„Wir entschieden, dass es hier nicht um eine Dokumentation des historischen Zustands gehen sollte, sondern um eine komplexe Auseinandersetzung mit dem Kern dessen, was wir ‚Gedächtnis‘ nennen. Wir betrachten das Vergessen als unausweichlichen Bestandteil des Erinnerns. Jede Erinnerung lebt von Ungenauigkeit und Unschärfe. Um uns der Aufgabe in Dessau zu nähern, war es gar nicht möglich, Ungenauigkeit und Unschärfe zu ignorieren.“ (DONATELLA FIORETTI, 2014)

Walter Gropius entwarf drei baugleiche kubische Doppelhäuser für seine Formmeister und ihre Familien sowie ein Einzelhaus mit Garage für seine Frau und sich. Letzteres sollten auch seine Nachfolger Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe bewohnen. Das Haus war und blieb unter den Bauhausdirektoren ein Ort der Geselligkeit und Repräsentation. Beim Luftangriff im März 1945 schwer beschädigt, wurde es bis auf das Sockelgeschoss abgetragen und 1956 ein Einfamilienhaus mit Satteldach daraufgesetzt: das Haus Emmer, benannt nach seinem Bauherrn.

 

Mit dem Bau des neues Meisterhaus-Ensembles durch das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez 2014 verschwindet das Haus Emmer und das Direktorenhaus wird, als Architektur der Unschärfe wiedererrichtet. Die Ausstellung im Haus Gropius erzählt die bewegte Geschichte des Hauses, das mit großen Glasflächen, Terrassen und Balkonen eine enge Verbindung zum umgebenden Kiefernwäldchen eingeht.