Bauhaus Lab 2023: Concrete Antarctic: Enacting Non­-Humans
Bauhaus Lab 2023: Concrete Antarctic: Enacting Non­-Humans

Im Sommer 1934 eröffnete der Londoner Zoo seinen neuen Pinguin Pool. Entworfen von Berthold Lubetkin und der Tecton Company in Zusammenarbeit mit Ove Arup, wurde die elegante und ineinander verschränkte Doppelhelix-­Rampe aus Beton, auf der die Pinguine ihre „sozialen Talente zur Schau stellen“, öffentlich gefeiert.

Das Bauhaus Lab 2023 nahm den Londoner Pinguin Pool zum Ausgangspunkt einer multidisziplinären Recherche. Die acht internationalen Teilnehmer*innen setzten sich in Archivrecherchen und Vor­-Ort-Exkursionen mit den Wissenskulturen und Materialitäten des modernen Zoo­-Designs auseinander. Welche Denkmuster von Human­-Non-­Human­-Beziehungen strukturieren die Zeigekultur des Pinguin Displays? Welche Konzepte von Umwelt und Habitat begleiteten die Gestaltungsdiskurse um den Londoner Zoo? Die kollektive Forschung, die im Rahmen des Bauhaus Labs durchgeführt wurde, reflektierte kritisch die weitreichenden Konstellationen, konzeptionellen Instrumentalisierungen, geografischen Imaginationen, Gestaltungsdiskurse und materiellen Verstrickungen dieser mehr-als-menschlichen Umwelt und schlug gleichzeitig Alternativen für zeitgenössische Gesten des Zusammenlebens vor.

Symposium und Ausstellung

Not a Penguin Pool:
Echoes of More-than-Human Entanglements

 

Ausstellung
21. Juli 2023 – 11. Feb 2024, Bauhausgebäude Dessau

 

Im Frühjahr 2023 hat eine sich Gruppe Forschender aus den Bereichen Architektur, Kunst, Kulturwissenschaften und kuratorischer Praxis auf Einladung der Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau intensiv mit dem modernistischen Pinguingehege befasst, das 1934 von Berthold Lubetkin und der Gruppe Tecton in Zusammenarbeit mit Ove Arup im Londoner Zoo errichtet wurde. Dem Bau mit seiner ikonischen Architektur wurde seither einerseits große Anerkennung zuteil. Andererseits brachte ihm der Umstand, dass er für eine artgerechte Unterbringung von Pinguinen nur bedingt geeignet war, auch einige Kritik ein. Die letzten Tiere konnten 2004 in ein anderes Gehege umziehen. So etwas wie ein gutes Design für einen Käfig gibt es nicht.

 

Nach dieser Kontroverse blieb das stille Becken inmitten des geschäftigen Zoos als ein faszinierendes Relikt zurück, düster und skurril zugleich. Sowohl in der Auseinandersetzung mit dem Ort selbst als auch in der Beschäftigung mit Originalquellen in Archiven haben die Forschenden jeweils subjektive Lesarten entwickelt, reflektiert, geteilt. Die Ausstellung bildet diese unterschiedlichen epistemologischen Zugriffe auf den Pinguinpool anhand eines Spektrums theoretischer, biologischer und kultureller Phänomene ab, die zwischen Architektur, Geschichtsschreibung und mehr-als-menschlichen Verstrickungen angesiedelt sind. Diese vielfältigen Denkweisen über den Pool werden durch eine Reihe von Archivalien, künstlerischer Arbeiten, Texten und somatischen Praktiken anschaulich gemacht. Das kollektiv erarbeitete Display, eine Übertragung der Umrisse des Pools im Originalmaßstab in die Metallwerkstatt, schafft einen Resonanzraum für multiple Konversationen mit dem ikonischen Pool und dessen weitreichenden Geografien zwischen dem Zoo in London, dem Ausstellungsraum im Bauhaus in Dessau und den Antarktischen Lebensräumen, die der Pool zum Hintergrund hatte.

Symposium
20. Juli 2023, Bauhausgebäude Dessau

 

Zum Abschluss des Bauhaus Labs 2023 fand ein Symposium statt, dass sich mit der Monumentalität des Pinguin Pools als ikonischer Architektur der Moderne auseinandersetzte. Die eingeladenen Gäste und Teilnehmer*innen diskutierten den Pool aus verschiedenen Blickwinkeln: Fragen von Migration und kolonialen Verstrickungen, geografischen Verflechtungen, menschlichen und nicht-menschlichen Beziehungen sowie der Ko-Habitation standen dabei im Zentrum der transdisziplinären ausgerichteten Gesprächsrunden.

 

Schließlich verfolgte die Veranstaltung das Anliegen, die der modernistischen Logik der Unterbringung der Pinguine zugrundeliegenden Epistemologien, Materialitäten und Hinterlassenschaften kritisch zu beleuchten und Impulse zur Überwindung derselben zu setzen.

 

Mit Polly Gould (Vereinigtes Königreich), Catarina Madruga (Deutschland) und Alexandra Nehmer (Deutschland).

 

Not a Penguin Pool: Echoes of More-than-Human Entanglements ist eine kollektive Arbeit, die von einer internationalen Gruppe eingeladener Künstler, Architekten, Kuratoren und Forscher entwickelt wurde. Die Teilnehmer*innen des Bauhaus Lab 2023 sind: Andrea Palášti, Daniella Camarena, Julieta Pestarino, Nicolás Penna, Patricia Roig Canepa, Sarah Kantrowitz und Yujia Bian, unterstützt von Regina Bittner und Philipp Sack (Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau).

Nicolás Penna und Patricia Roig Canepa wurden durch ein Forschungsstipendium der Society of Architectural Historians of Great Britain (SAHGB) gefördert.

Die Teilnahme von Andrea Palasti wurde gefördert vom Culture Moves Europe grant des Goethe-Instituts und mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union. Die hier zum Ausdruck gebrachten Ansichten spiegeln in keiner Weise die Ansichten der Europäischen Union wider.

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