Inge Mahn

15. Januar bis 17. März (unterbrochen), Haus Schlemmer
Einladung
Ausstellungseröffnung: 28. Juni (voraussichtlich)

Inge Mahn, geboren 1943, ist Bildhauerin und wurde als erste bildende Künstlerin im Rahmen des Bauhaus Residenz-Programms „Haus Gropius || Fiktional“ eingeladen, in den Meisterhäusern zu leben und zu arbeiten.

Inge Mahn war Meisterschülerin bei Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf und stellt ihre Werke seit den frühen 1970er-Jahren in aller Welt aus, u.a. 1972 auf der documenta 5 in Kassel. Ihre Werke sind Plastiken, die sich häufig direkt auf den Ort ihrer Entstehung oder Installation beziehen. Nicht selten handelt es sich um vergängliche Werke, denen ein performativer Charakter innewohnt. Durch Verfremdung und Übertreibung wohlbekannter Formen vermag sie es so immer wieder, die Aufmerksamkeit der Betrachter*innen auf scheinbar Alltägliches zu lenken und sie zur Reflexion darüber anzuregen.

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Atelier im Haus Muche, Bauhaus Residenz, Inge Mahn, 27.2.2020 / Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Valentina Buitrago Garcia
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Inge Mahn zu ihrem Verständnis des Bauhauses und ihrem Aufenthalt in den Meisterhäusern:

„Bauhaus war eigentlich keine, jedenfalls keine einheitliche Idee, sondern war der Beginn einer künstlerischen Bewegung, die durch die Auflösung des Instituts in der Provinz international wurde. In allen Kontinenten und vielen Ländern entstanden Bauhaus Folgeeinrichtungen.

Bauhaus ist ein Begriff geworden für modern gesagt: internationales und interdisziplinäres Arbeiten. […]

Die Einladung ins Bauhaus mit der Aussicht, dort für einige Zeit zu leben und zu arbeiten hat mich jetzt begeistert, weil ich sowas noch nicht erlebt habe und neugierig bin, weil ich es gewohnt bin und vorziehe, an unterschiedlichen Orten zu arbeiten, weil ich Leben und Arbeiten schon immer verbinde.

Plastische Arbeit meine ich, gehört dahin, wo und wozu sie gemacht ist, sie ist von sich aus nicht beweglich, aber die Künstler sollten sich bewegen. […]

Es ist lange her, dass die Bauhauskünstler in den Meisterhäusern gelebt haben, irgendwelche Spuren sind nicht mehr vorhanden, die Atmosphäre ist gelüftet, die Geister sind verschwunden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich in das Haus eines längst verstorbenen Künstlers komme, denn das Haus ist fast leer, aufgeräumt, nicht wohnlich, sachlich und nicht intim. Das wenige Mobiliar ist neu, manches steht auch bei mir oder bei Freunden im Wohnzimmer und erinnert hier an eine Möbelausstellung. […]

Die vielen Türen im Haus (30 insgesamt!) irritieren etwas, weil sie sich zum Teil widersprechen. Natürlich ist es gut gedacht, wenn jeder Raum mit dem Nachbarraum und alle Räume vom Flur aus erreichbar sind, aber die Vorstellung, dass sich mehrere Türen durch mehrere Menschen gleichzeitig öffnen ist komisch, weil sie kollidieren könnten.

Das Bauhaus vom Meisterhaus aus gesehen ist jetzt keine Produktionsstätte mehr, sondern Teil eines Museums, eine touristische Attraktion, zum Wohnen wenig, zum Arbeiten gar nicht geeignet. Die strengen Auflagen behindern, machen eine Benutzbarkeit fast unmöglich.

Da kommt natürlich die Frage: ‚Warum werden künstlerisch arbeitende Menschen eingeladen, wenn die gegenwärtige Struktur dagegenspricht?‘ Mögliche Antwort: ‚Genau deswegen! Weil das kulturelle Erbe nicht nur erhalten, sondern auch gepflegt und lebendig bleiben soll, das heißt es muss eine Produktionsstätte bleiben.‘“