Bauhaus Dessau

Interkultureller Generationenpark – Stadtpark in Bewegung: Eine Perspektive für die Dessauer Mitte 2007 – 2010

Das Projekt "Interkultureller Generationenpark" beschäftigte sich mit der Aufwertung des Stadtparks in Dessau-Roßlau. Es war ein Modellvorhaben im Forschungsfeld "Innovationen für alten- und familiengerechte Stadtquartiere – urbane Freiräume" des Bundesprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Bundesministeriums für Verkehr, Bauwesen, Stadtentwicklung.

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Die Stadt Dessau-Roßlau führte gemeinsam mit der Stiftung Bauhaus Dessau ein ExWoSt- Modellvorhaben zur Umgestaltung des Dessauer Stadtparks durch. Ziel des Projektes war es, dem Stadtpark ein neues Gesicht zu geben: Zum einen sollte der Park wieder an die Dessauer City angebunden werden und als urbanes Forum mit Platzcharakter gestaltet werden. Damit wurde der Park offen für vielfältige wechselnde Nutzungen und gibt auch der Kavalierstraße, die einstige Einkaufsstraße zum Flanieren in Dessau, ihr städtisches Ambiente zurück. Gemeinsam mit dem Kulturzentrum am Alten Theater sollte der Park zu einem neuen Attraktionspunkt für die Dessauer Innenstadt werden. Zum anderen sollten im westlichen Teil die Wohngebäude wieder in den Park eingebettet werden und der Park so zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft und die verschiedenen Generationen werden.

Die Neugestaltung des Spielplatzes für Kinder unterschiedlichen Alters sollte die Anziehungskraft des Quartiers für Familien mit Kindern stärken. Mit dieser Dopplung wurde die historisch eingeschriebene Trennung des Gebiets durch die Stadtmauer, deren Spuren immer noch im Park zu besichtigen sind, aufgegriffen. So lag der östliche Teil des Parks noch innerhalb der Stadtgrenzen: seine Wurzeln liegen in einem Palaisgarten, dessen Baumbestand noch erhalten ist, während der westliche Teil sich bereits "vor den Stadttoren" befand.

Das Projekt nahm an dem Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere – Freiräume für jung und alt“ teil, das auf Veranlassung des Familienministeriums initiiert wurde und vom Bauministerium und Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung betreut wird. Das Projekt fungierte für das Forschungsfeld als ein Labor, in dem städtebauliche Instrumentarien für den Umgang mit dem demographischen Wandel entwickelt und erprobt werden. Ziel des Forschungsfeldes war es, attraktive Lebenswelten im urbanen Kontext für alle Generationen zu sichern. Es galt daher, lebendige städtische Quartiere zu schaffen, die sowohl für eine wachsende Anzahl Älterer, als auch für Familien und junge Menschen Anziehungskraft hat.

Der erwartete demografische Wandel ist in den Quartieren am Stadtpark gelebte Realität: Sie sind durch eine starke Alterung geprägt. Familien mit Kindern zogen in Eigenheimsiedlungen am Rande der Stadt, und viele junge Personen im erwerbsfähigen Alter verließen die Stadt auf der Suche nach Arbeitsplätzen. Zurück blieben die alten Menschen; 42 % der Einwohner sind mittlerweile über 65, nur 10 % unter 18 Jahre, hinzukamen Migranten und Erwerbslose.


Der Stadtpark liegt in der City Dessaus und war für die innerstädtischen Quartiere schon immer ein Raum der Erholung. Insbesondere Ältere und Kindern, sowie Migranten aus verschiedenen Ländern nutzen diese Ressource. Feste und Feiern machen ihn zu einem Veranstaltungsort für die ganze Stadt. Dennoch hatte der Park seit der Wende eine zunehmende Abwertung erfahren. Seine Anbindung an das Zentrum war verlorengegangen. Umgeben vom Verkehr wurde er „verinselt“. Von den Quartieren abgeschnitten war er schwer erreichbar. Vielfach wurde er auch als unsicher erlebt. Ziel des Vorhabens war es daher, den Park für die Stadt und das Wohnumfeld wieder zu gewinnen und – vice versa – die Stadt und die Anwohner wieder für den Park.

In einer Planungswerkstatt (Projektleitung: Elisabeth Kremer, Stiftung Bauhaus Dessau) wurde mit den verschiedenen Gruppen der Parknutzenden 2007 ein Konzept für die Neugestaltung des Parks entwickelt. So wurde der Park selbst zu einem Forum der Aushandlung des Freiraums zwischen den Generationen und Kulturen. Die unterschiedlichen und auch widerstreitenden Freizeit- und Lebensstile sollten in die Gestaltung einfließen und Raum erhalten. Die Vorschläge wurden zum Material für die Entwicklung des Planungskonzeptes, das dann mit den Bürgern diskutiert wurde. Anschließend wurden die Ergebnisse dieses Planungsprozesses für die Stadtöffentlichkeit ausgestellt.

2009 wurde im Interkulturellen Generationenpark der erste Bauabschnitt beendet: Nach dem Masterplan von lohrer.hochrein, Magdeburg, wurde der Eingangsbereich des Springbrunnens als urbane Verbindung zur Stadt und dem Alten Theater umgestaltet. Auf dem Platz wurde eine interaktive Beleuchtung installiert, die von realities united, Berlin, konzipiert wurde. Sie soll den Park auch des Nachts atmosphärisch in die Stadt einbinden und die Sicherheit erhöhen. Das Innovative der Beleuchtungsanlage ist ihre systemische Steuerung, mit der das Beleuchtungsfeld insgesamt auf Bewegungen reagiert. Als ein experimentelles Projekt zur technischen Sicherung des öffentlichen Raums wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Begleitet wurde die Umsetzung durch den Stadtparksommer mit Einweihungsfesten, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen von Initiativen, Vereinen und Unternehmen. Sie tragen mit ihren Patenschaften zum Unterhalt, zur Pflege und Bespielung des Parks bei. Die Aktivitäten werden von einem Parkmanager betreut. Ziel war es, den Park zu einem Bürgerpark werden zu lassen, die Attraktivität der Stadt zu erhöhen und damit zur Stabilisierung des innerstädtischen Kerns von Dessau beizutragen. Das Vorhaben wurde in die IBA Stadtumbau 2010 Sachsen-Anhalt aufgenommen.


  • Das Modellprojekt wurde im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebauprogramms durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gefördert.
     
  • Begleitend erschien 2010 das Buch "Eine Perspektive für die Dessauer Mitte" von Elisabeth Kremer (Stiftung Bauhaus Dessau) im Mitteldeutschen Verlag.