Jugend baut Zukunft

Internationale Sommerwerkstatt 2010

Unter dem Titel "Jugend baut Zukunft" lud die Stiftung Bauhaus Dessau Jugendliche aus Dessauer Gymnasien im Alter von 16 bis 21 Jahren ein, sich über die Entwicklung ihrer Stadt Gedanken zu machen. Die  internationale Sommerwerkstatt verstand sich als Beitrag zur Belebung der Dessauer Innenstadt mithilfe von Installationen und temporären Bauten – aber auch als besonderes Bildungsangebot: Mit kreativer, experimenteller Arbeit machte sie für die Teilnehmer die Bauhaus-Moderne und ihre Aktualität praktisch erfahrbar.

Die internationale Sommerwerkstatt arbeitete als Stadtplanungsbüro auf Zeit. Mit Installationen, temporären Bauten und jeder Menge Fantasie entstanden hier neue Impulse, eine Vision für Dessau als lebenswerte, zukunftsfähige Stadt.

Seine erfolgreiche Premiere hatte das Programm bereits 2009. Über 20 Jugendliche campierten damals zehn Tage im sommerlichen Stadtpark, um als Planer auf Zeit die Dessauer Innenstadt zu vitalisieren. Ihre Entwürfe stießen bei Stadtverwaltung und Bürgern auf große Zustimmung – 2010 wurden sie weitergedacht und umgesetzt.

Resümee

Zehn Tage Sommerwerkstatt

Die Berliner Journalistin Tina Veihelmann sprach mit den Leitern der Sommerwerkstatt "Jugend baut Zukunft" über ihre Erfahrungen aus zehn Tagen Arbeit mit Jugendlichen aus Dessau und der ganzen Welt. Mehr lesen…

Workshops

Sechs Projekte quer durch die Stadt

Amazonasbar
Stadt über Bord!

Was Fitzcarraldo am Amazonas, ist Ralf an der Mulde, zusammen nennt sich das Amazonasbar: eine Bar am Flussufer, die Stadt und Natur verbindet. In dem bekannten Film wollte Fitzcarraldo einen Flussdampfer über einen Berg ziehen – muss das sein, fragt man? Ja! Berge sollten bezwungen werden, um die Grenzen von Berg und Bezwinger auszuloten. Was dein Berg während der Sommerwerkstatt sein wird und wie du ihn bezwingst, kannst Du selbst entscheiden: ein Floß über die Mulde zu bringen, einen Cocktail mit 15 Zutaten und Zuckerrand zu mixen oder deinem Lehrer ein Tänzchen auf unserer Tanzfläche abzuringen? 

Andreas Haase ist Mitbegründer des complizen Planungsbüro, Halle (Saale). Seine Arbeitsschwerpunkte sind Architektur, Kommunikation und Stadtentwicklung.

Linie 2
Der Weg ist das Ziel

1, äh…, 3 und 4. Dessau fehlt die Linie 2. Wir erwecken die stillgelegte Straßenbahnlinie 2 wieder zum Leben, um das Zentrum von Dessau mit dem Norden der Stadt zu verbinden. Und während wir die Draisine über die Gleise schaukeln und dort, wo es nicht weiter geht, auf den Schienenersatzverkehr umsteigen (Skateboard / Roller / Rikscha / Seilbahn), fragen wir uns und Dessau: Wie sieht nachhaltige Mobilität in der Stadt aus? Was bewegt uns in der Zukunft? Was kann man mit Umsteigeplätzen und Haltestellen machen, außer zu warten? Denn mit Warten ist jetzt Schluss, jetzt geht’s ans Eingemachte.

Elke Knöß-Grillitsch, Peanutz Architekten. Peanutz beschäftigen sich mit allen Erscheinungsformen von Architektur.  Die Methode des „Tuning“ ist Markenzeichen ihrer Arbeiten und steht für kleine und große Eingriffe mit vielfältigem Nutzen.

Planetolaris Tanko
Tritt ein in den Elektro-Kosmos

Zu viele Parkplätze in zu vielen Städten – und wir machen endlich mal was Sinnvolles damit: Wir füllen die Parklücken mit selbstgebauten Ein-Mann-Gefährten, angetrieben von Akkuschraubern. Da alle Akkus einmal aufgeladen werden müssen, braucht es eine Solar-Tanke: Die Tankstelle befüllt Schrauber, Musik und kühle Getränke. Der Kosmos, den wir errichten, spendet Energie für Dessau – damit auch die Stadt ihre Akkus aufladen kann. Bist Du also eher Pilot, Tüftler, Energieexperte oder Kühlschrankauffüller? Können musst Du erstmal nichts, nur wollen. Bei technischen Detailfragen hilft das "Amt 8 Herr Mayer".

Amt 8 Herr Mayer besteht aus der freischaffenden Künstlerin Ursula Achternkamp, dem gelernter Kfz-Mechaniker und diplomierten Designer Arne Amtsfeld und dem freischaffenden Künstler Matthias Mayer aka MoMagic.

Back to the roofs
Ist Heimat, wo mein Bett steht?

Egal, woher man kommt und wie es da ist, Heimat verursacht meist ein wohliges Bauchgefühl. Merkt man manchmal erst, wenn man nicht mehr da ist. Damit uns das nicht passiert, suchen wir nach dem Auslöser für Heimatgefühle. Das Poster an der Wand? Mamas Spaghetti? Der Schulweg, den man blind laufen kann? Handfeste Ergebnisse liefert unser Wohnlabor:  In  Hochhäusern, Kellern und Dächern  forschen   wir  nach den   Essenzen, die dem Leben in der Platte,  in Dessau, in jeder Stadt überhaupt die Würze verleihen. Jeden Tag richten wir uns dort neu ein, gestalten einen Lebensraum und dokumentieren das Ganze als Fotoreportage. Welche Wohnfiktionen gibt es im Leerraum, wie lebt es sich im Dschungel, was braucht ihr, um Daheim zu sein, und wer sagt eigentlich, wohnen sei Privatsache? 

Andine Mosa, Diplom-Ingenieurin (Innenarchitektur) & Anne-Laure Mellier, Architektin, arbeiten beim Architekturbüro raumlaborberlin.

Made in Dessau – powered by Toulouse
30% Frankreich / 40% Polen / 30% Deutschland

Wir drücken allem unseren Stempel auf: ‚Made in Dessau – powered by Toulouse’ steht da zum Beispiel. Wir sind Erforscher dieser Stadt mit einem Rucksack internationalen Proviants. Wir sammeln deutsche Alt- und Neuwaren, vernähen und verkleben sie mit französischem Garn und verkaufen die entstehenden Unikate und Serien durch polnische Hand. Wir zweckentfremden alles, was uns in die Finger gerät. Neu Gekauftes wird umgestaltet und gebrauchten Fundstücken hauchen wir eine neue Seele ein. Wir entwickeln unsere eigene Verkaufskulisse und bauen sie. Ergebnis ist ein internationaler Laden mit internationalen Produkten. Do it yourself!

Brigitte Hartwig ist Professorin für Kommunikationsdesign am Fachbereich Design der Hochschule Anhalt-Dessau (FH).

Atlantis now!
Frisch eingetroffen im Dessauer Hafen: 2 Tonnen Seemanngsgarn

Hier entsteht demnächst der 30-stöckige Neubau der Universität für zwischenmenschliche Beziehungen! Achtung Sperrgebiet! Kontrollierte Sprengung des Hauptbahnhofes morgen um 10.30Uhr.  Betreten verboten: Hier brüten Flamingos! Behauptungen können Wahrheit werden. Aus einem Gerücht kann eine Nachricht entstehen. Wir beziehen mit unserer grafischen Gerüchteküche einen leer stehenden Laden in der Innenstadt, um dort Bauschilder zu entwerfen, Plakate zu gestalten und Zeitungsenten zu füttern. Mit Frechheit, Ironie und spitzen Stiften werden wir die öffentliche Meinung manipulieren, mit selbstgebauten Umleitungsschildern werden wir die Kirche ums Dorf fahren lassen und Liebesbriefe zum Frühstück verteilen.

Steffen Schuhmann und Christian Lagé sind Mitbegründer des Berliner Designstudios anschlaege.de. Sie sind Experten für unkonventionelle Kommunikation und Interventionen im öffentlichen Raum.

Partner

"Jugend baut Zukunft" ist ein Modellvorhaben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Jugendliche in Stadtquartieren" des Bundesinstituts für Bauwesen, Stadtentwicklung und Raumordnung und des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Die Stiftung Bauhaus Dessau hat das Projekt in Kooperation mit den Schulen des Landes Sachsen-Anhalt und deren internationalen Partnerschulen entwickelt.


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