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Die Architektur am Bauhaus

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“, war schon 1919 im Programm des Bauhauses zu lesen. Eine entsprechende Ausbildung erfolgte am Bauhaus Weimar zunächst über das private Baubüro von Walter Gropius, kurzzeitig gab es Kurse unter Leitung seines Partners Adolf Meyer bzw. in Anbindung an die Baugewerkschule in Weimar. Über das Büro Gropius wurden die Bauhauswerkstätten einbezogen. So entstand 1923 u. a. das Haus Am Horn. Pläne für eine Bauhaussiedlung blieben zunächst unrealisiert. Man entwarf mit z.T. neuen, auf Typisierung und Normierung orientierten Methoden nicht nur schlechthin neue Architektur, sondern antizipierte über sie auch einen neuen Lebensstil.

Trotz fehlender Architekturabteilung waren es die im Büro Gropius entworfenen und ab 1925 realisierten Bauten – allen voran das Bauhausgebäude und die Häuser für die Bauhausmeister –, die gleich von Beginn an das Bild der Dessauer Jahre prägten. Walter Gropius bot 1927 Hannes Meyer an, die Architekturausbildung zu übernehmen. Dieser begann im selben Jahr mit seiner Lehre, die alle dazugehörigen Fächer – Projektierung, Entwurf, Bauzeichnen, Konstruktion, Stadtplanung – vereinte. Für Gropius wie für Meyer bedeutete Architektur wesentlich die „Gestaltung von Lebensvorgängen“. Hannes Meyer ging über die für ihn zu sehr auf den Gegenstand fixierte „Wesensforschung“ von Gropius hinaus, indem er in seiner Lehre die konkreten gesellschaftlichen Voraussetzungen und Bedingtheiten von Architektur und ihrer Nutzung zum Ausgangspunkt allen Planens und Gestaltens machte. Mit wissenschaftlicher Akribie untersuchte man die Lebensgewohnheiten der zukünftigen Bewohner einer Siedlung bzw. eines Hauses. Beim Entwurf und der Realisierung von Bauten wie z.B. den Laubenganghäusern in Dessau oder der Bundesschule für den ADGB in Bernau bei Berlin arbeiteten Studierende verschiedener Studienjahre in „vertikalen Brigaden“ zusammen. In der Architekturabteilung unterrichteten Carl Fieger, der Ingenieur Friedrich Köhn, Hans Wittwer, Ludwig Hilberseimer, Anton Brenner, Alcar Rudelt und Mart Stam.

Ludwig Mies van der Rohe führte von 1930 bis 1933 vieles unter seinen Vorgängern Begonnene weiter. Für eine gewisse Kontinuität sorgte nach dem Leitungswechsel die Tatsache, dass Lehrer wie Ludwig Hilberseimer ihre Arbeit fortsetzten. Mies van der Rohe straffte jedoch den Unterricht zu einem kursähnlichen System, das kaum noch Spielraum für utopische Experimente bot. Nach Dessau kamen nun vorwiegend Studierende mit Vorbildung. Das Bauhaus wurde eine „Hochschule für das Zweitstudium“ (Wolsdorff, Bauhaus Archiv Berlin). Mies van der Rohes Unterricht stellte den Entwurf von Einzelhäusern in den Vordergrund, deren Gestalt nicht von Gropius’scher „Wesensforschung“ und kollektivistischer Befriedigung von „Volksbedarf“ (Hannes Meyer) geprägt wurde, sondern in ästhetisch vollendeter Weise der „räumliche Vollzug geistiger Entscheidungen“ (Mies van der Rohe) sein sollte.

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