Aus der Vitrine: Objektgespräche

Museumsobjekte fordern Abstand. Deshalb ­befinden sie sich hinter Glas. Viele in der Ausstellung Versuchsstätte Bauhaus im Bauhaus Museum Dessau gezeigten ­Objekte gehören heute zu ­unserem Alltag. Was macht ­diese Dinge zu Museums­objekten? Und in welcher Verwandtschaft ­stehen sie zu unserer Lebens­weise? Die Reihe Aus der Vitrine führt die Besucher*innen näher heran. Sie bringt Objekte mit ihnen ins Gespräch und knüpft an heutige Alltags­erfahrungen an.


Nächste Veranstaltung

.

Die Veranstaltung wurde abgesagt. Ein neuer Termin wird gegebenenfalls bekannt gegeben.

Walter Gropius: Konsumgebäude

Do, 19. März 2020
18 Uhr
Bauhaus Museum Dessau,
Offene Bühne

„es wäre ein irrtum, zu glauben, daß das ziel der rationalisierung der bauwirtschaft allein darin läge, die bestehende bauproduktion nur wirtschaftlich, nicht auch sozial zu verbessern.“

Walter Gropius, 1930

Das Konsumgebäude entstand 1928 zusammen mit letzten Wohnhäusern des ersten Bauabschnitts der Siedlung Dessau-Törten nach den Entwürfen von Walter Gropius. Mit seinen fünf Geschossen überragt das Gebäude die Siedlungshäuser deutlich und markiert das Zentrum der Siedlung. Der Name verweist auf die Funktion und den Auftraggeber: Den Konsumverein für Dessau und Umgegend E.G.M.B.H. Er betrieb in dem Flachbau des Gebäudes ein Lebensmittel und Kolonialwarengeschäft sowie eine Bäckerei mit einem kleinen Café. Die folgenden drei Geschosse des Hochbaus enthalten je eine Wohnung und das oberste Geschoss diente allen Hausparteien als Wäscheraum und Dachterrasse. Im Hof befanden sich kleine Gartenparzellen zur Selbstversorgung.

Vergangene Veranstaltungen


Originalrechnung der Galerie am Sachsenplatz in der Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus", Bauhaus Museum Dessau, 29.10.2019

Entwurf einer sozialistischen Stadt:
Normiertes Wohnen als Lösung für alle?

Do, 20. Februar 2020
Bauhaus Museum Dessau

Die geografischen Dimensionen des Entwurfs einer sozialistischen Stadt von Reinhold Rossig sind enorm. Die Landkarte aus dem Jahr 1931 zeigt den Ausschnitt eines durch Bahnen verbundenen Städtebandes, das sich über Hunderte von Kilometern von Breslau nach Berlin zieht. Rossigs Diplomarbeit arbeitet mit dem Modell der Bandstadt. Ein Modell einer „funktionalen Stadt“, wie es sich auf andere Weise auch in der sozialistischen „Chemiearbeiterstadt“ Halle-Neustadt wiederfinden lässt – und ein Beispiel für normiertes Wohnen als Lösung für alle?


Originalrechnung der Galerie am Sachsenplatz in der Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus", Bauhaus Museum Dessau, 29.10.2019

Der erste Ankauf
Rechnung Nr. 48/76 vom 1. November 1976

Do, 23. Januar 2020
Bauhaus Museum Dessau

145.030 Mark zahlte der Rat der Stadt Dessau im November 1976 an die Galerie am Sachsenplatz in Leipzig. Die Rechnung Nr. 48/76 belegt den ersten Ankauf von etwa 100 Objekten, mit dem der Grundstock für die Dessauer Bauhaussammlung gelegt wurde.

Bei dieser Sammlung handelt es sich um alles andere als ein traditionelles Museumsprojekt: Das Bauhaus wurde nach 1945 in Ost- und Westdeutschland zum politisch und ideologisch hoch aufgeladenen Phänomen. Ausgehend von der Rechnung für den ersten Ankauf beleuchten Wolfgang Thöner, Leiter der Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, und Christin Müller-Wenzel, Kunsthistorikerin aus Halle (Saale), die Entwicklungen in Dessau und Ostdeutschland nach 1945, die zur Gründung der Dessauer Bauhaussammlung führten. Die Autor*innen der Publikation Fortschrittliches Bauhauserbe. Zur Entstehung einer ostdeutschen Bauhaussammlung (herausgegeben für die Stiftung Bauhaus Dessau von Wolfgang Thöner und Claudia Perren, Spector Books, 2019), sprechen an diesem Abend über das sich wandelnde Verhältnis zum Bauhaus in SBZ und DDR und die personellen Netzwerke, die diese Veränderungsprozesse prägten und die Gründung der Dessauer Bauhaussammlung ermöglichten.

Lesung + Gespräch: Christin Müller-Wenzel und Wolfgang Thöner
Moderation: Caroline Jansky

.


o. T. (Tapetenentwurf, Kleckse)

Tapetenwechsel

Do, 19. Dezember 2019
Bauhaus Museum Dessau

Mit ihren dekorativen Entwürfen für eine Bauhaus­tapete kam Elsa Thiemann bei einem Studierendenwettbewerb 1930 nicht weit. Sie entsprachen nicht den Vorstellungen einer sachlichen Bauhaustapete. Doch Thiemanns abstrakte Fototapeten brachten Poesie in die Wohnung. Findet der Wunsch nach dem Paradies in den ­eigenen vier Wänden in großformatigen Sonnenuntergängen oder Palmenstränden heute seine Entsprechung?


Teil 2

Typenmöbel – Systemmöbel – Schrankwand

Do, 21. November 2019
Bauhaus Museum Dessau

Marcel Breuer entwarf 1926 den Vitrinenschrank ti 66. Bestehend aus kombinierbaren ­Einzelteilen, signalisiert er bereits die Auflösung des massiven Schrankkörpers. Später setzten Möbel­systeme von Franz Ehrlich, Hans Gugelot und ­Rudolf Horn diese Gedanken in Richtung einer variablen Wohnung um. Wieviel Bauhaus steckt also in einer Schrankwand?


Teil 1

Kaffee aus dem Labor

Do, 24. Oktober 2019
Bauhaus Museum Dessau

Die Nähe der Sintrax-Kaffeemaschine von ­Gerhard Marcks zu Apparaturen aus dem Chemie­labor ist nicht zu verleugnen. Von hier aus werden die heutigen Kaffeemaschinen unter die Lupe genommen – und nebenbei über das immer schneller produzierte und konsumierte dunkle Getränk und seine Effekte diskutiert.