Bauhaus Kolleg XIII: After Levittown – Oktober 2011 bis Juni 2012

Das Bauhaus Kolleg 2011/2012 hat das Rollenmodell der amerikanischen Suburbia "Levittown" und dessen aktuelle Projektentwicklungen als Ausgangspunkt einer vergleichenden internationalen Untersuchung zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Implikationen einer globalen Suburbia genommen. Von diesem Vorort ausgehend wurden kritische gestalterische Beiträge zum Umgang mit diesen inzwischen ökonomisch wie ökologisch problematischen Siedlungsmodellen erarbeitet.

  • H I N T E R G R U N D

Als 2008 der Developer Levitt & Sons seinen Kunden mitteilen musste, dass die geplanten Wohnresorts in Florida keine Zukunft haben, brach mehr als ein privater Traum vom gesicherten Alterssitz zusammen. Mit Levittown wird ein Versprechen auf den "american way of life" assoziiert, der sich über fast 60 Jahre in der Suburbia manifestierte.

Als "Levittowner" wurden jene jungen Nachkriegsfamilien bezeichnet, die aus Philadelphia oder New Jersey in die damals größten Vorstädte Amerikas zogen. Der Developer Levitt & Sons errichtete in den 50er Jahren drei Vorstadtsiedlungen, so genannte "Levittowns" in New York, Pennsylvania und New Jersey, die aus über 20.000 Einfamilienhäusern sowie Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen, Einkaufscenter, Sport- und Kulturstätten bestanden


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Abschlusspräsentation

Levittown bot vor allem Veteranen des 2. Weltkrieges und ihren Familien eine Heimstatt und profitierte dabei wesentlich von den staatlichen Eigenheimförderprogrammen. Günstige Kredite und staatliche Unterstützung ermöglichten es selbst Familien mit mittleren Einkommen, sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. Levitt produzierte dafür billig und effizient Häuser am Fließband, und realisierte dabei im großen Stil das, was seine europäischen Kollegen am Bauhaus in den 20er Jahren bereits in der Mustersiedlung in Dessau Törten vorweggenommen hatten. Mit dem Werbeslogan "3 Schlafzimmer, 2 Bäder und 2 Fords" wollte man den Kritiken, die das Leben in den neuen Vorstädten als monoton und homogen beschrieben – Pete Seegers Song "Little Boxes" ist dafür eine Referenz – entgegenwirken.

Dass Levitt mehr als nur Häuser, nämlich auch einen Lebensstil verkaufte – heute allerdings im Gewand einer gated community – darauf vertrauten seine Kunden auch im 21.Jahrhundert. Umso bitterer war die Enttäuschung der Kinder der Levittowner, der Babyboom-Generation, als das Unternehmen trotz seiner fast 60-jährigen Expertise im Immobilien- und Eigenheimgeschäft Insolvenz anmelden musste.

Das Bauhaus Kolleg XIII hat das Rollenmodell der amerikanischen Suburbia "Levittown" und dessen aktuellen Projektentwicklungen als Ausgangspunkt einer vergleichenden internationalen Untersuchung zu den wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Implikationen einer globalen Suburbia genommen.


Die dramatischen Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2008 sind in den Suburbias am sichtbarsten. So kann die Firmengeschichte des Bauunternehmens Levitt & Sons nur als eines der vielen Beispiele für die fatale Entwicklung der globalen Finanzwirtschaft gelesen werden: Seit den 80er Jahren hat weltweit eine Transformation immobilen Kapitals, von Grundstücken und Boden, in flüssiges Kapital eingesetzt, das über Ländergrenzen hinweg in Gestalt von Fonds und Depots investieren kann. In bisher unbekanntem Ausmaß hat eine Entkopplung des Eigentums von dem Ort stattgefunden, an dem es sich befindet. Eine neue internationale "Architektur des Finanzmarktes" in Gestalt von besonderen Anlagestrukturen hat dieser Entwicklung Vorschub geleistet. Die Wohnresorts und gated communities internationaler Developer sind Baustellen dieser globalen Finanzmarktarchitektur.

Ausgehend von Levittown, dessen Geschichte so eng verknüpft ist mit den modernen Wohnphantasien des Bauhauses, hat sich das Bauhaus Kolleg kritisch mit aktuellen internationalen Entwicklungen der Suburbia auseinandergesetzt sowie gestalterische Beiträge zum Umgang mit diesen inzwischen ökonomisch wie ökologisch problematischen Siedlungsmodellen erarbeitet.

Dabei nahm das erste Semester Levittown in Seminaren, Exkursionen, Vorträgen und Workshops zum Gegenstand: Diskurse, Methoden und Arbeitsweisen werden eingeführt, um die komplexen Zusammenhänge und Verknüpfungen zwischen Infrastrukturen, Finanzströmen, Ressourcenallokation, Akteursnetzwerken und Institutionen zu visualisieren. Im zweiten Semester waren die internationalen Teilnehmer aufgefordert, am Beispiel von vergleichbaren Suburbia-Projekten aus ihren Herkunftsländern und auf der Grundlage des gemeinsam erarbeiteten Wissens kritische gestalterische Positionen zu diesem globalen Siedlungs- und Lebensmodell in Gestalt von Projektionen und Szenarien zu entwerfen.