Bauhaus Dessau

In Erinnerung an Marion von Osten

Marion von Osten im Gespräch mit Demas Nwoko im November 2018 in Lagos / Foto: Christian Hiller

Die Nachricht vom Tod Marion von Ostens hat uns zutiefst erschüttert. Über viele Jahre war sie eine wichtige und unersetzliche Partnerin der Stiftung Bauhaus Dessau: in Publikationen, Workshops, Konferenzen, Ausstellungsprojekten und als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates – und vor allem im mehrjährigen internationalen Ausstellungsvorhaben der Bauhauskooperation Weimar Dessau Berlin gemeinsam mit dem Goethe-Institut und dem HKW Bauhaus Imaginista.
 
Wie keine andere stand Marion von Osten für die Überzeugung, dass die Moderne nur in ihren komplizierten transkulturellen Verknüpfungen zu erzählen ist, will sie Relevanz für die Gegenwart gewinnen. Dass dies nur im Dialog zwischen Kontinenten, Menschen und Institutionen gehen kann, das hat sie als Kuratorin dieses Projektes über viele Jahre mit großer Empathie, ansteckendem Humor und intellektueller Schärfe praktiziert. Sie hat rund um den Globus Begeisterung für das Bauhaus als kulturelle Ressource wecken können, indem sie den vielstimmigen und kontroversen Lesarten Raum gegeben hat. Dabei ging es ihr um mehr als die Vermittlung eines „kulturellen Erbes“ – der Untertitel einer ihrer Publikationen „Colonial Modernism: Aesthetics of the Past: Rebellions for the Future“ bringt es auf den Punkt. Dass kulturelle Produktion sich daran messen lassen muss, wieweit sie soziale Projekte vorantreibt, diese Haltung hat Marion von Osten stets in und mit ihrer Arbeit bewiesen. Das schloss auch die kritische Befragung der eigenen institutionellen Rahmungen ein.

Wer das Glück hatte, mit Marion zusammenzuarbeiten, der erinnert sich an ihre stets produktiven kritischen Impulse, die immer zu klügeren Texten, Konzepten und Ausstellungen geführt haben. Sie/er erinnert sich aber auch an Großzügigkeit, die Herzlichkeit und das Vergnügen am gemeinsamen Denken und Handeln, das Marion von Osten wie keine andere Person anstiften konnte.

Wir hatten noch so viel mit ihr gemeinsam vor! Sie wird uns fehlen.


Regina Bittner
Direktorin a.i., im Namen aller Mitarbeiter*innen der Stiftung Bauhaus Dessau