäuser und die Bundesschule des ADGB in Bernau, unter der Leitung des zweiten Bauhausdirektors Hannes ­Meyer entstanden, wurde im Jahr 2016 bei der ­UNESCO beantragt, weil das Bauhaus in seiner Komplexität und weltweiten Ausstrahlung ohne das Wirken des Bauhausdirektors Hannes Meyer nicht vollständig verstanden werden kann. Hannes Meyer, der 1927 von Gropius als Leiter der Bauabteilung an das Bauhaus berufen wurde und von 1928 – 1930 Direktor des Bauhauses war, prägte die Ausbildung der Architekten am Bauhaus maßgeblich. Ganz im Sinne der Überzeugung von Walter Gropius, dass der Bau das eigentliche Zentrum und Ziel des Bauhauses als Hochschule war.

Die Laubenganghäuser in der Siedlung ­Dessau- Törten und die Bundesschule des ADGB in ­Bernau bei Berlin sind einmalige ­Ergebnisse der am Bauhaus angestrebten Einheit von Praxis und Lehre. Sie wurden von Hannes Meyer zusammen mit der Bauabteilung der Bauhaus ­Hochschule für Gestaltung geplant. Beide Bauten sind geprägt durch eine außergewöhnliche architektonische Qualität, die durch die wissenschaftsbasierte Entwurfsmethodik und die funktional-ökonomische Gestaltung mit sozialem Anspruch entwickelt wurde und die Architektur am Bauhaus unter Hannes Meyer prägte. Sie sollen deshalb als wesentlicher Teil der weltweiten Bedeutung und Ausstrahlung der Welterbestätte Bauhaus anerkannt ­werden. Die UNESCO wird 2017 über den Antrag ­entscheiden.

 

Laubenganghäuser in Dessau

  • Architekten: Hannes Meyer mit der ­Bau­abteilung des Bauhauses, 1930

Die fünf Laubenganghäuser sind als kollektive Planung in der 1927 von Walter Gropius eingeführten und Hannes Meyer geleiteten Bauabteilung des Bauhauses entstanden. Ihre klare Gestaltung, die entschieden aus den Funktionen des Wohnens entstanden ist, führte mit der äußersten Reduktion der Materialien und Bauteile zu einer herausragenden architektonischen Qualität. Die konsequent rational geplante Anlage des sozialen Wohnungsbaus mit klug durchdachter Grundrissorganisation und Ausstattung der preiswerten Wohnungen sowie mit gemeinschaftlich nutzbaren Flächen entspricht mit behutsamen Anpassungen auch heutigen Bedürfnissen und ist kontinuierlich bewohnt.

Peterholzstraße 40 / 48 / 56, Mittelbreite 6 / 14, 06849 Dessau-Roßlau
Besichtigungen mit Führung
täglich 15.30 Uhr (Feb–Nov)
Detaillierte Informationen unter ­
www.bauhaus-dessau.de

 

Ehemalige Bundes­schule des ADGB in Bernau

  • Architekten: Hannes Meyer und Hans Wittwer unter ­Mitwirkung der Bauabteilung des Bauhauses, 1930

Die ehemalige Schule für Fortbildungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes dokumentiert den wissen­schaftlich begründeten Entwurfsprozess am Bauhaus unter Hannes Meyer, der auch von sozialpolitischen Aspekten geprägt war, und ist ein einmaliges Beispiel für die am Bauhaus angestrebte Einheit von Forschung, Praxis und Lehre. Der stark durchrationalisierte Bau weist eine komplexe Verbindung zwischen Architektur und Natur auf und überzeugt durch außergewöhnliche architektonische Qualität. Das Gebäude wird heute von der Handwerks­kammer Berlin als Internat zur Ausbildung im Handwerk genutzt.

Hannes-Meyer-Campus 1 und 5 –11,
16311 Bernau bei Berlin
Besichtigungen mit Führung möglich
Detaillierte Informationen unter ­
www.bauhaus-denkmal-bernau.de