Bauhaus Lab
Global Modernism Studies

Ziel des Bauhaus Labs ist die Schaffung einer interdisziplinären Forscher*innengemeinschaft, die sich für drei Monate mit einem Thema aus dem Umfeld des Global Modernism auseinandersetzt. Bewerben können sich internationale Berufseinsteiger*innen und Postgraduierte aus den Bereichen Architektur und Design sowie junge Kurator*innen und Designforscher*innen. Die acht Teilnehmer*innen werden von einer international besetzten Jury ausgewählt.

Im Fokus jedes Bauhaus Labs steht ein Objekt moderner Gestaltung, das zugleich den thematischen Anker wie den Ausgangspunkt der gemeinsamen Forschungsreise bildet. Das Programm wird in englischer Sprache gehalten und ist kostenfrei. Nach Abschluss der drei Monate werden die Ergebnisse im Rahmen einer gemeinsamen Ausstellung am Bauhaus in Dessau präsentiert.


 

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Bauhaus Lab 2022
Camps for Liberation
9. Mai – 5. August 2022

1987 hatte das Solidaritätskomitee der DDR mit der Durchführung eines UN-HABITAT-Projekts in Dakawa, Tansania, begonnen, das den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) dabei unterstützte, jungen Südafrikaner*innen, die vor dem Apartheidregime geflohen waren, Bildung und ein vorübergehendes Zuhause zu bieten. Dakawa war nicht nur ein Versuchsfeld für den Aufbau einer neuen Gesellschaft frei von Segregation und Unterdrückung, sondern auch ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Ost und West in der Zeit des Kalten Krieges unter dem Dach der "internationalen Solidarität" mit der Anti-Apartheid-Bewegung. Das ANC Development Centre in Dakawa, eine campusartige Siedlung mit Schulen, Krankenversorgung und Landwirtschaft, wurde mit dem Fachwissen skandinavischer und ostdeutscher Bauingenieur*innen und Architekt*innen errichtet. Das hier verwendete Vorfertigungssystem war ein Beitrag der DDR zum UN-Programm für Siedlungen in Entwicklungsländern, ein Projekt, das 1988 auf dem zweiten HABITAT-Seminar am Bauhaus Dessau umfassend diskutiert wurde.

Die diesjährige Ausgabe des Bauhaus Lab untersucht die Geschichte dieser gebauten Mikrokosmen einer vom Rassismus befreiten Gesellschaft. Die Entstehung dieser Siedlungen in den 1980er Jahren bietet schlaglichtartige Einsichten in die komplizierten geopolitischen Verflechtungen, die wirtschaftlichen Interessen, den ideologischen Kampf um Einflusssphären während des Kalten Krieges und die Rolle der Architektur in diesem Kontext. So sind diese Siedlungen Knotenpunkte globaler Netzwerke: von Hilfsorganisationen, Akteurskonstellationen, Materialflüssen, Wissenstransferprozessen, Technologien, Bildungsagenden und vielfältigen politischen Interessen. Zugleich sind sie konkrete, gelebte Orte und Räume der "internationalen Solidarität", die in den Lebensgeschichten ihrer ehemaligen Bewohner*innen weiter fortwirken.


Projektleitung
Dr. Regina Bittner
bittner@bauhaus-dessau.de

Projektmanagement
Philipp Sack
sack@bauhaus-dessau.de
P +49-(0)340-6508-403