Bauhaus Dessau

Jay Gard – Farbkonzept B9 Hocker

Als eine*r der Künstler*innen der Bauhaus Jubliäums-Residenz 2019 entwarf Jay Gard für die Stiftung Bauhaus Dessau und die Thonet GmbH eine Edition von Marcel Breuers Stahlrohrhocker B 9 aus dem Jahr 1926. Für das Farbkonzept seiner mit dem Namen "Margaretha" betitelten Arbeit greift Gard auf die Farbgebung eines Kinderzimmerteppichs der Bauhäuslerin Grete (Margaretha) Reichardt von 1929 zurück.

So entsteht im Zusammenspiel von Breuers Design, Reichardts Farben und Gards Interpretation eine neue künstlerische Arbeit. Etwa einhundert der von ihm gestalteten Unikate werden ab dem 8. September 2019 den Besucher*innen des Bauhaus Museum Dessau als Sitzgelegenheiten dienen. Darüber hinaus wird es eine Sonderedition (Margaretha 2) geben, die über den Museumshop zum Verkauf angeboten wird.

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Breuers Stahlrohrhocker B 9, eine Ikone des modernen Designs im 20. Jahrhundert, ist von einer Reihe von Urheberrechtstreitigkeiten begleitet gewesen. An dem simplen, aus gebogenem Stahlrohr und einer Holzplatte gefertigten Möbelstück entzündeten sich wiederholt Lizenzstreitigkeiten für Produktion und Vertrieb. Kern der Debatte war die Frage, inwieweit es sich bei dem Hocker um ein Massenprodukt oder um einen künstlerischen Entwurf handelt. Diese Frage war nicht neu: Bereits am Bauhaus hatten sich Breuer und Gropius über die Autorenschaft von Breuers Möbelentwürfen gestritten. Anders als der Bauhaus-Direktor und unabhängig davon, ob es sich um ein Serienprodukt handelte, wollte Breuer seine gestalterische und damit künstlerische Leistung nicht der Marke Bauhaus subsumieren. Schließlich, so Breuer, signiere auch der Bauhaus-Meister Paul Klee seine Werke. Kunstwerk oder Serienprodukt – im Kern ging es hier also um Fragen von individueller Autorenschaft in einer zunehmen von anonymisierten Massenprodukten geprägten Gesellschaft. In der Auseinandersetzung Jay Gards mit dem Stahlrohrhocker B 9 mag diese alte Kontroverse am Bauhaus ein Echo finden.


Jay Gard über seine Arbeit:

„Die fertige, fehlerfreie Produktwelt hat etwas Brutales. Handgearbeitete Objekte und Farben, die nicht aus einer begrenzten Industrie-Palette kommen sind viel angenehmer. Meine 100 Hocker werden im Museum benutzt und täglich verrückt, somit entstehen ständig neue Farbkombinationen. Besucher*innen kommen mit den Farben bewusst und unbewusst in Berührung. Damit ist die Grundlage für ein unerwartetes Erlebnis geschaffen.“


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