Bauhaus Dessau

Projektphase I: Initiieren und Vernetzen

Im April 2013 wurde die Initiative Energieavantgarde Anhalt dann ins Leben gerufen. Ein Team aus Thema1 GmbH, BTE Tourismus- und Regionalberatung und 100% erneuerbar stiftung fand sich im Auftrag der Stiftung Bauhaus Dessau zusammen, um an einer Bestandsaufnahme und Ideensammlung zu arbeiten. 

Die Region Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg gilt deutschlandweit als Modell für einen neuen Umgang mit Energie. Mit dem Umweltbundesamt in Dessau, dem Fraunhofer-Institut in Halle oder der Stiftung Bauhaus Dessau sind hier namhafte Institute angesiedelt, die über eine Kernkompetenz bei der Erforschung erneuerbarer Ressourcen verfügen. Hinzu kommen führende Unternehmen, die seit Jahren mit technologischen Spitzenleistungen aufwarten. Solarzellen und Solarmodule aus dem Solar Valley von Bitterfeld-Wolfen werden auf dem Weltmarkt geschätzt. Der Bau von Komponenten für Windkraftanlagen in Dessau-Roßlau und Gräfenhainichen, die Biomassenutzung für die Ethanolherstellung in Zörbig und der Aufbau einer hundertprozentigen EER-Region im Landkreis Wittenberg ergänzen dieses überzeugende Portfolio.

Außerdem setzt die Region Maßstäbe beim energieoptimierten Bauen, verfügt über innovative Anlagen der Energiegewinnung und zeigt in Ferropolis, wie sich Unterhaltungsindustrie und grüner Strom verbinden lassen. Beste Voraussetzungen also für eine Standort- und Innovationsinitiative, die Partner vernetzen, neue Formen des „Energietourismus“ erproben und die wirtschaftliche Entwicklung dieser Zukunftstechnologien fördern will. Die Region Anhalt vor den Toren der deutschen Hauptstadt, die der Moderne einst Heimat war und mit Hugo Junkers und dem Bauhaus über Wegmarken der Avantgarde verfügt,  will sich als zukunftssicher präsentieren und noch attraktiver für höher qualifizierte Arbeitnehmer werden. Deshalb wurde diese Initiative unter der Federführung der Stiftung Bauhaus Dessau im November 2012 auf den Weg gebracht und vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr unterstützt.


Damals wurde folgende Dramaturgie beschlossen:

  • Tourismus

Die Stiftung Bauhaus Dessau arbeitet an sogenannten „Energierouten“, die zu oft nicht zugänglichen Produktionsorten von erneuerbaren Energien führen. Ähnlich der Routen der Industriekultur im Ruhrgebiet, sollen Schlüsselprojekte der Energiewende für Besucher geöffnet werden. Auch die Idee eines „klimaneutralen und emissionsfreien Urlaubs“ wird für Fahrradtouristen, die an der Elbe oder im Gartenreich Dessau-Wörlitz unterwegs sind, immer attraktiver. Schon jetzt kann sich die touristische Dachmarke „Kohle-Dampf-Licht“ des Tourismusverbandes Anhalt-Bitterfeld- Wittenberg mit Anbindung bis nach Leipzig über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Sie arbeitet bereits erfolgreich im Rahmen des europäischen Netzwerks ERIH (European Route of Industrial Heritage) und soll durch die „Energierouten“ wesentlich ausgebaut werden.

  • Hochschulwettbewerb:

Studierende von deutschen Hochschulen sollen beim Wettbewerb „Energy Avantgarde“ intensiv an neuen Systemlösungen für Energieeffizienz arbeiten und Ideen für das Nutzen erneuerbarer Energien im gebauten Bestand der Städte entwickeln. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie entwickelt dafür mit dem Projektträger Jülich, der Stiftung Bauhaus Dessau und den Hochschulen einen Exzellenzwettbewerb für die Architektur- und Ingenieurausbildung, der mit dem Wettbewerb „Solar-Decathlon“ in den Vereinigten Staaten vergleichbar ist. 2016 soll er erstmals in Deutschland und eventuell in der Bauhausstadt Dessau ausgetragen werden. Etwa ein Dutzend Teams sind dann damit beschäftigt,  Experimente mit energetisch optimierten Wohnbauten im Bestand zu realisieren. Damit reagiert die Region Anhalt auf die Tatsache, dass nicht der Neubau, sondern vor allem der Bestand die entscheidende Herausforderung für Energieeffizienz beim Bauen und Wohnen darstellt.

  • Showcase Ferropolis:

Die Adresse für Events und Popkonzerte in Anhalt soll auch ein Schauplatz fürs energiesparende Musikmachen werden. Die Ferropolis GmbH arbeitete mit der Green Music Initiative daran, die Veranstaltungen auf dem ehemaligen Tagebaugelände vollständig mit Solarstrom zu fahren, der vor Ort produziert wird. Das dreitägige Melt! Festival mit 20.000 Besuchern verbraucht etwa 80.000 kWh. Bisher fehlen Stromspeicher, um aus Photovoltaikanlagen gewonnene Energie gezielt für vorhalten zu können. Auf dem Markt dafür noch keine geeigneten Technologien. Genau das sollte hier passieren und für regionale und nationale Partner attraktiv werden. Zudem will die Ferropolis GmbH erlebnisorientierte Projekte auf den Weg bringen, um die Halbinsel als Ort der „Begehbaren Energiewende“ zu etablieren.